Pensionist nach Attacke mit Gartenzwerg eingewiesen

Ein 77-jähriger Pensionist ging mit einem Gartenzwerg in der Hand auf Polizisten los. Zum Tatzeitpunkt war er laut dem Sachverständigen unzurechnungsfähig.

Elisabeth Kirchmeir Erstellt am 10. April 2019 | 03:51
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Viele Gartenzwerge in einem Garten. Kitsch macht Freude
Foto: NOEN, Erwin Wodicka/Bilderbox.com

„30 Jahre, zwei Monate und 19 Tage“ sei er bei der Eisenbahn gewesen. Dann sei er in Pension geschickt worden, erzählte der Angeklagte am Montag dieser Woche vor Gericht. Sein Chef habe gesagt: „Die Westbahn führst du!“, erinnerte sich der betagte Mann.

2017 erlitt er einen Schlaganfall. Danach habe sich, das beobachteten Familienangehörige, das Wesen des an Diabetes, hohem Blutdruck und einem schwachen Herzen leidenden Mannes verändert.

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Am 14. Oktober 2018 kam es zu einem Zwischenfall, der schließlich zu einer Anklage vor Gericht führte.

Der Pensionist war mit seiner langjährigen Lebensgefährtin in Streit geraten. Die Frau schloss sich mit ihrer Schwester im Haus ein, der Pensionist schnappte sich einen circa 50 Zentimeter großen Gartenzwerg aus Hartplastik und drosch damit auf die Rollläden der Fenster ein.

Die Frauen riefen die Polizei.

 13 Gewehre wurden im Haus gefunden

 „Er hielt den Gartenzwerg an der Zipfelmütze“, berichtete einer der einschreitenden Polizisten. Kurz habe der Pensionist mit dem Gartenzwerg aufgerieben, dann habe man ihn bereits am Arm gepackt, ihm den Gartenzwerg entrissen und dem Mann trotz seiner Gegenwehr Handfesseln angelegt. Bei einer Durchsuchung des Hauses fanden die Polizisten später etliche Waffen. „13 Gewehre haben sie mir weggenommen“, sagte der Angeklagte.

Ein Sachverständiger aus dem Fachgebiet der Psychiatrie stellte fest, dass der Mann zum Tatzeitpunkt unzurechnungsfähig war.

Deshalb beantragte Staatsanwältin Peter Bauer nicht eine Verurteilung wegen versuchten Widerstandes gegen die Staatsgewalt, sondern eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Eine Maßnahme, die von der Staatsanwältin als „Schutz des Angeklagten und der Bevölkerung“ bezeichnet wurde. Der Angeklagte bezeichnete den Vorfall als „Racheakt des Postenkommandanten“. Nach seiner Verhaftung habe er in der Untersuchungshaft „seinen Urlaub verbracht“. „Mir geht es wunderbar“, verriet er der Richterin Daniela Berger. Der Angeklagte habe „paranoide Wahngebäude aufgebaut“, es gebe Anzeichen, dass er eine Demenz entwickle, berichtete der Sachverständige.

Ein Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Daniela Berger kam zu dem Schluss, dass eine „Einweisung zum jetzigen Zeitpunkt alternativlos“ sei. Nach eingehender Beratung mit seiner Anwältin verkündigte der Pensionist: „Frau Rat, ich mache einen Rechtsmittelverzicht“.