Rauchverbot: „Diskussionen sind längst vorbei“

Die BVZ hat sich bei Neusiedls Gastronomen umgehört, wie die Umsetzung des neuen Gesetzes läuft.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 20. November 2019 | 04:23
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Seit knapp drei Wochen gilt das absolute Rauchverbot in der Gastronomie. Ausnahmen, etwa für kleine Lokale, gibt es nun keine mehr. Es heißt nun generell „Rauchen verboten“, sobald Speisen und Getränke angeboten werden. Im Gespräch mit der BVZ erzählten Neusiedler Gastronomen über ihre ersten Erfahrungen.

Langsamer Entzug

Eines vorweg: Von Problemen mit Gästen, die sich partout nicht an das neue Rauchverbot halten wollten, berichtete keiner der Interviewpartner. Die Gäste seien sehr diszipliniert und würden sich an das neue Gesetz halten, heißt es unisono von den Gastronomen.

Neusiedls Wirte ließen sich allerdings schon im Vorfeld der Gesetzesänderung so einiges einfallen, um ihren Gästen die Umstellung zu erleichtern und sie langsam an das Rauchverbot zu gewöhnen. Kurt Windholz, Wirt im Gasthaus „Zur Alten Mauth“, führte schon im Sommer das „sonntägliche Rauchverbot“ ein.

„Der Sonntag ist bei uns im Lokal Familientag. Es ist organisatorisch einfacher gewesen, das Wirtshaus an diesem Tag rauchfrei zu machen“, erklärte Windholz. Auch der Raucherbereich in der Gaststube sei also seit dem Sommer sonntags frei vom blauen Dunst geblieben. Beschwert habe sich über dieses temporäre Rauchverbot niemand. Auch in den vergangenen drei Wochen, seit das absolute Rauchverbot gilt, habe es keine Probleme gegeben.

Für das „à a Carte“ - Geschäft erwartet sich Windholz durch das Rauchverbot keine Umsatzrückgänge. Diese optimistische Prognose will er für das Geschäft mit Feiern geschlossener Gesellschaften allerdings nicht machen.

„Keine Einbußen im ‚à la Carte‘-Geschäft“

„Im Saal durfte früher bei Festen an der Bar geraucht werden, jetzt müssen die Raucher in den Gastgarten gehen. Die Festgesellschaft wird dadurch zerrissen. Es kann sein, dass dann 30 Leute draußen stehen und zehn drinnen sitzen“, gibt Windholz zu bedenken. Für seine rauchenden Gäste hat er seinen Garten jedenfalls so heimelig wie möglich gestaltet und unter der Laube eine Heizung montiert.

Auch Fritz Tösch hat seine Gäste langsam an das komplette Rauchverbot herangeführt. In der Pizzeria Da Capo am Nyikospark durfte seit eineinhalb Jahren auch in den Raucherräumlichkeiten – im Schankraum und im Wintergarten – erst ab 21 Uhr geraucht werden. Anfangs habe es am Stammtisch Debatten darüber gegeben. „Aber das ist längst vorbei“, sagt Tösch, „über das Rauchverbot gibt es keine Gästediskussionen mehr“. Dass wegen des neuen Gesetzes weniger Gäste kommen, sei für ihn nicht feststellbar. Tösch begrüßt jedenfalls die einheitliche Lösung ohne Ausnahmen: „Nur so funktioniert das, sonst würde es wieder Wettbewerbsverzerrungen geben.“

„Die Festgesellschaft wird zerrissen. Es kann sein, dass 30 Leute draußen stehen und zehn drinnen sitzen.“Gastronom Kurt Windholz

Auch im „Joe’s Pub“ auf der Hauptstraße darf nicht mehr geraucht werden. Jedenfalls nicht drinnen. Wer sich doch eine Zigarette anrauchen möchte, der findet eine gemütliche Raucherlounge in der Hauseinfahrt vor: Zwei Stehtische, Sesseln, ein Heizstrahler. Selbst das Fußball-Ländermatch konnten die Raucher vergangenen Freitag im Freien mitverfolgen, denn die Freiluft-Raucherlounge ist mit einem TV-Gerät ausgestattet. Serviert wird aber nicht.

„Niemand hat bisher versucht, im Lokal zu rauchen. Alle Gäste haben das Rauchverbot sofort akzeptiert“, so Chef Christian Ruiner. Veränderung beim Umsatz konnte auch er noch keine feststellen. Der Beobachtungszeitraum sei jedoch noch sehr kurz, merkt er an. In die gleiche Kerbe schlägt Martin Putzlager. Er führt das Café Zentral in Neusiedl am See und das Restaurant „T-Bone“ im Cineplexx in Parndorf. Wie sich das absolute Rauchverbot auf die Umsätze der Gastronomiebetriebe auswirken werde, zeige sich erst in den nächsten Monaten.

„In der Gastronomie gibt es immer schlechte und gute Tage. Erst in einem halben Jahr wird absehbar sein, welche Auswirkungen das Rauchverbot auf das Geschäft hat. Es wird sicher Kunden geben, die kürzer bleiben und das eine oder andere Achterl weniger trinken. Andererseits habe ich zuletzt auch Gruppen beobachtet, die nicht essen gekommen sind, weil geraucht worden ist. Es könnte sich also wieder ausgleichen“, so Putzlager.

Umsätze: Rückschlüsse in nächsten Monaten

In der Trafik am Hauptplatz ist das Geschäft mit Tabakwaren jedenfalls auch in den vergangenen drei Wochen unverändert gelaufen. Negative Auswirkungen auf den Umsatz konnte Trafikant Hannes Dragschitz bisher nicht feststellen. Der Obmann des Landesgremiums der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer Burgenland weiß aber auch, dass der Beobachtungszeitraum noch zu kurz ist, um aussagekräftige Rückschlüsse ziehen zu können. Ob der Umsatz in Gastronomie und Tabakhandel halten wird, wird sich in den nächsten Monaten weisen.