Rauchverbot: Wirte selbst gespalten. Gastronomen im Bezirk über das gekippte Gesetz: Viele haben bereits in nun unnötige Maßnahmen investiert, Unsicherheit groß.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 20. Dezember 2017 (09:55)
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Heiß diskutiert. Auch bei den Gastronomen im Bezirk sorgt das Thema „Rauchen im Lokal“ für jede Menge Gesprächsstoff und viele unterschiedliche Meinungen.

Die Ankündigung der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung, das absolute Rauchverbot zu kippen, sorgte für viel Kritik von Ärzten und Empörung in der Bevölkerung.

Gastronomen sehen das abgesagte Rauchverbot von gelassen bis positiv bis unverständlich. Die BVZ hat sich bei einigen Wirten im Bezirk erkundigt, was sie davon halten, dass in ihren Gaststätten auch weiterhin geraucht werden darf.

Über eine Absage des absoluten Rauchverbotes in der Gastronomie wäre Marlies Beck sehr erfreut. Die Golser Wirtin des Familienbetriebes „Jacky´s Mühle“ ist sich sicher:

„Kommt das Rauchverbot, müssen die kleinen Gastronomiebetriebe zusperren. Arbeitsplätze werden verloren gehen.“ Diese Gefahr ortet sie für das eigene Lokal zwar nicht, bei einem generellen Rauchverbot, würde aber auch sie mit Einbußen rechnen müssen, meint Beck im BVZ-Gespräch. Die Gäste würden kürzer im Lokal bleiben, das Abendgeschäft wäre früher zu Ende.

Wirte: Bürger sollen selbst entscheiden

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Investiert. Das Hin und Her beim Thema Rauchen verursacht hohe Koste, meint Hans-Martin Naglreiter.

Selbst Raucherin begrüßt sie zwar Aufklärungskampagnen der Ärzte, verurteilt aber ein Nichtraucherschutzgesetz, das Rauchen in der Gastronomie komplett verbietet. „Ich möchte mich nicht vom Staat bevormunden lassen. Man braucht nicht für alles ein Gesetz. Die Bürger sind mündig und können selbst entscheiden.“

Auch Doris Hain, Geschäftsführerin des Neusiedler Clubs „Bergwerk“ hat kein Problem mit der Aufhebung des Rauchverbotes - obwohl sie ihr Lokal schon vor zwei Jahren mit einem Holzverschlag, der Rauchern im Freien als Unterstand dienen soll, „Rauchverbot-fit“ gemacht hat. Die „Bergwerk“-Chefin sagt:

„Mich persönlich stört es nicht, dass das Rauchverbot gekippt wurde und ich werde auch nicht die Förderung für die freiwillige Umstellung auf ein Nichtraucherlokal in Anspruch nehmen. Ein großer Teil der Bergwerk-Gäste raucht und ich habe nicht das Gefühl, dass es die Nichtraucher und die Klubatmosphäre stört. Wir haben ein sehr gutes Belüftungssystem und dadurch ist das Rauchen keine große Beeinträchtigung.“

Gast kann sich Lokal aussuchen, Kellner nicht

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Gelassen. „Bergwerk“-Chefin Doris Hain hat kein Problem mit dem abgesagten Rauchverbot.

Daniel Hickl vom Landgasthof Altes Brauhaus in Frauenkirchen steht dem Umschwung der neuen Regierung kritisch gegenüber. „Wir stellen unseren Gästen sowohl einen Raucher- , als auch einen Nichtraucherbereich zur Verfügung, haben aber bislang die Erfahrung gemacht, dass der Nichtraucherbereich bevorzugt wird.“

Er würde ein absolutes Rauchverbot begrüßen, denkt dabei auch an seine Mitarbeiter: „Als Gast kann man sich aussuchen, welches Lokal man besuchen, oder in welchem Bereich man sich aufhalten möchte. Ein Kellner beispielsweise muss mit den vorgegebenen Arbeitsbedingungen zurechtkommen.“ Aus diesen gewichtigen Gründen überlegt man in Frauenkirchen bereits jetzt schon, das Alte Brauhaus künftig eventuell als Nichtraucherlokal zu führen.

Unsicherheit: Klare Richtlinien gefordert

Hans-Martin Naglreiter ist das Thema leid, denn er ärgert sich über das „Hin und Her der Politik“: „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Der Aufwand ist riesig, ich habe ein Jahr in zwölf Jahren - je nach Gesetzeslage - mehrmals adaptiert, nun ist wieder alles anders. Entweder ein Ja oder Nein zum Rauchen, wir brauchen klare Richtlinien. Alles andere ist politisch unverantwortlich.“