Resümee zur ersten Unterrichtswoche im Lockdown. 7,6 Prozent der 6- bis 14-Jährigen nutzten im Schnitt täglich das Betreuungsangebot der Schulen im Bezirk Neusiedl, seltener als in anderen burgenländischen Bezirken.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 26. November 2020 (03:12)
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Seit zehn Tagen hat sich der Schulalltag – wie schon einmal im Frühling – in das eigene Heim verlagert. Seit 17. November steht nun für alle Schulstufen „Home Schooling“ auf dem Stundenplan. Die BVZ hat Eindrücke gesammelt und nachgefragt, wie die „Schule zu Hause“ im zweiten Corona-Lockdown funktioniert.

„Wir konnten relativ problemlos von einem auf den anderen Tag umstellen“, erklärt Stefan Haider, Leiter der Volksschule in Podersdorf. Die notwendigen Instrumentarien seien vom ersten Lockdown vorhanden und bereits erprobt. Die burgenländische Online-Lernplattform Skooly.at hat sich dabei bewährt. „Die Kinder haben Aufgabenpakete und Lernmaterialien nach Hause bekommen, ihre Instruktionen holen sie sich aber täglich über Skooly“, beschreibt Haider den neuen Schulalltag.

„Wird der Lockdown nicht verlängert, sehe ich keine Gefahr, dass beim Bildungsfortschritt eine größere Lücke entsteht.“ Stefan Haider, VS Podersdorf

Nicht alle Kinder können ihre Aufgaben zu Hause erledigen. Home-Schooling und Homeoffice sind nur schwer vereinbar. Die Doppelbelastung zehre enorm an den Nerven, hört man aus Elternkreisen und viele Eltern können ihre Arbeit gar nicht von zu Hause aus erledigen. Eine Betreuung wird in den Volksschulen, Mittelschulen und der AHS-Unterstufe angeboten. In der VS Podersdorf nahmen dieses Angebot in der ersten Woche im Schnitt täglich 15 Kinder an, im gesamten Bezirk 336 Kinder, also 7,6 Prozent. Im Vergleich mit den anderen burgenländischen Regionen wird hier das Betreuungsangebot am seltensten in Anspruch genommen. Spitzenreiter sind die Bezirke Mattersburg und Güssing, wo täglich durchschnittlich 14 Prozent beziehungsweise 12,6 Prozent der 6 bis 14-Jährigen in der ersten Lockdown-Woche die Schule besuchten.

Generell ist zu beobachten, dass das Betreuungsangebot verstärkt von jüngeren Schülerinnen und Schülern genutzt wird. Im Neusiedler Bezirk waren es im Tagesschnitt 12 Prozent der Volksschüler, 3,7 Prozent der Mittelschüler und nur ein Prozent der Gymnasiasten (Unterstufe), die in der ersten Woche in die Schule kamen.

Lockdown Unterricht
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In vielen Schulen werden leistungsschwächere Kinder oder Schüler mit einer anderen Muttersprache als Deutsch explizit eingeladen, das Betreuungsangebot anzunehmen. So auch in der Podersdorfer Grundschule. Diese Kinder könnten von der intensiveren persönlichen Betreuung vor Ort sogar profitieren, glaubt Schulleiter Haider.

Ähnlich auch die Situation in der Neusiedler Mittelschule: „Es sind zurzeit vor allem jene Schüler an der Schule, die zum Beispiel zuhause keinen ausreichenden Arbeitsplatz oder IT-Ausstattung haben. Einige Schüler, wo wir wissen, dass es eine pädagogische Maßnahme ist, diese Kinder nicht zu ‚verlieren‘, haben wir motiviert beziehungsweise ihnen aktiv nahegelegt, an die Schule zu kommen“, berichtet Fachlehrerin Karin Jahn. Die Jugendlichen und Eltern schätzten die Betreuung an der Schule in diesem zweiten Lockdown und seien sehr dankbar dafür, dass die Kinder nicht den Anschluss verlieren.

„Wird der Lockdown für die Schulen nicht verlängert, wird man das schaffen“, zeigt sich auch Volksschuldirektor Stefan Haider zuversichtlich: „Wir brauchen keine große Sorge haben. Wir üben, festigen und vermitteln moderat neue Inhalte. Ich sehe momentan keine Gefahr, dass beim Bildungsfortschritt eine größere Lücke entsteht.“ Was Haider aber schon feststellt: „Die Kinder suchen den Austausch mit ihren Klassenkollegen. Die Chatmöglichkeit über die Skooly-Plattform wird rege für die Kommunikation zwischen den Kindern, die in der Betreuung sind, und denen, die zu Hause lernen, genutzt.“