Wegen Vergewaltigung angezeigt: Freispruch

Erstellt am 01. Januar 2022 | 06:31
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Foto: APA/Webpic
Während einer Party soll ein 24-Jähriger eine Frau ins Auto gelockt und sie mehrfach vergewaltigt haben.
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Am 19. September 2020 hatte in Bruck an der Leitha eine Privatparty im kleinen Rahmen stattgefunden.

Mit dabei war auch ein 24-jähriger Mann. Unter einem Vorwand soll er eine Frau, die er erst ca. zehn Tage vorher kennengelernt hatte, ins Auto gelockt haben.

Er soll mit der Frau bis zu einem Feldweg gefahren und dort gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr vollzogen haben.

Weinend soll das mutmaßliche Opfer Stunden später zur Party zurückgekehrt sein.

Der wegen Vergewaltigung angeklagte 24-Jährige bekannte sich vor einem Schöffensenat nicht schuldig.

„70 Prozent der geschilderten Vergewaltigungen sind falsch“, sagte sein Verteidiger. Der Freund der angeblich vergewaltigten Frau habe diese aufgefordert, Anzeige zu erstatten.

„So kommen die meisten Fehlvergewaltigungen zustande, weil der Freund wütend und eifersüchtig ist“, sagte der Anwalt. Der Sex sei einvernehmlich erfolgt.

Der Angeklagte berichtete, dass er mit der Frau bereits ein paar Tage vor dem 19. September 2020 Oralverkehr gehabt hatte. „Auf wessen Wunsch?“, fragte Richterin Doris Halper-Praunias.

„Von mir ging es aus“, sagte der Angeklagte. Die Frau habe sich über ihren Freund beklagt, ihm erzählt, dass sie geschlagen werde und ihren Freund verlassen wolle.

Angeklagter bestritt die Schilderungen der Frau

Bei der Party hätten sie sich gegenseitig „angemacht“. Der Freund des mutmaßlichen Opfers war damals zuhause gewesen und hatte nicht an der Party teilgenommen.

Die sexuellen Handlungen in der Nacht der Party seien nicht gegen den Willen der Frau erfolgt, er habe diese auch nicht misshandelt, bedroht, geschlagen oder im Auto eingesperrt, sagte der Angeklagte.

„Dass die Aussage der Frau von dem abweicht, was Sie sagen, ist Ihnen klar?“, fragte die Richterin.

„Das ist alles gelogen, hundertprozentig“, antwortete der Angeklagte.

Andere Partygäste berichteten als Zeugen vor Gericht, dass das mutmaßliche Opfer weinend zur Party zurückgekehrt sei.

„Sie sagte, dass sie vergewaltigt wurde“, berichtete einer der Zeugen.

Die widersprüchlichen Aussagen ließen bei dem Schöffensenat Zweifel an den Darstellungen der Frau aufkommen, zumal eine ärztliche Untersuchung nach dem angeblichen Vorfall keine offensichtlichen Verletzungen im Genitalbereich und an anderen Körperstellen ergeben hatte.

Daher erfolgte ein Freispruch im Zweifel, gegen den der Staatsanwalt keine Berufung einbringen wird.

Der Freispruch ist somit rechtskräftig.

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