Wein-Events und Martiniloben coronabedingt abgesagt. Die gewohnten Wein-Events sind in allen Gemeinden abgesagt. Viele Winzer empfangen aber angemeldete Kleingruppen.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 05. Oktober 2020 (04:34)
Dicht gedrängt im Weinkeller: Das wird es aufgrund der Corona-Maßnahmen heuer nicht geben. Das traditionelle Martiniloben kann dieses Jahr nicht in seiner bewährten Form stattfinden.
Archiv

Seit Jahren versucht die Region um den Neusiedler See, die Tourismussaison zu verlängern und einen Ganzjahrestourismus zu etablieren. Mit dem pannonischen Herbst, der ganz im Zeichen von Wein und Kulinarik stand, ist das in den vergangenen Jahren immer besser gelungen. Das herbstliche Angebot der Region fand im Martiniloben seinen Höhepunkt. Tausende Weinliebhaber pilgerten in die Keller der Winzer und verkosteten deren Weine. In dieser Form wird das heuer aus den bekannten Gründen nicht stattfinden.

Sämtliche Weinbaugemeinden haben ihre Veranstaltungen rund um das Martiniloben abgesagt. Das Wandern von Keller zu Keller, wo man gegen einen Pauschalpreis Wein verkosten kann, ist mit den Veranstaltungsauflagen in Zeiten von Corona nicht vereinbar. „Wir hätten ein Veranstaltungskonzept für 50 Personen gehabt, nun dürften aber nur zehn Personen gleichzeitig in die meisten Keller. Das geht nicht“, erklärt Podersdorfs Tourismusgeschäftsführer Rene Lentsch. Rund 20 Keller öffnen zum Martiniloben in Podersdorf normalerweise ihre Pforten, mit dem Hiataeinzug wird das Wochenende traditionell eröffnet. Dieses Spektakel wird es heuer nicht geben. „Die Winzer werden ihre Weinkeller für angemeldete Gruppen aber öffnen“, betont Lentsch.

Die Region um den Neusiedler See ist rund um die Weinevents im Herbst traditionell gut gebucht. Die Gäste sind allerdings verunsichert. „Wir merken, dass vermehrt nachgefragt wird, nicht alle stornieren ihre gebuchten Zimmer aber. Wir gehen davon aus, dass die Buchungslage im Ort auch an den Wochenenden im Oktober und November noch gut sein wird“, hofft Lentsch.

Daran glaubt auch seine Kollegin im Neusiedler Tourismusbüro Eva Koppitsch. Gemeinsam mit dem Neusiedler Weinbauverein plant sie für zwei Wochenenden ein kleines, aber feines Rahmenprogramm für die treuen Gäste, die trotz der Absage des Martinilobens in die Stadtgemeinde kommen. Von 30. Oktober bis 1. November und von 6. bis 9. November stehen Weinriedenwanderungen und Nachtwächterrundgänge unter dem Motto „Das Vermächtnis des Heiligen Martin“ auf dem Programm.

Unter dem Motto „Neusiedler Weinherbst“ werden auch die Winzer ihre Pforten öffnen und Weinliebhaber empfangen. „Aber nicht alle geballt an einem Wochenende“, sagt Markus Königshofer, Obmann des Weinbauvereins, „sondern den ganzen Herbst hindurch und nur gegen Voranmeldung.“ So soll es den Gästen möglich gemacht werden, ihre eigene kleine Kellertour zu organisieren. Beworben soll der „Neusiedler Weinherbst“ vor allem in Westösterreich werden.

Auch in der größten Weinbaugemeinde Österreichs, in Gols, lässt man sich auf keine Großveranstaltung ein. „Wir haben das Martiniloben ebenfalls abgesagt. Wir haben keine andere Wahl“, bedauert Michael Allacher, Obmann des örtlichen Weinbauvereines. Rund 70 (!) Winzer nahmen im Vorjahr am Golser Martiniloben teil. Die Absage ist für die Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe ein herber Schlag. Aber auch in Gols will man Kleingruppen in den Kellern gegen Voranmeldung empfangen. „So wie auch schon den ganzen Sommer hindurch“, erklärt Allacher. Unter dem Motto „Offene Winzertüren“ können Golser Weinbauern eine Internet-Plattform des Weinbauvereins nutzen: „Dort ist immer zu sehen, welche Winzer gerade geöffnet haben.“

Auch in Frauenkirchen fällt heuer die kulturelle Herbstveranstaltung mit Winzern und zahlreichen Betrieben infolge der Corona-Pandemie aus. Außerdem wären am 31. Oktober zahlreiche Aktionen rund um die Basilika am Programm gestanden. „Wir hätten die Veranstaltung gerne durchgezogen, es hätte so viel Spaß gemacht. Wir bedauern den Umstand sehr. Wir hätten aber zu viele Vorkehrungen treffen müssen, es wäre nicht umzusetzen und auch das Risiko ist einfach zu hoch“, erläutert Janine Zangl, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Frauenkirchen.