Zwei Bürgerinitiativen wettern um KH-Standort

Sie sind sich einig, dass ein Spital in die Mitte des Bezirks gehört. Das geplante Grundstück in Gols spaltet die Bürger der Region aber.

Erstellt am 25. Februar 2021 | 05:33
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Matthias Allacher, Dr. Brigitte Steininger, PVÖ-Bezirksvorsitzender Josef Loos und Krebspatient Werner Achs setzen sich mit dem neuen Verein Freunde des Krankenhause Gols für den geplanten Standort zwischen Weiden und Gols ein.
Foto: Birgit Böhm-Ritter

GOLS / NEUSIEDL AM SEE Die Affinität zu Wein und zu einem neuen Krankenhaus dürften zwei Bürgerinitiativen des Bezirks miteinander gemeinsam haben. Letzteres trennt sie aber auch gleich wieder voneinander, nämlich dann, wenn es um den geplanten Standort desselbigen geht.

Aber der Reihe nach: Am Montag lud ein gerade frisch aus der Taufe gehobener Verein mit dem Namen „Freunde des Krankenhauses Gols“ zu einem Pressegespräch. Als Veranstaltungsort gewählt hat man das Golser Weingut Vinum Pannonia, von dem man die Golser Weinberge bis zum Neusiedler See überblicken kann. Der Blick reicht übrigens auch bis zum geplanten Standort des neuen Bezirkskrankenhauses, das bekanntlich bis 2030 von Kittsee in das Bezirkszentrum verlegt werden soll. Ein Standort, der besser nicht sein könnte, geht es nach den Vereinsmitgliedern: Weit genug entfernt von Wohngebieten, womit Lärmbelästigung kein Thema ist, und trotzdem durch die günstige Verkehrsanbindung vom ganzen Bezirk in 30 Minuten zu erreichen – und er liegt im Grünen, was für die Genesung der Patienten nur förderlich sein kann.

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Dass genau dieser Standort - zwischen Weiden und Gols - aber so gar nicht den Idealvorstellungen der im Spätherbst gegründeten zweiten Bürgerinitiative mit dem Namen „Ja zum Krankenhaus – Nein zur Verbauung der Golser Wiesäcker“ entspricht, durften die Medienvertreter einen Tag später erfahren: Denn diese lud am Dienstag zum Medientermin. Nach Neusiedl am See ins Weinwerk Burgenland, um nochmals auf die eingangs beschriebene gemeinsame Affinität zum Wein zurück zukommen. Die sich übrigens auch in den handelnden Akteuren der beiden Initiativen widerspiegelt. So engagiert sich der Golser Winzer Helmuth Renner gegen den geplanten Standort, weil er in einem Natura 2000 Schutzgebiet liegt, sein Branchenkollege Matthias Allacher wiederum ist großer Verfechter dieses Platzes. Als Besitzer eines Grundstückes dort war er es auch, der den „Deal“ mit dem Land Burgenland „einfädelte“, in dessen Folge ein Optionsvertrag mit 23 Grundstückseigentümern abgeschlossen wurde.

Warum, erklärte er beim Pressetermin mit einem einprägsamen Erlebnis, das seine eigene Gesundheit bedrohte: Bei einem Arbeitsunfall habe er sich Schulter und Rippen schwer verletzt. Durch eine falsche Behandlung habe sich sein Zustand noch verschlechtert. „Genau in dieser Situation habe ich von dem neuen Krankenhaus erfahren und gesehen, dass mein Grundstück genau im bestens geeigneten Gebiet liegt. Da habe ich sofort Kontakt mit dem Bürgermeister und dem Landeshauptmann aufgenommen.“ Es sei für die medizinische Grundversorgung enorm wichtig, dass das Krankenhaus in das Zentrum des Bezirkes rücke.

Das bestätigt auch seine Mitstreiterin Dr. Brigitte Steininger. Die Golserin ist Chirurgin im Krankenhaus Kittsee und steht nun als Obfrau an der Spitze des neuen Vereines der Freunde des Krankenhauses Gols. Schon seit Jahrzehnten wünsche sie sich, dass das Krankenhaus vom nördlichsten Zipfel des Bezirks in dessen Mitte rücke. „Der Neusiedler Bezirk braucht eine medizinische Versorgung, die wohnortnahe stattfindet“, betont sie. Das werde noch wichtiger, zumal es ein immer größeres medizinisches Versorgungsproblem in Österreich gebe: „Stichwort Ärztemangel, Hausärztemangel, Pflegemangel.“ Zur Lage im Naturschutzgebiet angesprochen, sind sich die Befürworter einig: Man erhole sich besser, wenn ein Krankenhaus von Grünflächen umgeben ist als von einem Industriezentrum. Eine bessere Alternative gebe es in der Region eben nicht.

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Die Bürgerinitiative „Ja zum Krankenhaus – Nein zur Verbauung der Golser Wiesäcker“ unterstreicht die Notwendigkeit eines neuen Spitals im Bezirkszentrum, ein Bau in einem Natura 2000 - Schutzgebiet soll es aber nicht sein. Im Bild: Nikolaus Gracher, Fiona-Aurelia und Wolfgang List sowie Helmuth Renner.
Birgit Böhm-Ritter

Genau das will die Bürgerinitiative „Ja zum Krankenhaus – Nein zur Verbauung der Golser Wiesäcker“ geprüft wissen. Denn die namensgebenden Wiesäcker liegen in einem Natura 2000 – Europaschutzgebiet. Laut einem in Auftrag gegebenen naturschutzfachlichen Gutachten würden hier zumindest neun Vogelarten leben, die durch die Vogelschutzrichtlinie streng geschützt seien.

Obmann Nikolaus Gracher und Schriftführer Helmuth Renner haben sich mit den Anwälten Fiona-Aurelia und Wolfgang List Experten in Sachen Umweltrecht ins Boot geholt. Gemeinsam hat man nun eine Beschwerde an die Europäische Kommission gerichtet, mit dem Ziel, dass diese die Rechtmäßigkeit des Umwidmungsverfahrens der Grundstücke überprüft. „Die Bürgerinitiative selbst hat nämlich keine Parteienstellung“, erklärt Umweltjurist Wolfgang List. „Bei einem Treffen mit Landeshauptmann Doskozil wurde uns zwar der Austausch von Unterlagen zugesagt, bekommen haben wir jedoch noch keine Zeile. Wir hingegen haben unsere Gutachten zur Verfügung gestellt.“

Detail am Rande: Obmann Gracher möchte übrigens im neu gegründeten Verein Mitglied werden, denn er sei „ja auch ein Freund des Krankenhauses“.

Aus dem Büro des Landeshauptmannes Doskozil verweist man auf einen Umweltbericht, der im Zuge des Umwidmungsverfahrens erstellt wird. Die Fertigstellung der Gutachten werde bis Ende Frühjahr dauern. Grund dafür sei, dass mögliche Auswirkungen vor allem auf die Fauna im gesamten Jahresverlauf beobachtet und beurteilt werden müssten. Nach der Fertigstellung würden die relevanten Gutachten und der Umweltbericht transparent zur Einsicht aufliegen.