Datensammeln im Schilfgürtel für Vogel-Projekt am Neusiedler See

Erstellt am 25. Mai 2022 | 12:35
Lesezeit: 3 Min
Neusiedler See Schilf Bucht Symbolbild
Symbolbild (Schilf/Bucht am Neusiedler See)
Foto: Eva-Maria Demuth/Shutterstock.com
Im Schilfgürtel am Neusiedler See werden Vogelgeräusche aufgenommen, um die Biodiversität zu erforschen.
Werbung
Anzeige

Das Projekt von Huawei, der Universität Wien und dem Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel wurde vergangenen Herbst gestartet, inzwischen wurden 700.000 Datenfiles gesammelt und nun geht es an die Auswertung, hieß es bei einem Medientermin am Mittwoch in Illmitz.

Das Monitoring im Schilfgürtel verlief früher - also vor dem Start von "Tech4All"- folgendermaßen, wie Arno Cimadom, Mitarbeiter der Forschungsabteilung im Nationalpark, erläuterte: "Der Forscher ging mit einer großen Stehleiter in der Brutzeit am frühen Morgen ins Schilf, ist bei jedem Punkt fünf Minuten gestanden und hat notiert. An einem Vormittag hat er so circa zehn Punkte geschafft." Im Rahmen des Projekts wurden 60 Offline- und zwei mit Solarpaneelen ausgestattete Online-Stationen im Schilfgürtel montiert. Sie nehmen alle Umgebungsgeräusche 24 Stunden, das ganze Jahr über auf und übertragen sie in eine Cloud.

Die Daten aus dem vergangenen Winter wurden hochgeladen und werden im nächsten Schritt nun analysiert. Die schiere Datenmenge hat die Forscher überrascht, meinte Cimadom. Überrascht wurden sie auch von den Wasserbüffeln, denn sie nutzten die Holzstangen, auf denen die Geräte angebracht sind, als Kratzbaum. Die Pfähle wurden deshalb umzäunt.

Vögel sind nicht das einzige Forschungsobjekt, dem sich Huawei widmet. Weltweit werden acht Projekte finanziert, das erste wurde in Costa Rica im Regenwald gestartet, um etwa illegale Abholzung und Wilderei zu verhindern, zuletzt eines in Großbritannien - dort wird über Eichhörnchen geforscht, erklärte Catharina Rieder vom Unternehmen. "Es geht darum, Technologie für Forschung einzusetzen und um das effizientere Management von Naturschutzparks."

Im Nationalpark Neusiedler See gebe es eines der größten zusammenhängenden Schilfgebiete in der EU, begründete Rieder das Engagement im Burgenland. Das Untersuchungsgebiet umfasst zwölf Quadratkilometer und wurde in vier Einzelgebiete - darunter zwei vom Schilfbrand vor 20 bzw. zwei Jahren betroffene - unterteilt, um zu sehen, wo sich die Vogelpopulation ansiedelt. Im Zentrum des Projekts stehen der Naturschutz, der Artenschutz und die grundlegende Forschung. Das Projekt ist für zwei Jahre anberaumt: "Daraus lassen sich gute Rückschlüsse ziehen."

Johannes Ehrenfeldner, Direktor der Nationalparkgesellschaft, zeigte sich erfreut über die Möglichkeiten der Technologie: "Wir bringen die Nationalparkforschung damit auf eine andere Ebene." Er erwartet sich auch Informationen, die künftig für das Seemanagement nützlich sein könnten. Der Nationalpark sei "eines der größten Naturjuwele", meinte Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf (SPÖ). Sie erhofft sich aus den Daten ebenfalls wichtige Rückschlüsse zur Diversität im Schilfgürtel.

Werbung