Gerhard Mölk: „Findet sich niemand, war’s das mit den Grünen“

Erstellt am 20. März 2022 | 04:50
Lesezeit: 4 Min
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Gerhard Mölk hat die Grünen in Bruckneudorf aufgebaut.
Foto: Janoska
Gerhard Mölk hat die Grünen in Bruckneudorf aufgebaut. Nun zieht es ihn in seine Heimatgemeinde zurück.
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Der gebürtige Prellenkirchener Jurist und Politiker Gerhard Mölk zieht zurück in seine Heimatgemeinde und beendet mit Ende der Legislaturperiode seine politische Tätigkeit als einziger grüner Gemeinderat in Bruckneudorf. Die Wahlen finden heuer im Herbst statt - eine Fortsetzung der grünen Politik auf Gemeindeebene steht nach Mölks Ausscheiden in den Sternen.

BVZ: Herr Mölk, wie kann man als „politischer Einzelkämpfer“ überhaupt Politik machen?

Gerhard Mölk: Ich versuche, die Bedürfnisse der Bevölkerung wahrzunehmen und die Themen, für die ich gewählt wurde, sprich Klimaschutz, Kontrolle und Transparenz, in den Gemeinderat zu transportieren. Es ist jedoch ein ambivalentes Unterfangen. Bürgermeister Gerhard Dreiszker (SPÖ) ist sehr konsenswillig und offen für konstruktive Ideen, aber oft stehe ich mit meinen Ansichten allein auf weiter Flur. Trotzdem wurden einige meiner Forderungen umgesetzt.

Wie steht es um die Zukunft der Bruckneudorfer Grünen?

Mölk: Wenn die Partei weiterhin im Gemeinderat vertreten sein soll, muss sich jemand finden, der sich für die Ideale „Transparenz und Kontrolle“ einsetzen will. Bis jetzt hat sich allerdings leider noch niemand dazu bereit erklärt, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wenn man so will, lautet mein „letzter politischer Wille“, dass sich jemand findet, der sich aktiv für grüne Politik einsetzen möchte, damit der eingeschlagene Weg fortgeführt werden kann. Interessierte können sich gerne unter gerhard.moelk@gmail.com oder der Nummer 0670/2062919 melden.

Was wurde denn bis jetzt im Konkreten erreicht?

Mölk: Ein grundsätzliches Bekenntnis zu mehr Transparenz. Damit meine ich, dass z.B. Budgetberichte und Rechnungsabschlüsse auf der Homepage der Gemeinde für jeden einsehbar sind. Ebenso sind dort Einladungen zu Gemeinderatssitzungen oder wichtige Beschlüsse und Informationen zu finden – diese Umsetzung kann ich mir auf meine Fahnen heften. Weiters habe ich den Antrag gestellt, dass Gemeinderatsbeschlüsse mit dem Klimaschutz in Einklang gebracht sein müssen, der Antrag wurde im Übrigen einstimmig angenommen. Außerdem geht auf meine Initiative zurück, dass die Großgemeinde sich der Resolution zahlreicher anderer Gemeinden an die Bundesregierung angeschlossen hat, das Kindeswohl bei Asylverfahren zu berücksichtigen.

Apropos Homepage: Was hat es damit auf sich, dass sie der Besitzer der Internetseite „bruckneudorf.at“ sind?

Mölk: Es stimmt, dass ich der Besitzer bin. Ich möchte allerdings betonen, dass ich der Gemeinde diese Domain sogar kostenlos zur Verfügung stellen würde, sofern eine transparente und vor allem zeitgemäße Homepage eingerichtet werden würde. Die Gemeindeführung scheint aber bis jetzt nicht daran interessiert zu sein.

Gibt es auch Themen, bei denen Sie ein Scheitern eingestehen müssen?

Mölk: Natürlich gibt es die. Dem Beschluss, dass bei künftigen Neubauten verpflichtend pro Wohneinheit zwei Parkplätze für Autos vorhanden sein müssen, habe ich mich erfolglos widersetzt. Stattdessen hätte ich lieber zusätzlichen Raum für Fahrradabstellplätze gesehen.

Vergebens war auch meine Ablehnung des Leasingvertrages zwischen der Gemeinde und der OSG (Oberwarter Siedlungsgenossenschaft), der meiner Meinung nach juristisch nicht ausgefeilt ist und womöglich zu finanziellen Nachteilen für Bruckneudorf führen könnte. Es gab auch keine Ausschreibung für das Projekt, was ich als fragwürdig erachte. Außerdem finde ich es unter ökonomischen und säkularen Gesichtspunkten höchst bedenklich, dass eine mit Steuergeldern finanzierte gemeinnützige Wohnbaugesellschaft eine katholische Kirche errichtet.

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