Neuhold dankt ab: „Bin sicher kein Soldatenschädel“. Franz Neuhold dankt nach zwölf Jahren als Kommandant der Benedek-Kaserne ab. Im Gespräch mit der BVZ zog er ein Resümee.

Von Otto Havelka. Erstellt am 22. August 2019 (05:34)
Kommandant des Truppenübungsplatzes (TÜPl) Franz Neuhold tritt in den Ruhestand. Während seiner Amtszeit hat sich das Heer gravierend verändert.
Havelka

Am kommenden Freitag übergibt Franz Neuhold offiziell das Kommando des Truppenübungsplatzes.

BVZ: Sie gehen nach mehr als 40 Jahren beim Bundesheer in Pension. Schmerzt Sie der Abschied vom Militär?

Franz Neuhold: Nein. Man muss wissen, wann es genug ist. Ich werde mich um meinen Garten kümmern, um den Zweitwohnsitz in der Heimat meiner Frau in der Steiermark und freue mich auf das Golfspielen.

Was hat Sie eigentlich zu einer Karriere beim Heer motiviert?

Ich wollte schon immer mit jungen Leuten arbeiten und nicht am Schreibtisch.

Da gibt es aber viele Betätigungsfelder mit weniger militärischer Disziplin.

Ich würde mich nicht als Soldatenschädel bezeichnen. Für mich stand immer die Achtung der Menschenwürde und der Kameradschaft im Vordergrund. Ich habe einen guten Draht zu den Soldaten, auch wenn die Arbeit hinter dem Schreibtisch zugenommen hat.

Im Laufe Ihrer Dienstzeit hatte das Heer schon einen deutlich schlechteren Ruf als derzeit.

Da hat sich viel geändert. Der Umgang mit Waffen und Munition, aber auch mit Alkohol ist viel restriktiver geworden. Das ist gut so. Früher durfte man auch ohne Gurt mit dem Auto fahren.

„Konflikte finden jetzt in urbanen Räumen statt“

Gleich geblieben ist die landläufige Meinung, dass das Heer keinen Krieg gewinnen kann.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist uns quasi der Feind abhandengekommen. Was heute das Heer prägt, sind Friedenseinsätze im Ausland oder Katastrophenhilfe vor Ort. Das erfordert ein großes Umdenken in der Ausbildung.

Verteidigung spielt keine Rolle?

Es geht nicht mehr um Schlachtfelder. Konflikte finden in urbanen Räumen statt. Es geht um den Schutz von Infrastruktur wie Bahnhöfe, Strom- und Wasserversorgung. Wir bauen jetzt zum Beispiel am Truppenübungsplatz einen Bahnhof für Übungszwecke.

Wer bezahlt das? Das Heer hat erst Investitionen am TÜPl aus Geldmangel zurückgestellt.

Das Heer hat seit zwanzig Jahren zu wenig Geld. Wir machen das in Eigenregie mit der Neusiedler Seebahn.

Wäre ein Berufsheer besser?

Das ist eine gesellschaftspolitische Frage. Finanziell ist es nicht machbar. Das Verhältnis des Heeres zur Bevölkerung wäre distanzierter. Man sollte bei dem Thema nicht politisch agieren.