Biographie über einen fast vergessenen Neusiedler. Autor Sepp Gmasz befasste sich mit Adalbert Wolf, einem der Namensgeber des Burgenlandes.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 13. Juni 2021 (05:34)
Sepp Gmasz: „Adalbert Wolf war ein altmodischer romantischer Idealist, der aus der Zeit gefallen ist.“
 
BBR

In der gerade erschienenen Biographie „Der Traum von einem großdeutschen Vierburgenland“ widmet sich der Neusiedler Sepp Gmasz einer fast vergessenen Neusiedler Persönlichkeit, die in der Entstehungsgeschichte des Burgenlandes eine große Rolle gespielt hat. Der Neusiedler Apotheker Adalbert Wolf zählt zu den führenden Köpfen der Anschlussbewegung Deutschwestungarns an Österreich. Er gilt als Schöpfer des ersten Landesnamens „Vierburgenland“. Wegen seiner politischen Agitationen für eine deutschnationale Identität wurde er 1920 von einem ungarischen Gericht als „Hochverräter“ zu drei Jahren Kerker in Raab/Györ verurteilt.

Zunächst für eine autonome Region innerhalb Ungarns eintretend, wurde Wolf nach der ablehnenden Haltung der ungarischen Regierung zum glühenden Anschlusskämpfer an die junge Republik Deutschösterreich. Dafür stand er auch im geheimen Kontakt mit Bundeskanzler Karl Renner.

Wolf: Politiker und Sänger

Adalbert Wolf gehörte zu den Gründern der Großdeutschen Partei im Burgenland, für die er 1922 in den Burgenländischen Landtag einzog. Nach der ersten Sitzungsperiode legte er sein Mandat nieder und übernahm das Amt des Bürgermeisters in Neusiedl am See. Seine „völkischen“ Ambitionen versuchte er über den Gesangsverein „Germanennest“ und den „Deutschen Turnverein Vier Burgen“ zu realisieren. Mit der Machtverschiebung innerhalb des rechten Lagers von den Großdeutschen zu den Nationalsozialisten in den frühen 1930er-Jahren zog er sich aus der Politik zurück, um sich fortan seiner in Wien geführten „Vierburgen-Apotheke“ zu widmen.

Nachlass als Quelle für Buch

Anhand des Nachlasses Adalbert Wolfs sowie zahlreicher neu erschlossener Primärquellen und eines eindrucksvollen Fotomaterials zeichnet Sepp Gmasz das Lebensbild eines politischen Idealisten, das die für viele intellektuelle Deutschwestungarn charakteristische innere Zerrissenheit zwischen ungarischer Erziehung und dem wachsenden Bekenntnis zum „angestammten deutschen Volkstum“ subtil dokumentiert.

„Insgesamt gesehen ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag zu einer kritischen Geschichtsschreibung anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Burgenland und für die biographische zeitgeschichtliche Forschung zur politischen Kultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, kommentiert Oliver Rathkolb, Vorstand am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien.