60 Autos für Schlepper umgebaut: Duo vor Gericht

Erstellt am 10. Dezember 2022 | 04:46
Lesezeit: 3 Min
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In einer Werkstatt wurden 60 Autos für die Schlepper umgebaut.
Foto: Symbolbild/shutterstock/Gorodenkoff
Der Besitzer einer KFZ-Werkstatt und sein Mitarbeiter wurden zu jeweils 32 Monaten Haft verurteilt.
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Hätten die beiden Angeklagten mit rumänischen Wurzeln ihre Arbeit nicht getan, wären überladene Schlepper-Fahrzeuge auf der Strecke zwischen der ungarisch-serbischen Grenze und Österreich liegengeblieben. Am Montag dieser Woche mussten sich ein 31-jähriger Betreiber einer KFZ-Werkstatt im Bezirk Mödling und sein 27-jähriger Mitarbeiter wegen Beitragsleistungen für eine Schlepperorganisation am Landesgericht Eisenstadt verantworten.

Von Herbst 2021 bis zu ihrer Verhaftung am 4. Mai 2022 hatten die Männer bei zumindest 60 Vans und Kombis die Stoßdämpfer sowie Federn so verstärkt, dass damit eine größere Anzahl Menschen transportiert werden konnten, ohne dass das Heck der Fahrzeuge auf der Fahrbahn „aufsaß“. Die Angeklagten mit Wohnsitz in Wien waren Teil einer kriminellen Schlepperorganisation mit 80 bis 85 Verdächtigen, von denen ein Großteil zu meist mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurde.

Aufgrund des Hinweises eines Mitglieds der Schlepperorganisation nahm die niederösterreichische Kriminalpolizei die Werkstatt im Bezirk Mödling unter die Lupe und beobachtete, wie Fahrzeuge gebracht und wieder abgeholt wurden, von denen man einige aufgegriffenen Schleppern zuordnen konnte. Allein in Niederösterreich wurden rund 50 Fahrzeuge sichergestellt, die alle auf dieselbe Weise umgebaut worden waren.

„Flüchtlinge in umgebaute Autos gepfercht“

„Es gab auch Fälle von qualvollem Zustand, weil die Flüchtlinge in die umgebauten Autos hineingepfercht wurden“, gab der leitende Ermittler des LKA Niederösterreich bekannt. Die burgenländischen Kriminalbeamten hatten bereits längere Zeit gegen die Schlepperorganisation ermittelt, als sich die illegalen Einreisen auf niederösterreichisches Gebiet verlagerten und die Tätergruppe in den Fokus der Kollegen im Nachbarbundesland rückte. In enger Zusammenarbeit wurde die firmenähnliche Struktur der Schlepperorganisation durchleuchtet.

Der Kopf der Bande wurde in seiner Heimat Rumänien zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, danach droht ihm die Auslieferung nach Ungarn, wo ebenfalls Anklage erhoben werden soll. Die von den Schleppern benützten Fahrzeuge waren in einem desolaten Zustand. Zugleich waren die Fahrer in hohem Maße fluchtbereit und scheuten nicht davor, das Risiko eines Unfalls einzugehen, wie es sich bei Kittsee auf der A6 Mitte August dieses Jahres ereignet hatte.

Damals hatte sich ein Kastenwagen, in dem sich 20 Flüchtlinge befanden, auf der Flucht vor der Polizei überschlagen. Drei Migranten starben. Die beiden nunmehr angeklagten Mechaniker bekannten sich vor dem Schöffensenat schuldig und gaben zu, für die Umbauarbeiten 60.000 Euro bekommen zu haben.

Kastenwägen oder Kleintransporter hätten sie niemals umgebaut, beteuerten die Angeklagten. Nach einiger Zeit hätten sie mitbekommen, dass die umgebauten Fahrzeuge für Schleppungen verwendet wurden, gaben die Angeklagten zu.

Mit einem Teil des Geldes, das die Werkstatt mit den Umbauarbeiten verdiente, wurden zwei Hebebühnen angekauft.

Das Gericht ordnete die Verwertung der Hebebühnen sowie weiterer Maschinen an. Bei einer Versteigerung konnten 3.800 Euro lukriert werden, weitere circa 2.000 Euro wurden bei den Angeklagten als Bargeld sichergestellt.

Die Mechaniker wurden zu jeweils 32 Monaten Haft verurteilt. Der Verkaufserlös aus der Werkstätteneinrichtung und das sichergestellte Bargeld gehen an die Republik Österreich. Die Angeklagten nahmen das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.

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