Tadten: Gemüse aus dem Container

Von der Pute über Stiefmütterchen zum Gemüse-Selbstbedienungsladen. Der Tadtener Hans Goldenits erklärt im BVZ-Gespräch seinen Weg zu seinem Erfolgskonzept.

Erstellt am 24. August 2020 | 04:35
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Rund um die Uhr. In den Hofläden von Hans Goldenits ist immer frisches Obst und Gemüse erhältlich. Der Tadtener ist mit seinem Konzept auf Expansionskurs.
Foto: Hansag Food

Sie sprießen wie die Schwammerl aus dem Boden, es gibt sie bereits in Neusiedl am See, Eisenstadt, Hornstein, Fischamend und Schwechat. Die Rede ist von den Selbstbedienungs-Hofläden von Hansag Food. Frisches Obst und Gemüse gibt es hier rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Die einfachen aber liebevoll gestalteten Container erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Gerade in Zeiten von Corona haben viele Kunden die regionale Verfügbarkeit von Lebensmittel vermehrt zu schätzen gelernt.

Hinter Hansag Food steht einer, der mit Putenzucht begonnen hat, heute damit aber gar nichts mehr am Hut hat: Hans Goldenits aus Tadten im Bezirk Neusiedl am See. Sein Konzept der Selbstbedienungsläden geht voll auf. Zwei weitere Eröffnungen stehen noch im August in Pöttelsdorf und im September in Purbach an.

„Damals war das Pionierarbeit, die von manchen belächelt wurde.“ Hans Goldenits

Begonnen hat sein Leben als Landwirt aber ganz und gar nicht nach Plan, wie Goldenits im BVZ-Interview erzählt. „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen“, erklärt er den Beginn seiner unternehmerischen Tätigkeit, „ich musste mich von heute auf morgen entscheiden, ob ich die Firma meines Vaters übernehmen will.“ Der damals 19-Jährige verlor 1986 plötzlich seinen Vater.

„Seit 1892 ist der jetzige Betrieb im Familienbesitz“, dokumentiert Hans Goldenits ein wenig die Firmengeschichte, „damals konnte niemand ahnen, wie wichtig einmal täglich frisches Obst und Gemüse für das Unternehmen werden wird.“

Goldenits übernahm 1986 keinen Obst- und Gemüseanbau, sondern die familieneigene Putenzucht. Diesen Geschäftszweig wollte er nicht weiterführen. Die Zucht wurde eingestellt. Er begann mit der Aufzucht von Stiefmütterchen - auch Violen genannt. Innerhalb weniger Jahre war der Tadtener der zweitgrößte Violenproduzent Österreichs.

Die Firmenphilosophie entwickelt sich Anfang der 90er-Jahre nach und nach weg von der Belieferung von Großhändlern hin zum Direktverkauf an den Endverbraucher. Die damals entstandenen Blumenzelte, auch „Pflanzlereien“ genannt, nahmen das Konzept der heute erfolgreichen Hansag Food Hofläden bereits vorweg.

Mit „Planzlereien“ direkt zum Kunden

Kunden konnten direkt vom Erzeuger Beet- und Balkonblumen kaufen. Der Zwischenhandel entfiel, die Ware wurde direkt in der Region Seewinkel angebaut. Die Transportwege waren sehr kurz.

Damals war das Pionierarbeit, die von manchen belächelt wurde. Diese Pflanzlereien sind allerdings immer noch jedes Jahr im April und Mai an den Standorten in Kittsee, Eisenstadt, Stoob und Neusiedl am See zu finden.

Der wirtschaftliche Erfolg mit diesem damals völlig neuen Konzept schuf die Basis für die weitere betriebliche Expansion.

2006 wurde auf vier Hektar mit der Paradeiserzucht begonnen. Mittlerweile umfasst die gesamte Anbaufläche sieben Hektar, auf der Obst- und Gemüse angebaut werden. Auf einigen Flächen stehen Glashäuser, andere Flächen werden unter Folien gehalten, um das Wachstum zu optimieren.

2018 begann ein weiterer Expansionsschritt: Das Konzept, das sich bereits mit den Blumenzelten bewährt hat, wurde nun auf den Direktverkauf von Obst und Gemüse ausgeweitet. Goldenits platzierte nach und nach Container an gut frequentierten Plätzen und verkleidete sie mit grün gestrichenem Holz. Geöffnet sind sie nonstop und ohne Ruhetag.

Der Kunde kann dann einkaufen, wann er will, und ist nicht an Öffnungszeiten gebunden.

Personal ist kaum anwesend, die Hofläden sind zwar kameraüberwacht, Goldenits setzt mit seinem Konzept aber auf die Ehrlichkeit seiner Kunden. Es gibt die Möglichkeit der Bar- oder Bankomat-Zahlung.

Die frische Ware wird täglich von Montag bis Samstag um die Mittagszeit geliefert. Der Großteil des Angebotes von Hansag Food kommt aus dem eigenen Obst- und Gemüseanbau. Was selbst nicht angebaut werden kann, wird von örtlichen Produzenten aus dem Seewinkel zugekauft. Regionalität steht auch hier im Vordergrund.

„In Zukunft wollen wir verstärkt Wintergemüse anbauen“, erklärt Hans Goldenits die geplante Geschäftsentwicklung, „wir können dann auch in der kalten Jahreszeit täglich frisches Gemüse anbieten.“

Weitere Details finden Sie unter www.hansag-food.at