Bezirk Neusiedl: Ärzte hoffen auf hohen Impfwillen

Die BVZ hat mit Dr. Herbert Cerny, Dr. Etelka Wuketich-Dudas und Dr. Karina Timler über das Corona-Jahr gesprochen.

Paul Haider
Paul Haider Erstellt am 31. Dezember 2020 | 05:55
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Appell. Die drei Allgemeinmediziner hoffen auf eine hohe Impfbereitschaft.
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2020 war besonders für Mediziner ein sehr herausforderndes Jahr – und das nicht nur in den Spitälern. Das Corona-Virus hat auch die niedergelassenen Ärzte in ihren Ordinationen in den Gemeinden vor große Herausforderungen gestellt. Die BVZ hat sich im Bezirk umgehört und mit drei Allgemeinmedizinern gesprochen.

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Dr. Herbert Cerny hat einige Corona-Patienten behandelt und rät unbedingt zur Impfung.
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Dr. Herbert Cerny aus Weiden am See berichtet von einem „sehr arbeitsreichen“ Jahr. Selten zuvor habe er durchgehend so lange Arbeitszeiten gehabt. Täglich 12 bis 14 Stunden seien seit dem Ausbruch des Virus der Normalfall. Der Umgang mit der Pandemie sei allerdings mittlerweile zur Routine geworden. „Die Antigen-Tests haben eine große Erleichterung gebracht“, sagt Cerny. Jeder, der infektiöse Symptome habe, werde in einem von der Ordination abgesonderten Bereich getestet. Erst wenn der Test ein negatives Ergebnis zeige, werde der Patient in der Ordination behandelt, erklärt Cerny.

„Die Corona-Pandemie brachte viele Herausforderungen mit sich. Ich habe selten zuvor ein so arbeitsreiches Jahr gehabt.“ Dr. Herbert Cerny

Mittlerweile behandelt er – im Gegensatz zu den Pandemieanfängen – Covid-Patienten mit leichteren Verläufen auch in seiner Praxis: „Allerdings nicht in den normalen Behandlungsräumen und nur, wenn sonst keiner da ist“, betont der Mediziner. Für schwerere Fälle gebe es mittlerweile Infektions-Visitenärzte, die auch Hausbesuche machen. „In Vollmontur. Also mit Schutzbekleidung.“ Im Rotationsprinzip würden die Kollegen an die Reihe kommen. „Ich habe diesen Dienst auch schon übernommen“, berichtet Cerny.

Die Pandemie bringt auch viele neue organisatorische Aufgaben mit sich. Immer wieder müsse man sich in neue Verordnungen einlesen und die Ordination laufe fast nur nach Terminvereinbarungen, was wiederum einen erhöhten Zeitaufwand für die Mitarbeiterinnen bedeute. Damit es in der Praxis zu möglichst wenig Kontakten kommt, werden Termine so gelegt, dass der Warteraum kaum genutzt werden muss.

Das Jahr sei herausfordernd gewesen, aber auch sehr lehrreich. Auch was den Virus betrifft, hat der Weidener vieles gelernt. „Ich habe doch einige Patienten behandelt. Vor allem in der Hochphase, vor etwa drei Wochen. Da waren es doch täglich Patienten, manchmal mehrere.“ Die Symptome seien derartig unterschiedlich, dass alleine durch deren Schilderungen keine Diagnose zu fällen sei.

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, sei die Impfung eine große Hoffnung. „Ich bin eindeutig ein Befürworter und ich lasse mich sicher impfen“, betont Cerny mit Nachdruck. Er vertraue der Zulassungskommission der EU, die den Impfstoff genehmigt habe.

„Vor allem Risikopatienten fragen schon nach, wie sie zur Impfung kommen. Viele fühlen sich aber noch zu wenig informiert“, weiß Cerny zu berichten.

Impfung: Interesse in Parndorfer Ordi hoch

Auch in der Ordination der Parndorfer Allgemeinmedizinerin Dr. Etelka Wuketich-Dudas ist die Nachfrage nach der Corona-Impfung hoch: „Die Leute haben verschiedene Zugänge, aber generell wird die Impfung positiv gesehen“, berichtet Dr. Wuketich-Dudas im Gespräch mit der BVZ. Sie selbst sei von der Wirksamkeit des Impfstoffes überzeugt: „Unser Team ist bereits für die Impfung Mitte Jänner angemeldet. Wir haben volles Vertrauen“, erklärt die Ärztin.

Gemäß dem vorläufigen Stufenplan für die Impfung dürfte es noch eine Weile dauern, bis sich Patienten in der Ordination von Dr. Wuketich-Dudas gegen Covid-19 impfen lassen können.

In der Zwischenzeit finden aber bereits viele Gespräche über die Wirksamkeit und Risiken der Impfung statt: „Die Signale sind sehr ermutigend. Die Impfstoffe liefern in allen Studien sehr gute Ergebnisse. Es bleibt nur die Frage, wie wirksam die Impfung gegen die neue Mutation des Virus ist. Aber es sieht danach aus, dass auch dagegen ein Schutz vorhanden ist“, schildert die Parndorfer Ärztin ihren aktuellen Wissensstand.

Beim derzeit in der Gesellschaft heiß diskutierten Thema Impfung scheinen sich die Ärzte des Bezirks einig zu sein: „Nur eine Impfung kann zu einer Entspannung der Lage führen. Sie ist der einzige Weg zurück zur ‚Normalität‘“, betont auch die derzeit einzige Praktische Ärztin in Frauenkirchen Dr. Karina Timler. Auch sie sei bereits für die Impfung angemeldet. Die Skepsis unter ihren Patienten sei jedoch wahnsinnig groß. Nur ein Bruchteil denke so ähnlich wie sie. „Die Impfung stößt bei vielen auf taube Ohren, ich weiß nicht, wieso das so ist. Ich denke aber, dass die derzeitige Kommunikationsbasis ihren Teil dazu beigetragen hat“, versucht die Medizinerin, eine Erklärung dafür zu finden.

Doppelte Belastung durch Pensionierung

Das Jahr 2020 beschreibt die Medizinerin als enorm herausfordernd. Vor allem auch die Pensionierung des Frauenkirchener Allgemeinmediziners Dr. Peter Forster und die damit einhergehende Übernahme von Patienten erschwerten die Umstände zusätzlich.

„Wir haben komplett auf Terminordination umgestellt. Die Räumlichkeiten sind zugesperrt und nur mit einem vereinbarten Termin darf man die Ordi betreten. Viele Fragen werden telefonisch geklärt und auch Rezepte werden direkt der Apotheke weitergeleitet“, erklärt Dr. Timler im Gespräch mit der BVZ. Darüber hinaus sei die Ordination mit Plexiglasscheiben als Spuckschutz ausgestattet worden, die Räume würden regelmäßig gelüftet, bei jedem Patienten werde vorab Fieber gemessen und auch der Mindestabstand sowie die Maskenpflicht (FFP2-Masken) werde vorbildlich von allen eingehalten.

Trotz dieser Vorkehrungen und Schutzmaßnahmen kam es zu der Situation, dass Dr. Karina Timler in der Ordination Kontakt mit einer „positiven“ Person hatte. „Der Patient kam mit Rückenschmerzen, er hatte kein Fieber und keine Symptome, die auf Corona hindeuteten. Wenige Tage später wurde er im Krankenhaus Kittsee getestet - positiv. Rückwirkend waren natürlich auch wir betroffen, wir hielten dann sofort Rücksprache mit der BH. Alle notwendigen Schritte wurden unternommen. Es stellte sich heraus, dass der Patient glücklicherweise keinen ansteckte“, erinnert sie sich.

Heuer weniger Erkältungskrankheiten

Erkältungen und andere für diese Jahreszeit übliche Erkrankungen gebe es heuer deutlich weniger. „Aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen, der Maskenpflicht, des vermehrten und intensiveren Händewaschens und der Kontaktbeschränkungen“, erklärt Timler. Das bestätigt auch Dr. Herbert Cerny. Die üblichen Infektionskrankheiten, wie etwa Angina, habe er heuer nur ganz selten behandelt, grippale Infekte seien Raritäten.

Cerny erwarte auch eine „harmlose“ Grippesaison, die üblicherweise nach dem Jahreswechsel beginnt. Er begründet seine Einschätzung mit den Corona-Vorsichtsmaßnahmen, die auch vor der Influenza schützen, sowie der höheren Impfrate: „Ich habe heuer sicher doppelt so viele Grippeimpfungen durchgeführt als sonst. Auch viele Kinder haben sich impfen lassen“, erzählt Cerny. Eine hohe Impfbereitschaft wünscht er sich nun auch gegen das Coronavirus: „Die Impfung ist eine gute Lösung, die Alternative wäre, weiterhin die Pandemie zu haben.“