Im Virus-Gebiet: Neusiedler berichtet aus China

Philipp Kolar lebt seit fünf Jahren in Hainan. Der Alltag auf der chinesischen Insel ist durch das Virus in vielen Lebensbereichen beeinträchtigt.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 05. Februar 2020 | 06:09
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Der Mundschutz ist im chinesischen Alltag nicht mehr wegzudenken, auch nicht für den Neusiedler Philipp Kolar.
Foto: privat

Der Neusiedler Philipp Kolar lebt seit 2015 in China. Er schilderte der BVZ, wie das Coronavirus den Alltag im Land verändert hat.

Der 31-Jährige lebt mit seiner Frau und seiner Tochter im südlichsten Teil Chinas, auf der Insel Hainan. Die Insel ist für ihr tropisches Klima und ihre Strände bekannt und gilt als das Hawaii Chinas. Die Idylle auf der Ferieninsel wurde durch das Coronavirus allerdings jäh gestört - und das obwohl es im Vergleich zu anderen Regionen hier sehr wenige Krankheitsfälle gibt.

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„An allen öffentlichen Plätzen wird Fieber gemessen.“Philipp Kolar

„Wir haben derzeit 63 bestätigte Fälle des nCov und einen Todesfall. Zum Vergleich, ganz China hat zum selben Zeitpunkt 14.411 bestätigte Fälle und 304 Todesfälle, weltweit sind es 14.545 Fälle“, berichtet Kolar der BVZ am 2. Februar. Die genauen Zahlen werden täglich durch das „Chinese National Health Committee“ aktualisiert.

Die am stärksten vom Virus betroffene Stadt, die Millionenmetropole Wuhan, ist über 1.700 Kilometer von der Insel Hainan entfernt. Als Tourismusdestination ist man auf der Insel allerdings auf der Hut.

„Obwohl wir die Winterdestination für viele ältere Chinesen sind, hält sich der Virus hier aber in Grenzen“, ist der Neusiedler erleichtert.

Schulen und öffentliche Plätze geschlossen

Seit dem Chinesischen Neujahr, das am 25. Jänner gefeiert wurde, ist die Angst vor einer weitläufigen Verbreitung des Virus im Land aber gestiegen, denn: „Zu Beginn des Chinesischen Neujahrs haben sich sehr viele Leute in ihre Heimatstädte begeben und so den Virus verbreitet. Die Angst vor einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist gegeben“, erzählt Kolar. Auch auf der Insel. Schulen und Plätze, an denen viele Leute zusammenkommen, seien bis auf weiteres geschlossen.

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Philipp Kolar lebt seit 2015 auf der chinesischen Ferieninsel Hainan.
BVZ

Kolar ist selbst in einer Schule tätig. Er unterrichtet Englisch für Drei- bis Achtjährige. Krankheitsfälle gibt es hier bis dato keine, trotzdem ist die Schule momentan geschlossen: „Bis 8. Februar, in schlimmer betroffenen Regionen ist alles zumindest bis 17. Februar geschlossen.“

Auch in anderen Bereichen ist der Alltag eingeschränkt. Supermärkte seien nur halbtags geöffnet und meist sehr schnell ausverkauft. Die Angst, es könnte zu Engpässen kommen, sei bei den Menschen groß. Deswegen komme es zu Hamsterkäufen. Und auch das gesellschaftliche Leben werde vom Coronavirus beeinträchtig, wie Kolar berichtet: „In China wohnen die Leute meist in Wohnungskomplexen, die bewacht sind und derzeit werden Fremde, etwa Freunde oder Besucher, nicht in die Komplexe gelassen. Außerdem wird an allen öffentlichen Plätzen, zum Beispiel auf Bahnhöfen, Fieber gemessen.“

Kolar drängt es in die Heimat

Viele Städte hätten bereits Reiseverbote ausgesprochen. Wuhan und einige andere Städte seien komplett abgeschirmt. „Auf unserer Insel ist auch ein Teil des Stadtverkehrs eingestellt. Aber da die meisten jetzt nicht reisen wollen, macht es kaum einen Unterschied“, meint der Neusiedler.

In seinem fünfjährigen Aufenthalt in China durfte Kolar eine neue Kultur kennenlernen. „Die Neugier nach dem mysteriösen China war zu groß, um nicht dorthin zu gehen“, sagt er heute im Rückblick. Nun drängt es ihn allerdings wieder in Richtung Heimat: „Sehr lange bleibe ich nicht mehr.“