Stimmungsbild an der Nickelsdorfer Grenze zu Ungarn. Die Situation an der ungarischen Grenze bei Nickelsdorf ist weiterhin sehr angespannt. Am Dienstag hatten sich seit den frühen Morgenstunden aufgrund der Sperre der ungarischen Grenze lange Staus gebildet. Eine temporäre Grenzöffnung in der Nacht hat nur kurzzeitig zur Entspannung geführt. Mittwoch Morgen reichte die Länge des Staus auf der A4 bereits wieder bis zur Autobahnauffahrt Bruck/West zurück.

Von Birgit Böhm-Ritter und Paul Haider. Update am 18. März 2020 (12:01)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr

Die Grenze auf dem Autobahngrenzübergang Nickelsdorf wurden gestern um 21 Uhr vorübergehend im Rahmen eines „humanitären Korridors“ wieder für den Personenverkehr geöffnet.

Nach erfolgreichen Gesprächen des Bundesministers für Inneres Karl Nehammer mit seinem ungarischen Amtskollegen Sándor Pintér durften rumänischen, bulgarische und ungarische Staatsangehörige nach Ungarn ausreisen. Damit sollte den Menschen die Weiterreise in ihre Heimatländer ermöglicht werden. 

Nicht alle der im Stau „gestrandeten“ Autofahrer kamen allerdings durch. Es handelt sich größtenteils um Saisonarbeiter etwa aus Rumänien, Bulgarien und der Ukraine, die zum Teil aus Österreichs Skigebieten auf dem Weg zurück in ihre Heimat sind. 

Die Stimmung unter den Autofahrern ist sehr angespannt. Beobachter berichten bereits von aggressiven Szenen zwischen Autofahrern und Polizei sowie von Sitzblockaden. Auch für den Warenverkehr gäbe es momentan kein Weiterkommen. Bereits auf beiden Seiten der Grenze würden die Lkw aus Protest an der Weiterfahrt gehindert werden. 

Rotes Kreuz versorgt mit Lebensmittel

Rotkreuz-Mitarbeiter Thomas Horvath aus Nickelsdorf hat die BVZ am Dienstagvormittag über den Einsatz im Grenzstau informiert: „Wir haben zehn Mitarbeiter rekrutiert und Personalreserven gebildet, die nachgeschickt werden können, wenn nötig. Im Großen und Ganzen geht es darum, Lebensmittel und Wasser zu verteilen und kleinere Blessuren zu versorgen. Über die Gegenfahrbahn kann die Länge des Staus abgefahren werden, sodass man mit zehn Mitarbeitern auch einiges bewirken kann.“

Die sanitären Bedingungen im Stau, der sich mittlerweile über 30 Kilometer erstreckt, seien jedenfalls problematisch: „Die Leute stehen in Gruppen zusammen, was man nicht tun sollte, und es gibt auch keine hygienischen Maßnahmen vor Ort. Wir hoffen, dass sich die Situation schnell lösen lässt.“

Laut Horvath sind keine der auf der A4 gestrandeten Menschen in das Nickelsdorfer Ortsgebiet gekommen: Vor den Ortseinfahrten wurden Polizeisperren errichtet.  

Gefährliche Situationen auf der Autobahn

Am Dienstagabend erreichte die BVZ ein Bericht einer Mutter, die auf der A4 von Wien in den Seewinkel unterwegs war: „Ich bin eben mit meinem frisch operierten Kind von Wien in den Seewinkel gefahren und hab im Bezirk Neusiedl am See höchst gefährliche Zustände auf der Autobahn erlebt.

Aufgrund des Rückstaus der Lkw von der Grenze stehen die Lkw auf Pannenstreifen und auf Abfahrten, Leute gehen kreuz und quer über die Autobahn und schreien sich an. Bei all der Sorge um mein Kind im Zentrum von Corona in den letzten Tagen war wohl nichts so gefährlich wie die Heimfahrt heute.  

Polizei hält über Twitter und Facebook am Laufenden

Aktuelle Geschehnisse postet die Polizei seit Dienstag auch auf Twitter:

https://twitter.com/LPDBgld 

Parallel dazu können weiterhin Informationen auch über https://www.facebook.com/PolizeiBurgenland/ bezogen werden.