Start für „Teststadt“: Spucken auch zu Hause

Seit einer Woche werden in Neusiedl und Parndorf Daten gesammelt, um Auswirkungen der Öffnungsschritte zu untersuchen.

Erstellt am 22. April 2021 | 05:12
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Neusiedls Bürgermeisterin Elisabeth Böhm mit Martina und Josef Leiner aus Neusiedl am See vor der neuen Teststraße in der Veranstaltungshalle.
Foto: Stadtgemeinde Neusiedl, Stadtgemeinde Neusiedl

Vergangenen Donnerstag haben die Teststraßen in der „Modellregion Neusiedl/Parndorf“ ihren Betrieb aufgenommen. Wie berichtet sollen die beiden Gemeinden als „Teststadt“ für eine wissenschaftliche Studie herangezogen werden, die sich mit den Auswirkungen von Öffnungsschritten auf das Corona-Infektionsgeschehen beschäftigt. Wissenschaftlich begleitet wird die Studie von Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, der Ablauf wird unter anderem aus dem Büro des Landeshauptmannes koordiniert.

Einen riesigen Antrag konnte die BVZ bei ihren Lokalaugenscheinen in der Neusiedler Testraße am Donnerstag und Montag in der Veranstaltungshalle nicht feststellen, trotzdem zeigt man sich im Amt der Landesregierung mit dem Teststart zufrieden. „Die Rückmeldungen sind nicht schlecht“, sagt Jasmin Puchwein, Pressesprecherin im Büro des Landeshauptmannes. Dass es zu keinen Warteschlagen komme, sei schließlich darauf zurückzuführen, dass die Spucktests auch bequem zu Hause gemacht werden könnten. „Für jede Person in einem Haushalt können wöchentlich zwei Tests in den Teststraßen abgeholt werden. Das Ergebnis kann dann per E-Mail übermittelt werden“, erklärt Puchwein. Diese Möglichkeit werde gut angenommen, bis Dienstag habe man von über hundert Haushalten auf diesem Wege eine Rückmeldung bekommen.

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„Wohin des Weges?“ - Alle Autos mit nicht-burgenländischen Kennzeichen wurden bei der Zufahrt zum Outlet Center kontrolliert.
Haider, Haider

In die wissenschaftliche Studie sollen auch Testergebnisse der Schulen sowie der Altenwohn- und Pflegeheime anonymisiert eingepflogen werden, auch über Ergebnisse aus den Apotheken denkt man nach.

Mit den ersten Öffnungsschritten hofft man auf mehr Teilnehmer, denn nun gelten die Tests, die in den Teststraßen gemacht werden, auch als „Eintrittstests“ für körpernahe Dienstleister.

Eines ist jedenfalls sicher: „Je mehr Menschen mitmachen, umso besser zeichnet sich das epidemiologische Bild“, das betonte Umweltmediziner Hutter bei der Präsentation der Modellregion. Mit niederschwelligen Tests, wie es die einfachen Spucktests sind, will man nahezu eine Vollerhebung erreichen.

Dass es dazu allerdings noch mehr Anreize braucht, weiß man auch bei den Koordinatoren. In regelmäßigen Brainstormings werden weitere Anreizmodelle überlegt. Und diese werden auch notwendig sein, denn die Testphase könnte bis Ende Juni andauern. Im Studienzeitraum sollen soviele Personen wie möglich zwei Mal wöchentlich einen Spucktest abgeben. Auch geimpfte Personen oder jene, die bereits einen Antikörper-Status haben oder bereits eine Covid-19-Infektion hinter sich haben. Warum? Es gebe bis dato noch keine größere Studie, die sich mit wiederholten Covid-19-Infektionen oder Infektionen bei Geimpften befasse, erklärt Puchwein.

Ausgwählt wurde die Testregion, „weil hier viele Menschen leben, viele Einkaufsmöglichkeiten und Schulen gegeben sind und in weiterer Folge auch Tourismus und Freizeitmöglichkeiten“, so Hutter. Damit habe man erstmals die Möglichkeit, den Übergang vom Lockdown zu Öffnungsschritten zu untersuchen.

Outlet: Strenge Kontrollen am Montag

Am Montag sind sie nun wieder aufgegangen, die Geschäftstüren in Parndorf. Nachdem im Burgenland der harte Lockdown beendet wurde, durfte auch der Handel wieder den Betrieb aufnehmen. Allerdings nicht für Kundschaften aus Wien und Niederösterreich, wo noch bis Anfang Mai der harte Lockdown gilt und Shopping im Burgenland zählt nicht zu den erlaubten Ausnahmen von den Ausgangsbeschränkungen.

Einwohner dieser beiden Bundesländer, die dennoch für einen Einkaufsbummel nach Parndorf kommen wollten, riskierten eine saftige Strafe von bis zu 1.450 Euro.

Am Montag zeigte die Polizei dementsprechend Präsenz: Bei der Hauptzufahrt zum Designer Outlet Center wurden alle Fahrzeuge mit nicht-burgenländischen Kennzeichen einer Kontrolle unterzogen. „Was ist der Grund für Ihren Aufenthalt?“, lautete die Frage an alle Lenker der „auswärtigen“ Autos. Wer nicht glaubhaft machen konnte, aus beruflichen Zwecken in Parndorf zu sein, wurde ersucht, wieder die Heimreise anzutreten. Vor Ort war auch Polizeisprecher Helmut Marban, der der BVZ Rede und Antwort stand: „An den Örtlichkeiten, wo ein größerer Personenzustrom erwartet wird, machen wir verstärkte Kontrollen. Wir haben bei diesen Kontrollen schon festgestellt, dass sich die Menschen relativ diszipliniert an die Bestimmungen halten. Ein paar Personen sind hereingekommen, die nicht da sein hätten dürfen. Es ist aber zu keiner Eskalation gekommen, die Leute haben umgedreht und sind wieder zurückgefahren.“

Autos mit burgenländischen Kennzeichen wurden großteils durchgewunken. Wobei Polizeisprecher Marban betont: „Das Autokennzeichen ist nicht das alleinige Kriterium für eine Kontrolle, wir schauen auch auf andere Dinge.“

Derzeit würde man seitens der Polizei auf Aufklärung setzen und den Dialog suchen. Die im Vorfeld angedrohten hohen Strafen wurden am Montag (noch) nicht verhängt.

Noch keine Geldstrafen am Wochenbeginn

„Wir führen unsere Amtshandlungen immer nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit durch. Ist es dann aber so, dass eine Situation entsteht, die nicht anders lösbar ist, dann wird auch eine Anzeige an die Bezirksverwaltungsbehörde erstattet. Aber das ist die Ultima Ratio bei unseren Kontrollen und ist bei den Kontrollen noch nicht notwendig gewesen“, erläutert Helmut Marban.

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Vor Ort. Polizei-Pressesprecher Helmut Marban gab der BVZ Auskunft zu den Zutrittskontrollen im Parndorfer Betriebsgebiet.
BVZ

Eine durchgehende Kontrolltätigkeit bei der Outlet-Zufahrt sei nicht geplant, räumt Marban ein. Es werde aber immer wieder stichprobenartige Überprüfungen geben.

Die strengen Kontrollen haben ihre Wirkung jedenfalls nicht verfehlt; beim Lokalaugenschein der BVZ am Montagvormittag hat sich der Andrang in den Parndorfer Geschäften in einem sehr überschaubaren Rahmen bewegt. Nur vor einem Geschäftslokal hat sich eine kleine Warteschlange gebildet, und zwar vor der Apotheke im Fashion Outlet. Der Grund: Hier werden nach wie vor gratis Covid-Schnelltests angeboten, die Nachfrage ist groß.