Wann Handys in der Schule Sinn machen

Die BVZ hat nachgefragt, ob Neusiedls Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones in der Schule benutzen dürfen.

Erstellt am 08. März 2020 | 06:03
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Smartphones sind ständiger Begleiter unserer Kinder. Auch in den Bildungseinrichtungen. In Neusiedls Schulen gibt es allerdings klare Regeln, wann Handys benutzt werden dürfen.
Foto: Symbolfoto/Shutterstock

Sind Smartphones Konzentrationskiller oder Störfaktoren in der Schule? Sollen Handys in den Bildungseinrichtungen verboten werden? Wie soll mit der Digitalisierung in der Schule umgegangen werden?

Wiederholt stehen digitale Medien in Schulen zur Diskussion. Diese hat nun der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger mit seiner Forderung nach „handyfreien Zonen“ in den Schulen wieder angeheizt. Die BVZ hat in Neusiedls Schulen nachgefragt, wie dort mit Smartphones und anderen digitalen Medien im Unterricht umgegangen wird. Eines vorweg: Von einem generellen Handyverbot hält man hier wenig, klare Regeln gibt es aber an allen Schulen.

„Ich denke, man kann täglich und von allen im Gebrauch stehende Gegenstände nicht verbieten“, sagt Nikolaus Dinhof, Direktor der Neuen Mittelschule. WhatsApp, Instagram & Co prägten den Alltag von Jugendlichen, das Herunterladen und Teilen von digitalen Inhalten stehe auf der Tagesordnung. Seiner Meinung nach bestehe die Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen darin, den verantwortungsvollen Umgang mit diesen Medien zu vermitteln. „Digitale Grundbildung“ steht hier in der 5. und 6. Schulstufe sogar als Pflichtgegenstand auf dem Stundenplan.

NMS: Abschied von „offenem System“

In der Neuen Mittelschule hat man in den vergangenen Jahren eine Entwicklung von einem „total offenem System“, also einer grundsätzlichen Erlaubnis der Smartphoneverwendung, zu einem klar definierten eingegrenzten Bereich der Handyverwendung durchgemacht. Heute darf das Smartphone in der Neusiedler Schule nur dann verwendet werden, wenn es für unterrichtsbezogene Zwecke relevant ist.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich gelagert, wie Dinhof gegenüber der BVZ erklärt: „Es gab klare Verstöße gegen das ‚Recht auf das eigene Bild‘, brummende Handys störten den Unterricht und es gab die Weitergabe von Inhalten, die klar gegen Regeln verstießen. Außerdem war das Schulnetz immer wieder überlastet.“

Dinhof spricht aber auch die soziale Komponente an, denn das Bild, das sich dem Direktor in der Vergangenheit in den Pausen bot, machte ihm Sorgen: 50 bis 100 Jugendliche, jeder hatte sein Handy in der Hand und beschäftigte sich damit, keiner sprach mit dem anderen.

Auch wenn es heute klare Regeln an der Schule gibt, sind Handy und andere digitale Medien aus dem Schulalltag nicht mehr wegzudenken, denn Handys und Tablets können laut Dinhof auch „einen Mehrwert schaffen“ und werden in allen Gegenständen eingesetzt. E-Learning sei eine sinnvolle Erweiterung der Umsetzung von Unterricht und eine tolle Ergänzung des methodischen Werkzeugkastens, ist der Schulleiter überzeugt.

„Generelle Verbote haben in der Geschichte noch nie zu sinnvollen Ergebnissen geführt.“Walter Roth, Direktor, Gymnasium Neusiedl

Ähnlich sieht das auch sein Kollege am Neusiedler Gymnasium: „Das Handy ist bei sinnvoller Nutzung ein wertvolles Werkzeug, wir sind eine digitale Schule und man kann auch mit dem Handy zahlreiche Features verwenden“, betont Walter Roth.

In vielen Gegenständen werde das Smartphone eingesetzt, von manchen Lehrern häufiger, von manchen seltener. Benutzt werden darf das Smartphone im Unterricht aber auch hier nur, wenn es der Lehrer ausdrücklich erlaubt. Und auch in den Pausen ist die Nutzung des Handys für Schüler klar reglementiert: Schüler der Unterstufe dürfen es gar nicht verwenden, nur im Notfall darf im Bereich des Verwaltungstraktes telefoniert werden. Für Oberstufenschüler ist die Nutzung des Smartphones nur im Klassenraum, nicht aber auf den Gängen erlaubt.

In der Kloster-NMS müssen Handys ganz abgeschaltet werden, außer sie werden für Recherchen im Unterricht benötigt. Dass das Smartphone bereits bei Volksschülern ein Thema ist, bestätigt eine Elternbefragung, die im Auftrag der Bildungsdirektion Burgenland von der Pädagogischen Hochschule durchgeführt wurde. 12 Prozent der Eltern von Taferlklasslern gaben an, dass ihre Kinder ein Handy besitzen, in der vierten Klasse sind es bereits 77 Prozent. Diesen Trend beobachtet auch Kordula Csukker, Direktorin der Volksschule am Tabor.

„Für Volksschüler nicht notwendig“

„Einige Kinder besitzen bereits ab Schuleintritt ein Smartphone, manche bekommen eines zur Heiligen Erstkommunion geschenkt, aber eigentlich ist erst eine nennenswerte Anzahl von Schülerinnen und Schülern ab der 4. Schulstufe in Besitz eines Smartphones“, so Csukker. Notwendig sei das aber aus ihrer Sicht in der Volksschulzeit nicht. Bei Notfällen würden die Eltern ohnehin von den Pädagoginnen persönlich kontaktiert.

Regeln sind jedenfalls auch an ihrer Schule schon notwendig – und diese gestalten sich einfach: Handys müssen abgeschaltet in der Schultasche bleiben.

Medienerziehung wird aber auch an diesem Standort sehr ernst genommen. So wird den Kindern beinahe in allen Gegenständen auch per iPads zeitgemäß Wissen vermittelt. „Die Schülerinnen und Schüler arbeiten auch regelmäßig mit „Skooly“, einer geschützten digitalen Lernplattform des Bildungsnetzwerkes Burgenland. Auch BeeBots waren bereits einige Male an unserer Schule „zu Besuch“ und die Kinder konnten erste Erfahrung im Bereich Coding und Robotik machen“, so Csukker.