Neusiedlerin: Mit Gebärden in den Landtag und den Fjord. Die Neusiedlerin Marietta Gravogl ist oftmals Bindeglied zwischen Hörenden und Gehörlosen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 05. September 2019 (05:33)
Marietta Gravogl (im Bild ganz links) dolmetscht derzeit für Gehörlose in einem Kite-Camp in Dänemark.
BVZ

Marietta Gravogl spricht mit den Händen. Sie ist Gebärdensprachdolmetscherin und gehört zu einem vierköpfigen Team, das ab September ihre Fähigkeiten im Burgenländischen Landtag einsetzen wird. Gemeinsam mit Stefanie Euler, Sabine Peck-Unger und Eva Böhm wird die Neusiedlerin im Wechsel die Sitzungen simultan für Gehörlose übersetzen.

Bereits seit 2013 arbeitet Gravogl als Gebärdensprachdolmetscherin. Ihre Einsatzgebiete sind „so vielfältig wie das Leben“, wie sie im Telefon-Interview mit der BVZ verrät. Ob beim Elternabend im Kindergarten, bei einem Arztbesuch, in der Berufsschule oder im Parlament. Engagiert wird sie meistens von den Betroffenen selbst, aber vermehrt sind es auch Institutionen, die ihre Veranstaltungen barrierefrei gestalten wollen.

Immer wieder gebe es in ihrem Beruf Situationen, die emotional sehr berührend seien: „Vor allem dann, wenn man durch die Kommunikation fast ein Teil einer Familie wird.“

Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache

Auf die Frage, welche Erlebnisse in ihrem Berufsleben besonders einprägsam oder spannend gewesen seien, lacht Gravogl und berichtet: „Ich bin gerade beruflich in Dänemark bei einem Kite-Surfkurs für Gehörlose. Das ist schon sehr spannend.“ Der Kurs wurde vom Podersdorfer Kite-Reisen-Veranstalter „LakeUnited“ organisiert. Sieben gehörlose Teilnehmer aus Österreich, der Schweiz und Deutschland lernen im Rinkobing Fjord unter Anleitung dreier heimischer Surflehrer, von denen einer selbst gehörlos ist, das Kitesurfen.

Wie das abläuft? Die gehörlosen Kite-Schüler bekommen an Land Informationen, die von den Dolmetscherinnen übersetzt werden. Darüber hinaus wurden mit den Kite-Lehrern – ähnlich wie im Tauchsport – Handzeichen ausgemacht, die am Wasser einfach und verständlich gegeben werden können. „Am ersten Tag hat das ganz gut funktioniert“, freut sich Gravogl.

Ein interessantes Detail am Rande: Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache. „Genauso wie die Lautsprachen haben sich auch die Gebärdensprachen unterschiedlich entwickelt“, erklärt Gravogl. Selbst innerhalb der Landessprachen gebe es lokale Unterschiede und Dialekte.