Akut-Ordi: Weiter Kritik von Neusiedls Bezirks-ÖVP . Landeshauptmann und Gesundheitsreferent Doskozil bilanziert positiv, Bezirks-ÖVP bleibt bei ihrer Kritik des neuen Modells.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 01. Mai 2019 (05:07)
Symbolbild
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Seit über einem Jahr ist das Modell der Akutordinationen flächendeckend im ganzen Burgenland ausgerollt. Im ganzen Land haben mehr als 11.300 Menschen das Angebot im ersten Jahr genutzt.

Dieses Modell zur ärztlichen Versorgung in Randzeiten habe sich bewährt und werde gut angenommen, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil in seiner Funktion als Gesundheitsreferent. Er verweist auf eine Auswertung der ersten zwölf Monate: „Über 9.300 Menschen haben in diesem Jahr die Akutordinationen besucht. Dazu kommen rund 2.000 Einsätze der mobilen Visitenärzte, die parallel dazu Hausbesuche absolvieren. Alle beteiligten Partner arbeiten hervorragend zusammen – und die Rückmeldungen zeigen auch, dass die Patientenzufriedenheit hoch ist.“

Das Burgenland habe mit den Akutordinationen ein neues Modell umgesetzt, das die hausärztliche Versorgung in den Abendstunden gewährleisten und gleichzeitig durch die Verringerung von Bereitschaftsdiensten die Attraktivität des Landarzt-Berufs erhöhen soll. „Die Akutordinationen sind Teil eines Maßnahmenpaketes, mit dem das Burgenland im Wettbewerb um angehende Hausärzte bestehen kann. Unser Hauptanliegen ist, dass es auch in Zukunft eine möglichst flächendeckende hausärztliche Versorgung gibt“, betont der Landeshauptmann.

Moder: „Druck auf Ärzte fällt weg“

Der Direktor der Burgenländischen Gebietskrankenkasse, Christian Moder, teilt diese Einschätzung: „Durch die Akutordinationen fällt der bisherige Druck auf die Ärzte, praktisch rund um die Uhr verfügbar zu sein, weg. Der Beruf des Hausarztes wird dadurch wieder attraktiver. Im Bezirk Neusiedl konnten wir aufgrund der Neuregelung bereits eine offene Planstelle nachbesetzen.“

Nach erfolgreichem Probebetrieb im Krankenhaus Oberwart wurden die Akutordinationen Anfang April 2018 in allen Bezirken eingerichtet, wo von Montag bis Freitag von jeweils 17 bis 22 Uhr ein Allgemeinmediziner zur Verfügung steht.

Im Neusiedler Bezirk ist die Akutordination im Krankenhaus Kittsee situiert, zur Verstärkung ist der Visitenarzt mit einem Rettungssanitäter in der Unfallambulanz Frauenkirchen stationiert. Generell sollen die Akutordinationen auch zur Entlastung der Spitalsambulanzen beitragen. 1151 Patienten haben in den ersten Monaten die Akutordination in Kittsee besucht, 249 Patienten suchten den Visitenarzt in der Unfallambulanz in Frauenkirchen auf, 454 Visitenfahrten wurden im Bezirk gezählt.

ÖVP-Kritik flaut nicht ab

Von Beginn an wurde das Modell vehement von der ÖVP-Bezirksorganisation kritisiert. Im flächengrößten Bezirk sei die weite Strecke in die Akutordination Kittsee für Patienten aus dem Seewinkel unzumutbar, hieß es immer wieder und wurde auch in der letzten Aussendung der Bezirks-ÖVP wiederholt.

Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung im Bezirk wird vom Landtagsabgeordneten Markus Ulram und dem 2. Landtagsabgeordneten Rudolf Strommer gefordert: „Daher fordern wir als ersten Schritt, zusätzlich zum Krankenhaus Kittsee, die Öffnung des Ärztezentrums Frauenkirchen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.“ In den vergangenen Wochen wurden für dieses Anliegen im Rahmen einer Petition auf der Internet-Plattform www.aerzte-zentrum.at 3.829 Unterschriften (Stand: 29. April 2019) gesammelt.