Jois kündigt Vertrag – Discobus am Prüfstand. Ein Erfolgsmodell scheint in die Jahre zu kommen. Jugendliche nehmen vermehrt das Taxi. Eine Gemeinde kündigt Vertrag auf.

Von Birgit Böhm-Ritter, Saskia Jahn, Johanna Janisch und Bettina Deutsch. Erstellt am 01. Mai 2019 (06:15)
Werner Müllner
Symbolbild

Der Discobus hat sich in mehr als zwei Jahrzehnten von einem Schulprojekt, ausgehend im Seewinkel, zu einem mehrfach ausgezeichneten landesweiten Mobilitätsprojekt entwickelt. In Zeiten immer größer werdender Individualität und Flexibilität steht der Discobus aber immer öfter auf dem Prüfstand. Die Gemeinde Jois etwa will aus dem „Verein Discobus“ aussteigen.

Jois kündigt Vertrag mit Discobus-Verein

„Bei der letzten Gemeinderatssitzung haben wir beschlossen, aus dem Vertrag mit dem Discobus-Verein auszusteigen. Aber das nicht einfach nur so, wir hatten uns zuvor ein realistisches Bild von der derzeitigen Situation gemacht: Zu fünft, fünf Gemeinderäte, wagten wir eine Rundfahrt mit dem Discobus, und das sogar am Faschingssamstag. Wir waren die ganze Strecke über, abgesehen von zwei anderen Fahrgästen, alleine im Bus. Dieser Lokalaugenschein hat uns zu diesem Schritt veranlasst“, erklärt Bürgermeister Hannes Steurer im BVZ-Gespräch.

Das Konzept sei nicht mehr zeitgemäß, so der Ortschef weiter. Die Joiser Jugendlichen würden hauptsächlich mit den Jugendtaxis unterwegs sein. „Die Eltern sind auch beruhigter, wenn ihre Kinder direkt vor die Haustüre gebracht werden“, weiß Steurer, der den Vertragsausstieg für die Zukunft aber nicht in Stein gemeißelt sieht. „Wenn das Konzept des Vereins modernisiert werden würde, würden wir auch gerne wieder einsteigen.“

Leere Bus-Touren kein Einzelfall

Davon, dass der Discobus bei den Jugendlichen momentan nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Verkehrsmittel steht, konnte sich die BVZ selbst überzeugen. BVZ-Mitarbeiterin Johanna Janisch machte die Probe aufs Exempel und fuhr am verlängerten Osterwochenende eine Discobus-Tour zwischen Neusiedl am See und Illmitz mit.

Um 22.11 Uhr startete die Tour, die über Weiden am See, Gols, Mönchhof und Halbturn erst einmal nach Frauenkirchen vor die Diskothek „Caribic“ führte. Bei keiner der Haltestellen in den Gemeinden stiegen Fahrgäste zu. Auffallend in Frauenkirchen: Viele Taxis warteten vor der Disco. Die Fahrt ging schließlich weiter bis zum Podersdorfer „Martinskeller“. Auch dort wollte keiner in den Bus einsteigen.

Die gesamte Tour bis nach Illmitz zur Diskothek „Kathi´s World“ blieb Janisch der einzige Fahrgast. Dort musste sich der Bus mühsam durch Taxis durchquetschen. Die meisten Personen kamen mit dem Taxi oder dem Auto bei der Disco an. Eine leere Tour sei keine Seltenheit, verriet der Busfahrer, und auch an diesem Abend sei es bereits seine zweite leere Runde gewesen.

„Discobusse sind Lebensversicherung“

Trotzdem steht für die meisten Gemeinden ein Ausstieg aus dem „Verein Discobus“ nicht zur Debatte. Danach gefragt betont auch Alois Wegleitner (SPÖ), Bürgermeister von Illmitz, der Gemeinde, in der der Discobus das Ziel „Kathis World“ anfährt: „Die Kooperation ist nach wie vor eine Erfolgsaktion, wir bleiben dem Verein treu.“

Als grob fahrlässig bezeichnet der Obmann des Discobus-Vereines Thomas Hoffmann gar einen Ausstieg aus dem Verein: „Ich finde es schade, dass die Marktgemeinde Jois den Austritt beschlossen hat, ohne sich vorher mit Mitgliedern des Vereins in Verbindung gesetzt zu haben. Man setzt so die Verkehrssicherheit der jungen Menschen aufs Spiel. Der Verein und VCÖ-Experten unterstreichen immer wieder: Für Jugendliche sind Discobusse eine Lebensversicherung. Das Burgenland konnte durch ein flächendeckendes Discobus-Netz die Zahl schwerer Unfälle von jungen Lenkern deutlich verringern.“