Beamten verleumdet?. In einem Brief an die Anstaltsleitung brachte eine inhaftierte Frau Gerüchte zu Papier. Jetzt stand sie vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 25. November 2018 (05:00)
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In der Frauenabteilung der Eisenstädter Justizanstalt kursierten im Herbst 2017 Gerüchte über ein angebliches Verhältnis eines Justizwachebeamten mit einer inhaftierten Frau.

Eine Mitgefangene, die die Details dazu in einem Brief an die Anstaltsleitung formulierte, steht nun wegen des Vorwurfs der Verleumdung vor Gericht.

Sie habe, so die Angeklagte, im Oktober 2017 mitten in der Nacht Geräusche vom Stockwerk oberhalb gehört: Eine Haftraumtüre sei aufgesperrt worden, danach seien Stimmen durch das offene Fenster in den Hof hinausgedrungen. Am nächsten Tag habe sie jene 34-jährige Frau darauf angesprochen, aus deren Zelle die Stimmen gekommen seien.

„Ich sagte: Wir wissen schon, was los ist!“, berichtete die Angeklagte. „Sie sagte: Sagt’s es bitte niemandem, weil das mein einziger Spaß da ist.“

Schon vor diesem Gespräch seien Gerüchte über einen Justizwachebeamten im Umlauf gewesen, dem ein Verhältnis mit der 34-Jährigen nachgesagt wurde.

„Ich fragte sie, ob er ihr etwas mitbringt“, berichtete die Angeklagte vor Gericht.

Die inhaftierte Frau habe ihr daraufhin einen Nagellack gezeigt.

„Mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass es so war, sondern dass sie sich damit brüsten wollte“, fügte die Angeklagte hinzu.

Besuche in der Zelle behauptet

Nach Rücksprache mit einer Beamtin habe sie dann den Brief an die Anstaltsleitung geschrieben, in dem der Name des betroffenen Justizwachebeamten genannt und behauptet wurde, dieser besuche die inhaftierte Frau in der Zelle und bringe dieser Geschenke.

„Was wollten Sie mit dem Brief bezwecken?“, fragte Richterin Daniela Berger. „Ich glaube, dass so etwas nicht in Ordnung ist, wenn Häftlinge mit Beamten eine Beziehung haben“, antwortete die Angeklagte. Jene Frau, auf die sich die Gerüchte bezogen, behauptete vor Gericht, sie habe mit niemandem über eine Beziehung zu einem Justizwachebeamten oder über verdächtige Geräusche aus ihrer Zelle gesprochen.

„Ich habe fünf Kinder und einen Mann zuhause, warum sollte ich so etwas erzählen?“, fragte sie. Abends nehme sie eine Schlaftablette und schlafe dann rasch ein.

Das mutmaßliche Opfer der Verleumdung, der Justizwachebeamte, dem das Verhältnis zu der Insassin nachgesagt wurde, gab an, dass er im Nachtdienst nichts mit der Frauenabteilung zu tun habe, außer es liege ein Notfall vor und dann sei auch vorgesehen, dass drei oder vier Beamte gleichzeitig die Haftraumtüre öffnen.

Jeder Gang sei kameraüberwacht, die Hafträume seien alarmgesichert.

Wie es zu den Gerüchten über ihn und die inhaftierte Frau gekommen sei, könne er sich nicht erklären.

Der Prozess wurde vertagt.