Angeklagter: „Ein Mord ist unangenehm“. Er werde, kündigte ein depressiver Ex-Makler mehrfach an, die Enkelkinder seiner ehemaligen Auftraggeberin mit in den Tod nehmen.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 25. April 2021 (03:23)
Schockierend. Ein 50-Jähriger sprach seiner Geschäftspartnerin gegenüber schlimme Drohungen aus.
Symbolbild/Bilderbox, Symbolbild/Bilderbox

Er könne, hatte der 50-jährige Mann aus dem Bezirk Neusiedl am See angekündigt, sich vorstellen, die Enkelkinder seiner früheren Auftraggeberin mitzunehmen, wenn er selbst gedanklich so weit käme, sich umzubringen. Das gehe schnell, tue nicht weh und gebe der Familie lange zu denken.

Diese Rachegelüste hatte der 50-Jährige nicht nur gegenüber Ärzten und einem Therapeuten, sondern auch vor der Polizei und nach seiner Inhaftierung vor der Haft- und Rechtsschutzrichterin geäußert.

Am Dienstag dieser Woche musste sich der Mann am Eisenstädter Landesgericht vor Richterin Birgit Falb verantworten.

„Ja, das war so“, gab der Angeklagte zu.

Es sei ihm im Herbst 2020 psychisch schlecht gegangen. Nach sieben Jahren weitgehend erfolgloser Tätigkeit als selbstständiger Makler sei er enttäuscht gewesen.

Auftraggeberin trage Schuld am Misserfolg

Von seiner Auftraggeberin habe er sich „ungerecht behandelt“ gefühlt, sagte der alleinstehende Mann. Diese trage eine „Teilschuld“ an seinem beruflichen Misserfolg.

„Es sollte natürlich nicht passieren“, beteuerte der 50-Jährige vor Gericht. „Ein Mord oder auch ein Selbstmord ist natürlich auch für mich etwas sehr Unangenehmes.“

„Haben Sie heute noch Rache- und Hassgefühle gegenüber der Frau?“, wollte die Richterin wissen.

„Ja, natürlich“, gab der Angeklagte zu. Der „Fall“ sei aber für ihn „erledigt“.

„Es war nicht der richtige Beruf für ihn“, erklärte jene Frau, die der Angeklagte zum Ziel seiner Drohungen gemacht hatte. Sie sei aber ein sozialer Mensch und habe dem Angeklagten eine Chance geben wollen. Jetzt habe sie „wahnsinnige Angst“ um ihre Enkelkinder.

„Ich frage mich, wie können wir geschützt werden? Er ist eine Bombe.“ Die Staatsanwaltschaft hatte eine Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt.

Der psychiatrische Sachverständige stellte aber einen Rückgang der „depressiven Einengung“ fest.

Die Richterin verurteilte den Mann zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und sprach eine bedingte Einweisung aus.

Außerdem muss sich der 50-Jährige einer Therapie unterziehen, sich vom Alkohol fernhalten und darf keinen Kontakt zur Familie seiner Ex-Geschäftspartnerin aufnehmen. Er nahm dieses Urteil an und wurde nach dem Prozess enthaftet.