Gols

Erstellt am 06. Dezember 2018, 04:58

von Birgit Böhm-Ritter

Wohngemeinschaft „Villa Mia“ zittert um Existenz. In der sozialpädagogischen WG gibt es acht Plätze, aber nur drei Kinder sind in Gols untergebracht. Es droht das Aus.

 |  BVZ, BBR

Die sozialpädagogische Wohngemeinschaft „Villa Mia“ bangt um ihre Existenz. Seit den Missbrauchs-Vorwürfen vor genau einem Jahr ist die Einrichtung bei Weitem nicht ausgelastet. Damals wurden die meisten Kinder in ihre Familien zurückgeführt oder in andere Einrichtungen verlegt. Nur zwei Kinder aus der Steiermark blieben in Gols. Mitte des Jahres wurde ein weiteres Kind - ebenfalls aus einem steirischen Bezirk - der „Villa Mia“ zugeteilt.

Seitdem hält der Trägerverein „Natürliche Lebensweise“ den Betrieb mit drei Kindern aufrecht. Allerdings wird die finanzielle Situation von Monat zu Monat angespannter. Spenden, die dem Verein die Erhaltung des Heimes über die Jahre hinweg ungemein erleichterten, wurden seit Anfang des Jahres weniger, erzählt Silvia Beck, zuständig für die Finanzen des Vereines. Auf zwei Personen sei aber auch in dieser Zeit Verlass gewesen. Ohne deren Engagement, Benefiz-Events zu veranstalten und private Spender zu motivieren, stünde es um die finanzielle Situation der „Villa Mia“ noch schlechter.

Drei Kinder und fünf Betreuer

Trotzdem: „Wenn es weitergehen soll, dann brauchen wir mehr Kinder“, sagt Beck. „Wir haben jetzt ein Jahr lang darauf vertraut, dass uns Kinder zugewiesen werden, weil wir immer wieder vom Amt gehört haben wir sollen weitermachen. Doch irgendwann geht uns die Kraft aus.“

Pro Kind bekomme der Verein einen Tagsatz von rund 160 Euro. Damit sei der Betrieb nicht mehr lange aufrechtzuerhalten, wenn man bedenke, dass fünf vollzeitbeschäftigte Betreuer bezahlt werden müssen. „So sieht es der vom Land vorgeschriebene Betreuungsschlüssel vor.“

„Wir haben jetzt ein Jahr lang darauf vertraut, dass uns Kinder zugewiesen werden. Doch irgendwann geht uns die Kraft aus.“ Silvia Beck, Obfrau Verein Natürliche Lebensweise

Vor einem Jahr hatte die sozialpädagogische Wohngemeinschaft mit Missbrauchsvorwürfen zu kämpfen. Es soll unter den Bewohnern zu Gewalt und sexuellen Übergriffen gekommen sein. Es wurde geprüft, ob Mitarbeiter und Behörden korrekt gehandelt haben. Bereits im März hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt. In der Wohngemeinschaft hat man mittlerweile gemeinsam mit Expertin Rotraut Perner ein sexualpädagogisches Konzept sowie ein Gewaltschutzkonzept erarbeitet, um in brenzligen Situation richtig reagieren zu können.

Steirischen Behörden sind der „Villa Mia“ gegenüber positiv eingestellt.

Auf Anfrage der BVZ zeigte sich die Bezirkshauptmannschaft Voitsberg in ihrer Auskunft aufgrund ihrer Verschwiegenheitspflicht zwar kurz angebunden, stellte aber Folgendes klar: „Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Unterbringung von Minderjährigen einer inhaltlich genauen Prüfung unterliegt und im Sinne der Sicherung des Kindeswohles erfolgt. Im konkreten Fall bestehen fachliche Gründe, weshalb die beiden Minderjährigen in der Einrichtung verblieben sind.“

Warum trotz der Verfahrenseinstellung keine Kinder aus dem Burgenland der Golser Wohngemeinschaft zugeteilt werden, ist den Verantwortlichen der sozialpädagogischen Einrichtung unverständlich. Der Bedarf sei gegeben, glaubt man in der „Villa Mia“.

Bis Jahresende 2017 kamen die meisten Kinder aus den Bezirken Neusiedl am See, Eisenstadt und Mattersburg. Kinder, die in ihren Familien Schreckliches miterleben mussten und in der sozialpädagogischen Wohngemeinschaft Geborgenheit und Sicherheit suchten. Insgesamt waren es bis Ende 2017 zwischen zwölf und vierzehn Kinder, die in der Villa Mia untergebracht worden sind.

Auer: „Wir suchen keinen Platz.“

„Wenn wir Plätze suchen, dann überlegen wir uns genau, welche Einrichtung für das jeweilige Kind, die Beste ist. Dabei sind je nach Situation unterschiedliche Anforderungen zu prüfen. Wenn wir einen Platz suchen würden, dann würden wir alle Einrichtungen in Betracht ziehen, auch die Villa Mia. Das ist im Moment allerdings nicht der Fall“, sagt Franziska Auer, Bezirkshauptfrau Eisenstadt Umgebung.