Neusiedl am See: Im Gedenken „am Ball bleiben“

Erstellt am 03. Februar 2022 | 05:31
Lesezeit: 2 Min
Vergangenen Sonntag gedachte man Neusiedls Holocaust-Opfern. Die Gedenkveranstaltung soll ein jährlicher Fixpunkt werden.
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„So wie es zu Allerheiligen regelmäßig Gedenkfeiern für die Gefallenen bei den Kriegerdenkmälern gibt, so sollte man auch den Holocaust-Opfern regelmäßig in Neusiedl gedenken“, das sagte Martin Pieber anlässlich der Einweihung der ersten Holocaust-Gedenktafel im Vorjahr. Gesagt, getan.

Unter Federführung des Vereins Neusiedler Stadtarchiv organisierte er vergangenen Sonntag eine Gedenkveranstaltung in der Neusiedler Kirche. Man müsse schließlich „am Ball bleiben.“ Angesichts der immer weniger werdenden Zeitzeugen, die über den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden berichten können, sind solche Veranstaltungen mehr denn je notwendig.

In seinen Recherchen hat Martin Pieber die Lebensgeschichte von 41 Neusiedler Holocaust-Opfern nachverfolgen können. Diese wurden am Sonntag von Lena Sattler sowie Martina und Angelika Pieber verlesen: Etwa jene Geschichte der Familie Wallenstein-Benkö, die im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordert wurde, einzig Emmerich Benkö überlebte und kehrte nach Neusiedl zurück. Oder jenes Schicksal, das Alfred Hauser ereilte. Seine Frau, die keine Jüdin war, ließ sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten von ihm scheiden, er selbst wurde 1944 in einem Lager in Polen ermordet.

In einem stimmungsvollen Gedenken wurde an alle 41 bekannten Neusiedler Opfer erinnert. „Für alle wurde eine Kerze angezündet, die die Besucher vor die Kirche zur Gedenktafel brachten. Eine 42. Kerze wurde für jene Opfer angezündet, die wir nicht kennen. Denn es werden wohl mehr als 41 gewesen sein“, sagt Pieber.

Musikalisch gestaltet wurde das Programm von Johanna Ensbacher, Roman Grinberg und Ferry Janoska. Pfarrer Willi Ringhofer las „Die Todesfuge von Paul Celan“ und Sepp Gmasz Gedichte von Goldmark und Werfel.

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