Handel ist vorsichtig optimistisch

Zu einem gelungenen Einkaufserlebnis fehlt noch die Öffnung der Gastronomie.

Erstellt am 25. Februar 2021 | 05:12
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Entspanntes Shoppen gibt es, den Abstandsregeln und der Maskenpflicht geschuldet, nach wie vor nicht, wenngleich viele Geschäfte seit Dienstag wieder offen haben dürfen.
Foto: Shutterstock/Kamil Macniak

Seit eineinhalb Wochen ist der Handel nach dem Lockdown wieder geöffnet und körpernahe Dienstleistungen dürfen wieder angeboten werden. Das Stimmungsbarometer in den Betrieben steigt zwar, vor allem im Handel allerdings noch mit viel „Luft nach oben“.

Warum das so ist, erklärt Hannes Mosonyi im Gespräch mit der BVZ. Der Wallerner ist Spartenobmann-Stellvertreter der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Burgenland. Er weiß, dass die Konsumlaune nur steigt, wenn das Gesamtbild stimmt: „Die Umsätze sind noch durchwachsen und bei Weitem nicht dort, wo sie vor dem Lockdown waren. Und zwar weil der Handel auch von der Gastronomie profitiert“, erklärt er.

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Die Öffnung der Gastro wäre enorm wichtig, denn eines greife ins andere. Darum fände er eine Öffnung der Gastronomiebetriebe etwa mit „Eintrittstests“ auch gut. „Ich glaube, dass die Infektionszahlen nicht steigen würden, wenn die Gastronomie mit Präventionskonzepten und Abstand öffnen würde, dann wäre der Bedarf bei vielen nicht so groß, sich irgendwo illegal im Kellerstüberl zu treffen. Unkontrollierte Treffen würden in dem Ausmaß nicht mehr stattfinden.“ Gibt es im Handel Krisengewinner wie etwa Fahrradhändler, so gibt es auch große Krisenverlierer. Zu Letzteren gehört der Modehandel. „Es fehlen ja auch die Veranstaltungen, für die man sich normalerweise neu einkleidet“, so Mosonyi: „Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Bälle. All das hat nicht stattgefunden.“

„Wenn die Gastronomie öffnen würde, dann wäre der Bedarf bei vielen nicht so groß, sich irgendwo illegal im Kellerstüberl zu treffen.“ Hannes Mosonyi

Sonja Lass betreibt eine Mode-Boutique in Frauenkirchen. Sie erzählt von anfänglichen Schwierigkeiten in den ersten Lockdown-Monaten, blickt jetzt aber wieder rosigeren Zeiten entgegen. „Für alles gibt es Lösungen und die haben wir gefunden, beziehungsweise erarbeitet. Ich bin sowieso ein sehr positiver Mensch und diese positive Haltung und Stimmung vermittel ich auch meinen Kundinnen und Kunden“, betont die Geschäftsfrau.

Sie habe „natürlich“ auf ihre Ersparnisse zurückgreifen müssen, „aber Gott sei Dank, muss ich sagen, hatten wir auch diese Rücklagen“. Von den derzeitigen Umsätzen sei sie positiv überrascht. Das Geschäft seit der Wiedereröffnung am 8. Februar sei sehr gut angelaufen - mit eigenem Präventionskonzept klarerweise: „Bei uns ist es derzeit so, dass im Eingangsbereich zehn Armbänder zur Verfügung stehen, jeder, der das Geschäft betreten möchte, nimmt sich eines. Wenn diese aufgebraucht sind, wartet man in dem wettergeschützten Bereich vor der Tür - mit Abstand. Drinnen haben wir ein Einbahnsystem eingeführt. Das alles funktioniert gut.“

Sonja Lass blicke zuversichtlich in die Zukunft. Der sich nähernde Frühling und die wärmeren Temperaturen „werden uns in die Karten spielen. Ich sage das auch immer zu meinen Kunden: Mit jedem Grad mehr kommen wir dem Ziel näher. Wenn bald auch wieder Festln wie Hochzeiten usw. erlaubt sind, dann geht‘s uns gut, dann haben wir das Gröbste geschafft“, ist sich Lass sicher.

Die Hygienemaßnahmen, das Impfen und die breiten Testungen sehe sie als wichtigen Schritt, um auch alle anderen Branchen wieder zu öffnen.

Dass die Bevölkerung diese Möglichkeiten auch annimmt, sieht man derzeit in den Betrieben der körpernahen Dienstleister. Noch nie wurde so viel getestet wie in den vergangenen Tagen, nur um einen Termin beim Friseur oder der Kosmetikerin wahrnehmen zu können.

Keine spontanen Friseurbesuche mehr

Im harten Lockdown haben viele Menschen in Österreich eines ganz besonders vermisst: den Besuch beim Friseur. Das kann auch Sandra Kriebernegg, die Geschäftsführerin von „Haar Stil & Kunst“ am Neusiedler Hauptplatz, bestätigen: „Viele Kunden haben uns gesagt, dass wir ihnen abgegangen sind und natürlich haben wir auch unsere Kunden vermisst. Momentan ist aber wieder alles gut und wir sind ziemlich ausgebucht.“

Wie die Friseurmeisterin im BVZ-Gespräch wissen lässt, sei unter ihrer Kundschaft das Verständnis für die Eintrittstests sehr hoch, vor allem seitdem Gratis-Antigentests auch in vielen Apotheken angeboten werden. Die meisten KundInnen würden das Testergebnis gleich beim Eintreten unaufgefordert vorzeigen: „99,9 Prozent unserer Kunden akzeptieren die derzeitige Situation.“

Wie Sandra Kriebernegg erklärt, habe sich das Thema Laufkundschaft im Zuge der aktuellen Corona-Situation schlagartig geändert. Der spontane Friseurbesuch „im Vorbeigehen“ sei nun nicht mehr möglich; dafür würden nun mehr Kunden nach einem kurzfristigen Termin fragen, wenn gerade ein „frisches“ negatives Testergebnis vorliegt: „Ich glaube, dass das mehr werden wird“, meint Sandra Kriebernegg.