Gewalt im Pflegeheim? Aufruhr um SeneCura Sozialzentrum. Ein Insider berichtet über angebliche Missstände in Frauenkirchen. Geld und Mitarbeiter spielen eine maßgebliche Rolle.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 22. August 2018 (06:06)
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Etabliert. Die Institutionen des SeneCura Sozialzentrums haben sich einen Namen gemacht.
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Das SeneCura Sozialzentrum hat sich seit seiner Niederlassung in der Stadtgemeinde als angesehene Institution etabliert, nun hat sich ein Insider an die BVZ gewandt, um scheinbar vorherrschende Missstände vor Ort aufzuzeigen.

„Hier geht es nicht um Menschen, sondern um Machtspiele“

„Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich damit an die Öffentlichkeit gehen soll, aber die Situation ist auf Dauer nicht tragbar, es muss dringend etwas geändert werden“, erzählt dieser. SeneCura ist mit vier Standorten – Behindertentagesstätte, Anlernwerkstatt, Wohnheim sowie Pflegeheim – in Frauenkirchen vertreten, bietet Unterstützung, Pflege und Rundumbetreuuung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen sowie älteren Personen.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt eine Realität, die härter scheint als man es vermeintlich zuzugeben vermag. „Hier stehen nicht die Menschen im Mittelpunkt, hier geht es um Machtspiele. Es herrscht ein rauer Ton den Klienten gegenüber, die Mitarbeiter sind überfordert und haben meiner Meinung nach nicht die optimale Ausbildung“, begründet der Insider seinen Entschluss. Von Gewalt ist in erster Linie die Rede; Gewalt unter den Klienten sowie angsteinflößenden, aggressiven Handlungen vonseiten der verantwortlichen Betreuer.

Erste Kündigungen nach konkreten Vorfällen

Im vergangenen Jahr habe sich schließlich ein Klient nach konkreten Vorfällen von Misshandlungen an den Bundesverband für Menschen mit Behinderungen gewandt, woraufhin zwei Mitarbeiterinnen entlassen worden seien. Die Leitung in Frauenkirchen habe zwar Bescheid gewusst, aber nicht entsprechend reagiert, so der Vorwurf. Auch der Insider betont im BVZ-Gespräch, er habe die Leitung über ähnliche Vorfälle informiert, sei aber mehrfach auf taube Ohren gestoßen.

„Ich weise die Anschuldigungen vehement zurück. Es gibt Menschen, die denken, sie könnten die Welt von heute auf morgen verändern. Das funktioniert nicht. Wo Menschen aufeinandertreffen, kann immer etwas passieren. Wichtig ist, dass man entsprechend handelt und das tun wir“, sagt Regional-Direktorin Elisabeth Deutsch auf Anfrage der BVZ.

„Ein Betreuer für 65 Personen“

Die explosive Atmosphäre führt der Informant auf die Rahmenbedingungen in den Betreuungseinrichtungen zurück. „Im Wohnheim sind zwei Mitarbeiter für 18 Klienten verantwortlich, im Pflegeheim sogar nur ein Betreuer für 65 Personen. Das sind keine optimalen Bedingungen, um sich gezielt der Pflege und Förderung der Klienten zu widmen.“ „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben, unser Team ist vollzählig und nicht überfordert. Die Klientel hat sich verändert, fordert mehr, auch die Toleranzgrenze ist gesunken“, kontert Deutsch.

In Form von Fallbesprechungen und psychologischer Hilfestellung wird gemeinsam mit den Mitarbeitern auf die speziellen Bedürfnisse der Menschen eingegangen und Situationen eruiert. Auch hinsichtlich der finanziellen Gegebenheiten laufe nicht alles richtig, klagt der Informant. Die Fördermittel des Landes würden an den falschen Stellen eingesetzt, die Führungskräfte durch bewusste Einsparungen Prämien kassieren. Zudem sei den Klienten ihr zustehendes Geld nicht immer ausgezahlt worden, wenn sie darum gebeten hätten: „Stattdessen wurden sie mit fadenscheinigen Aussagen abgespeist.“

Auf den Vorwurf angesprochen, reagiert die Direktorin unverzüglich: „Jeder Klient erhält Taschengeld vom Land, SeneCura steuert zudem einen zusätzlichen Betrag pro Monat bei. Die Bewohner können selbst darüber verfügen. Es kann aber auch vorkommen, dass wir unterstützend eingreifen müssen, damit der Klient sein Taschengeld nicht auf einen Schlag ausgibt. SeneCura ist nicht verpflichtet, für den Lebensunterhalt der Klienten aufzukommen.“

Obwohl die Institution unter konstanter Kontrolle steht, ist sich der Insider sicher: „Das Burgenland befindet sich, was die Behindertenpolitik betrifft, noch in der Steinzeit. Es bedarf definitiv neuer Regelungen und zusätzlicher externer Kontrolle. Damit die Betreuer endlich wieder näher am Menschen sind.“