Glashaus-Gegner sammelten 780 Unterschriften. Nach der Bekanntgabe des "Aus" für das geplante Riesen-Glashaus in Frauenkirchen zeigen sich Gegner erfreut. 780 Bürger unterschrieben für die Einleitung einer Volksabstimmung über das Vorhaben, zog Josef Umathum, Sprecher der Bürgerinitiative "Freie Sicht auf Frauenkirchen", am Montag Bilanz.

Von Redaktion, APA und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 02. Januar 2017 (13:40)
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Bürgerinitiative gegen Glashaus in Frauenkirchen zog Bilanz.
Birgit Böhm-Ritter

Auf die Abstimmung wolle man verzichten, wenn der Gemeinderat die Rückwidmung des Grundstücks beschließe, so Umathum. 780 Unterschriften seien um rund 100 mehr, als zur Einleitung einer Volksabstimmung erforderlich.

"Dafür bedanken wir uns ganz herzlich, für diesen Mut, den die Leute gezeigt haben", sagte Umathum zur APA. Vor allem viele junge Menschen "quer aus allen Schichten" hätten unterschrieben - "das zeugt von lebendiger Demokratie."

"Müssen miteinander leben, wollen miteinander gestalten"

"Der Gemeinderat ist jetzt aufgefordert, die Grundstücke rückzuwidmen" - von Grünland-Gewächshaus zu landwirtschaftlicher Fläche. "Damit ist auch für die Zukunft ein Bau nicht möglich", erläuterte Umathum. Vier Wochen habe der Gemeinderat Zeit, um in der Frage zu entscheiden.

Komme es zur Rückwidmung, "dann wird es mit Sicherheit keine Volksabstimmung geben", weil dann die Notwendigkeit dafür fehle. Wenn keine Rückwidmung erfolge, finde die Volksabstimmung statt. Abgestimmt würde dann über jenen Gemeinderatsbeschluss, mit dem das Grundstück umgewidmet worden war.

Der Gemeinderat sei angesichts der 780 Unterschriften "gut beraten, das wirklich von sich aus zurückzuwidmen", meinte der Sprecher der Bürgerinitiative. Als nächsten Schritt wolle man versuchen, mit der Gemeinde - in Frauenkirchen stellt die SPÖ den Stadtchef - eine Veranstaltung durchzuführen. Dabei solle man sich sozusagen die Hände reichen und sagen: "Das Thema ist abgeschlossen. Wir müssen miteinander leben, wir wollen miteinander gestalten".

"Von meiner Seite her keine politischen Ambitionen"

Damit werde sich die Bürgerinitiative auflösen. "Von meiner Seite her gibt es überhaupt keine Ambitionen, da irgendwie politisch einzusteigen. Ich gehe wieder meine Reben schneiden, das ist mir lieber", stellte Umathum fest.

Natürlich sei es fürs Gemeindeleben gut, wenn sich Menschen engagieren. An die Entstehung einer eigenen Bewegung sei aber nicht gedacht. "Das wurde uns zwar immer unterstellt, aber das ist nicht der Fall."

Es sei "historisch in der Gemeinde Frauenkirchen, dass ein Gemeinderatsbeschluss angefochten worden ist", meinte Umathum. Am Anfang hätten Leute gegen das Glashaus unterschrieben, weil sie gegen den Standort gewesen wären. In weiterer Folge sei dann "die Art, über alles drüberzufahren", mit ausschlaggebend gewesen, glaubt der Winzer. Als dann noch ökologische Bedenken dazugekommen seien, "ist ein richtiger Ruck gekommen".

"Die Leute wollen natürlich Unternehmen im Ort haben. Aber sie wollen saubere Unternehmen haben", sagte Umathum. Es gehe immerhin ums Grundwasser. Er hoffe, "dass die Vernunft siegt und dass der Gemeinderat das wirklich zurückwidmet."

„Wir können ja keine Volksabstimmung machen, wenn der Projektant weg ist“

Ortschef Josef Ziniel im Gespräch mit der BVZ

Bürgermeister Josef Ziniel bedauert den Rückzug von Werner Perlinger und greift die Bürgerinitiative rund um Josef Umathum und Erich Stekovics scharf an. Die beiden hätten ein Projekt, das alle gutachterlichen Auflagen der Raumplanung erfülle, schlecht gemacht.

Zu einer Volksabstimmung werde es aber nicht kommen, sagt Ziniel im BVZ-Gespräch. In der nächsten Gemeinderatssitzung werde die Rückwidmung des Grundstückes in Grünland/Landwirtschaft auf der Tagesordnung stehen.

„Wir können ja keine Volksabstimmung machen, wenn der Projektant weg ist“, begründet Ziniel. Darüber hinaus würden weitere Projekte verzögert werden, die Teil des betroffenen Flächenwidmungsplanes seien. Etwa der Umbau des alten Bahnhofgebäudes in Starterwohnungen.

Für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Frauenkirchen befürchtet er nachhaltigen Schaden durch die lange Debatte um das Paradeiser-Glashaus. „Ich befürchte, dass Frauenkirchen zukünftig von Projektanten gemieden wird. Es will sich ja niemand in so eine Medienschlacht begeben“, glaubt der Ortschef.