Hitzige Debatte um Glashaus-Projekt. Landeschef Hans Niessl bezieht Stellung und hebt die wirtschaftlichen Aspekte für die Stadtgemeinde hervor.

Von Birgit Böhm-Ritter. Update am 16. November 2016 (11:10)
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Bürgermeister Josef Ziniel kritisiert die NESt und die Bürgerinitiative: „Sie täuschen und manipulieren die Bevölkerung mit Unwahrheiten.“
BVZ

Seit drei Wochen beherrscht ein einziges Thema die Stadtgemeinde: Das Glashaus-Projekt, einer der größten österreichischen Gemüsehandelsunternehmen, welches zwischen Podersdorf und Frauenkirchen angesiedelt werden soll (die BVZ berichtete laufend).

Nach Protesten der Namensliste Erich Stekovics (NESt), der ÖVP und einer neu gegründeten Bürgerinitiative um Winzer Gerhard Umathum, luden Bürgermeister Josef Ziniel (SPÖ), Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) und Architekt Werner Thell zu einer Pressekonferenz.

Hitzige Debatten

Was als Medientermin angesetzt war, entwickelte sich allerdings zu einer Bürgerversammlung, in der hitzig debattiert wurde. Das geplante Glashaus-Projekt des Wallerner Unternehmers Werner Perlinger spaltet die Stadtgemeinde.

Nicht nur regionale und überregionale Medienvertreter kamen demnach zur Veranstaltung, auch Gegner rund um die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Frauenkirchen“, Befürworter und direkt in das Projekt involvierte Personen nahmen den Termin im Alten Brauhaus wahr.

Niessl: "Positiver Effekt"

Hans Niessl (SPÖ), der eingangs betonte, es sei das erste Mal seit seiner 16 jährigen Amtszeit als Landeschef, dass er zu einem kommunalpolitisches Thema in seiner Heimatgemeinde Stellung beziehe, stellte klar, dass das umstrittene Glashaus einen wirtschaftlich positiven Effekt auf Frauenkirchen haben werde.

Das Argument der Glashaus-Gegner, es würden größtenteils Billigjobs für ungarische Arbeiter geschaffen und es würde keine Wertschöpfung für die Stadt daraus resultieren, lässt Niessl nicht gelten.

Er zitiert eine Kaufkraftstudie, die besagt dass 100 Millionen Euro von Ungarn in Österreich ausgegeben werden, dagegen nur 30 Millionen von Österreichern in Ungarn. „Wer in Österreich sein Geld verdient, gibt auch viel davon im Land aus“, sagt er. Außerdem würden jährlich 100.000 Euro an Kommunalsteuern in die Gemeindekasse fließen.

80 Arbeitsplätze würden entstehen

Etwa 80 Arbeitsplätze würden durch das 14 Hektar große Glashaus entstehen, darunter auch rund zehn höher bezahlte Stellen in der Verwaltung. Gebaut soll zwischen Podersdorf und Frauenkirchen werden.

Kritiker geben zu bedenken, dass das Projekt in einem Wasserschongebiet und im Gebiet eines Unesco-Weltkulturerbes gebaut werden soll. Bürgermeister Josef Ziniel:„Das Grundstück liegt nicht einmal in der Pufferzone des Weltkulturerbes.“ Der Bau würde die Stellung der Region als Weltkulturerbe demnach nicht gefährden.

Außerdem seien im Vorfeld sechzehn Gutachten, darunter auch ein Umweltbericht, eingeholt worden, die die Unbedenklichkeit der Umwidmung des Gebietes in „Grünland-Gewächshaus“ feststellten.