Philosoph und Pensionist: Doktorat mit 71 Jahren!. Rudolf Schneider beweist, dass auch im fortgeschrittenen Alter geistige Höchstleistungen möglich sind.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 21. Dezember 2017 (05:00)
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Mit Auszeichnung. Der Pensionist Rudolf Schneider schloss nun sein Doktoratsstudium ab.
zVg

Seit einigen Wochen darf der Frauenkirchener Rudolf Schneider seiner Unterschrift ein „Dr.“ davor setzen.

"Immer noch geistig fit"

Das Besondere daran: Seine Dissertation, die ihn dazu berechtigt, schloss er mit 71 Jahren ab. Was als Hobby in der Pension begann, beendete er nun mit Auszeichnung. „Für mich ist das eine große Freude und eine Genugtuung, weil es beweist, dass ich in meinem Alter immer noch geistig fit bin“, erzählt Schneider im BVZ-Interview.

Nach mehr als 45 Jahren drückte der langjährige Lehrer am Pannoneum Neusiedl am See noch einmal selbst die Schulbank in der Universität Wien. „Mein ganzes Leben lang habe ich mich mit Philosophie beschäftigt. Ich wollte gerne etwas Sinnvolles in der Pension machen. Deshalb habe ich mich für das Doktoratsstudium inskribiert“, erklärt Schneider seine Beweggründe.

"Ich wollte gerne etwas Sinnvolles in der Pension machen. Deshalb habe ich mich für das Doktoratsstudium inskribiert“

Der Titel seiner mit „Sehr gut“ beurteilten Dissertation lautet „Das Ich als Konstrukt und Illusion“. Darin wendet sich Schneider gegen die von vielen Hirnforschern und Neurophilosophen vertretene These, unser Ich-Bewusstsein sei nur eine vom Gehirn konstruierte Illusion. Nicht wir, sondern das Gehirn entscheide eigentlich über unser Denken und Handeln.

Schneider vertritt in seiner Doktorarbeit dagegen den Standpunkt, das Gehirn sei zwar eine dafür unbedingt erforderliche Voraussetzung. Trotzdem lasse sich der Mensch nicht auf sein Gehirn reduzieren, sondern nur dem Menschen in seiner Gesamtheit seien all die Leistungen und Möglichkeiten gegeben, die das Wesen des Menschen ausmachen.

Auf jeden Fall ist der nunmehrige Dr. Schneider ein Beweis dafür, dass man auch im fortgeschrittenen Alter von 71 Jahren zu ausgezeichneten geistigen Leistungen befähigt sein kann.