SeneCura reagiert auf Vorwürfe. Im Fall SeneCura und möglicher Missstände ist die Geschäftsleitung um Aussprache und Aufklärung bemüht.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 05. September 2018 (08:34)
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Zusammenarbeit. Markus Schwarz, Elisabeth Janeba und Romana Adlmannseder mit den Klienten vor Ort.
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Vor zwei Wochen berichtete die BVZ nach Aussagen eines Insiders über mögliche Missstände im SeneCura Sozialzentrum, woraufhin unverzüglich das Dementi vonseiten der Direktionsleitung folgte. Nun haben sich weitere Informanten an die Redaktion gewandt, die die Aussagen des Insiders bestätigen. Im Rahmen eines Lokalaugenscheins der BVZ versucht Markus Schwarz von der Geschäftsleitung die Anschuldigungen zu entkräften.

Wirbel zieht weiter Kreise

Der Wirbel um SeneCura zieht weiter Kreise. In Leserbriefen an die BVZ heißt es, dass weitere Einrichtungen des Unternehmens von erheblichen Missständen gezeichnet sein sollen. Und obwohl die Vorwürfe von voneinander unabhängigen Informanten stammen, spielen zwei erhebliche Faktoren dabei stets eine bedeutende Rolle: das Geld und die Belegschaft.

„Ich bin froh, dass sich endlich jemand gefunden hat, um die Missstände aufzuzeigen. Es ist nur die Spitze des Eisbergs“, heißt es in einem Leserbrief. Rein gewinnorientiert soll SeneCura ausgerichtet sein, die Würde der Klienten nicht pflichtgemäß respektiert werden, berichten weitere Informanten.

„Die Klienten im Pflegeheim werden bereits um 15 Uhr in ihren Pyjama gesteckt und stundenlang sich selbst überlassen. Der Personalschlüssel ist viel zu niedrig, die Betreuer sind überfordert“, schreibt ein Leser. Von mangelnder Hygiene und schlecht ausgebildetem Personal ist die Rede, auch Beschwerden über die finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung häufen sich.

Entgegenkommen der Geschäftsleitung

Aufgrund der Reaktionen hat die BVZ im Rahmen eines Lokalaugenscheins mit Markus Schwarz von der Geschäftsleitung, der pädagogischen Leiterin Elisabeth Janeba sowie der klinischen Psychologin Romana Adlmannseder über die Anschuldigungen gesprochen.

Dass SeneCura gewinnorientiert arbeitet, bestreitet niemand, über die Vorwürfe ist man dennoch verwundert. „Wir nehmen eine Zielgruppenveränderung wahr. Die Bedürfnisse der Menschen sind unterschiedlich. Konfliktpotential ist da, zu Übergriffen kam es jedoch nie. Und seit einem Vorfall und der darauffolgenden Kündigung zweier Mitarbeiter wird noch genauer kontrolliert. Auch wir sind nicht perfekt, aber bemüht, daran zu arbeiten.

Bei Konflikten jeder Art können sich Mitarbeiter, Klienten und Angehörige an die Betreuungspersonen, den Beschwerdebriefkasten oder die Zentrale wenden. Gewalt fängt für uns bei der Vernachlässigung von Menschen an, dennoch sollte man SeneCura nicht mit einem Hotel vergleichen. Die uns anvertrauten Personen sollen ihren Alltag so weit wie möglich selbstständig bewältigen“, erläutert Markus Schwarz.

Der Personalschlüssel sei in Absprache mit der Landesregierung gesetzt worden, eine Erhöhung sei nicht erforderlich, heißt es weiters. Auch hinsichtlich der finanziellen Unterstützung berichtet Schwarz, dass SeneCura lediglich einen Tagsatz von unter 100 Euro pro Klient vom Land erhalte, Förderungen im Rahmen der Familienbeihilfe sowie der Beschluss des monatlichen Taschengeldes seien Landessache.