Ungültige Fahrkarte: „Sehe das als Pensionistenfalle“. Johann B. ist selbst 66 Jahre alt und möchte vor allem andere Pensionisten informieren sowie aufrufen, beim Ticketkauf vorsichtiger zu sein.

Von Saskia Jahn. Erstellt am 21. März 2020 (05:46)
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Symbolbild
Michael Pfabigan

Im Rahmen der Aktion „Frag die BVZ“ erreichte uns ein Leserbrief von Johann B., der auf eine vermeintliche „Pensionistenfalle“ bei den ÖBB aufmerksam machen möchte. Die BVZ ging seinem Fall auf den Grund und fragte bei den Österreichischen Bundesbahnen nach.

„135 Euro Nachzahlung sind für mich als Pensionist sehr viel Geld“, stellt der 66-jährige Johann B. fest. „Ich melde Ihnen den Vorfall, damit Ihren Leserinnen und Lesern so etwas erspart bleibt.“

Der Vorfall ereignete sich am Freitag, dem 6. März. „An diesem Tag entschieden meine Gattin und ich uns kurzfristig, die schwer verletzte Schwester meiner Gattin im AKH-Wien zu besuchen“, erzählt der Pensionist.

Schnell kauften sie im Internet zwei Zugkarten von Neusiedl am See nach Wien. Dabei stieß er auf die sogenannte „Senioren-Vorteilskarte“.

„135 Euro Nachzahlung sind für mich als Pensionist sehr viel Geld“Johann B.

„Da ich 66 Jahre alt bin, gab ich, wie verlangt, das Alter ein und schon bekam ich für Hin- und Rückreise eine, meiner Meinung nach, Vorteilskarte für Senioren, die statt 24,10 Euro nur 16 Euro kostete“, schilderte der 66-Jährige seine Vorgehensweise. „Leider habe ich die Vorteilskarte für Senioren falsch interpretiert, ich dachte, es handelt sich bei dieser Karte um den Seniorenbonus.“

Im Zug wies eine Kontrolleurin die beiden schließlich darauf hin, dass man erst eine Vorteilskarte kaufen müsse, um eine Seniorenkarte beziehungsweise den Seniorenbonus zu erhalten. „Und genau das sehe ich als Pensionistenfalle, denn warum kann ich ohne dieser Vorteilskarte überhaupt den Seniorenbonus erwerben? Warum bekommt man nach Eingabe des Alters den Senioren-Rabatt, der ohne Vorteilskarte keiner ist?“

Die Kontrolleurin habe für seinen Fehler überhaupt kein Verständnis gezeigt und ihm mitgeteilt, dass er eine Strafe von 135 Euro zu zahlen habe. „Ich wurde behandelt wie ein Schwarzfahrer. Ich habe angeboten aufzuzahlen, eine neue Karte zu kaufen oder die 16 Euro Fahrkarte für die eine Fahrt zu verwenden, leider alles vergeblich“, so Johann B.

Unbeabsichtiges Schwarzfahren?

Vor allem ärgere ihm, dass er für die beiden Fahrten nun statt 23,60 Euro „27,80 Euro bezahlte, da ich mir für die Heimfahrt ein reguläres Ticket um 11,80 Euro kaufen musste. Und jetzt werde ich auch noch wegen Schwarzfahren abgestraft.“ Die Nachforderung von 135 Euro habe er noch nicht bezahlt, es werde ihm aber nichts anderes übrig bleiben, da er auf sein Ersuchen bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) noch keine Antwort erhalten habe.

Auf Anfrage der BVZ möchten die ÖBB vorweg festhalten, dass „jeder Fahrgast herzlich willkommen ist und jede Fahrgeldnachforderung bedauert wird. Es kann natürlich zu unbeabsichtigtem Schwarzfahren kommen. Die Frage ist jedoch: Wie lässt sich das für den Zugbegleiter überprüfen? Ausnahmen können daher leider nicht gemacht werden, da es für unsere Mitarbeiter nicht nachvollziehbar ist, ob ein Kunde tatsächlich einem Irrglauben unterlegen ist beziehungsweise aus Unwissenheit und nicht vorsätzlich gehandelt hat, oder ob dieses Vorgehen regelmäßig zur Anwendung kommt. Derartige Vorgehensweisen sind uns leider nicht unbekannt und öfter als nur einmal untergekommen“, erklärt der ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif.

Es sei darüber hinaus auch eine Verpflichtung den zahlenden Kunden beziehungsweise jenen, die alles korrekt erledigen, gegenüber, für gerechte Verhältnisse zu sorgen. Die Kontrollgebühr müsse insofern auch in ihrer Höhe angemessen sein, um das Schwarzfahren uninteressant zu machen. Bei Kundenbefragungen spreche sich auch eine überwältigende Mehrheit dafür aus, noch engagierter gegen Schwarzfahrer vorzugehen.

„Wir bitten Sie um Verständnis, dass sich unsere Mitarbeiter an die Bestimmungen halten müssen und die Regelungen für alle Kunden gleich zur Anwendung kommen“, betont Seif abschließend.