Frau gegen Willen festgehalten: „Ich wurde entführt“

Ein 21-jähriger Bulgare soll eine Frau gegen ihren Willen mitgenommen haben. In Nickelsdorf endete die Fahrt.

Erstellt am 06. Juni 2021 | 07:37
symbolbild entführung freiheitsentzug
Symbolbild
Foto: shutterstock.com/Motortion Films

Wegen des Vorwurfs der Freiheitsentziehung muss sich ein 21-jähriger bulgarischer Staatsbürger vor Gericht verantworten. Seine Reisebegleiterin war am 3. September 2020 am Grenzübergang Nickelsdorf voller Panik aus dem Auto des Mannes gesprungen und hatte sich zwei Beamtinnen anvertraut: Sie sei aus ihrer Heimat entführt worden.

Vor Gericht bekannte sich der Angeklagte nicht schuldig. Das 18-jährige Entführungsopfer sei in ihn verliebt gewesen. Die junge Frau sei freiwillig mit ihm mitgefahren, sie habe sich von ihrem älteren Freund, den sie nicht heiraten wollte, trennen und Bulgarien heimlich verlassen wollen.

Anders schilderte es die 18-Jährige: Der Angeklagte habe sie am 2. September 2020 unter einem Vorwand ins Auto gelockt und sei dann die weite Strecke bis nach Österreich praktisch durchgefahren.

„Sie wollten mich zur Prostitution zwingen“

„Er wollte mich zu seinen Verwandten nach Deutschland bringen“, erklärte die Bulgarin bei einer Videoeinvernahme in der Vorwoche. Eine Bekannte des Angeklagten und dessen Vater hätten sie zur Prostitution zwingen wollen. Der Angeklagte habe ihr während der Fahrt zwei Ohrfeigen verpasst, sie angeschrien und die Autotüren versperrt, um sie an der Flucht zu hindern.

„Warum baten sie bei den Grenzübergängen zu Rumänien und Ungarn nicht um Hilfe?“, fragte Richterin Birgit Falb. „Ich hatte große Angst. Es war das erste Mal, dass mich jemand entführt hat“, antwortete die Bulgarin.

Telefonieren habe sie nicht können, weil ihr Handy über kein Roaming verfügte. Als ihre Verwandten den 21-Jährigen anriefen, um sich nach der seit 24 Stunden abgängigen Frau zu erkundigen, habe er diese angelogen.

Flucht gelang im September 2020

Erst als das Auto am 3. September gegen 17.15 Uhr den Grenzübergang in Nickelsdorf passierte, sei es ihr gelungen, aus dem Auto auszusteigen, so die 18-Jährige. Das habe sie aber auch nur gewagt, weil sie dort zwei Beamtinnen stehen sah, denen sie sich anvertraute.

Der mutmaßliche Entführer wurde festgenommen und saß 14 Tage lang in Untersuchungshaft.

Zwischenzeitlich hält er sich wieder in Deutschland auf. Zum Verhandlungstermin in der Vorwoche erschien er nicht, er muss nun neuerlich vorgeladen werden. Der Prozess wurde vertagt.