Erwin Moser's bezaubernde Kinderbücher lesen

Erstellt am 11. Mai 2020 | 04:45
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Ruth Moser
Ruth Moser hält die Erinnerung an den Autor und Illustrator Erwin Moser hoch.
Foto: Moser
Die Ehefrau des verstorbenen Golser Kinder- und Jugendbuchautors Erwin Moser ist die „Verwalterin“ seiner humorvollen Geschichten, voller Harmonie und Geborgenheit.
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„Über der Erde braust der Sturm, unter der Erde haust Herr Wurm, hat Äpfel, Kerze und Roman, womit ihn nichts erschüttern kann.“ Diesen Reim postete Ruth Moser samt Illustration am ersten Tag der Corona-Ausgangsbeschränkungen und erntete dafür 1,1 Millionen Besuche ihrer Facebook-Seite. Der Reim, der so sehr in die Corona-Quarantänezeit passt, stammt von dem 2017 verstorbenen Kinderbuchautor Erwin Moser aus Gols. Seine Gattin Ruth hat es sich in den vergangenen Jahren zur Aufgabe gemacht, sein umfangreiches Werk – er schrieb und illustrierte über 100 Bücher – nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Eine Diagnose, die alles veränderte

Erwin Moser – gelernter Schriftsetzer – schrieb und illustrierte in seiner unnachahmlichen Weise seit 1980 sehr erfolgreich Kinder- und Jugendbücher. Geborgenheit, ein Zusammenleben in Harmonie und Freundschaft mit viel Fantasie, Humor und Liebe sind die Essenzen seiner Bücher. Und der Schauplatz ist fast immer das Burgenland.

2002 erhielt Erwin Moser die Diagnose ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems. Die Ärzte prophezeiten ihm eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren. Es wurden schließlich fast 16. 16 Jahre, in denen ihm seine Ehefrau beistand. „Nach der Diagnose haben wir uns einmal völlig zurückgezogen. Dann vergingen die Jahre, Erwin lebte und liebte das Leben“, erzählt Ruth Moser. Ein österreichischer Verleger meldete sich schließlich und wollte ein Original erstehen. Moser bot ihm ein Buch an und so wurde 2010 im österreichschen Residenz-Verlag „Das große Buch von Koko und Kiri“ wieder neu aufgelegt. „Das war der Startschuss. Unser Stammverlag, Beltz&Gelberg, legte dann die ‚Fantastischen Gute-Nacht-Geschichten’ wieder neu auf. Von da an erschienen jedes Jahr bei drei Verlagen drei bis vier Moser-Bücher.“

Die Neuauflagen koordinierte Ruth Moser. Für diese neue Aufgabe hängte sie ihren Beruf als Modedesignerin an den Nagel und legte ihr Atelier still: „Ich habe diesen Beruf immer sehr geliebt, aber jetzt brauchten mich mein Mann und sein Werk.“ In zehn Jahren wurden 45 Bücher und zwei Kalender wieder neu zusammengestellt und auf den Markt gebracht.

Moser, ein Tür- und Toröffner

„Das alles belebte meinen Mann sehr, es war jedes Mal ein Leuchten in seinen Augen, wenn wir ein druckfrisches Buch erhielten“, erinnert sich Moser mit Freude zurück. Die Arbeit mit den Verlagen sei für sie einfach, „aber auch nur, weil Erwin Moser–Bücher immer ein Garant für hohe Auflagen sind“, weiß Ruth Moser. Der Name Erwin Moser sei ein Tür- und Toröffner. Nicht nur bei Verlegern. „Auf Messen und Ausstellungen haben mich Leute umarmt und es nicht glauben können, dass sie vor Frau Moser stehen. Die Menschen haben mir erzählt, wie viele schöne Stunden sie mit ihren Kindern und den wundervollen Geschichten und Bildern von Erwin Moser gehabt haben.“

Die Zusammenarbeit des Ehepaars veränderte sich mit dem Fortschreiten der Krankheit des Autors: „Solange mein Mann noch sprechen konnte, war es einfach. Dann war eine Kommunikation nur mehr mit einer Buchstabentabelle, auf die ich zeigte, und mit den Augen möglich“, erzählt Ruth Moser im BVZ-Interview. Mit dieser Kommunikationsmethode entstand das letzte Buch des Golser Autors. „Billi, die Baummaus – Streifzüge eines mutigen Mäusemädchens“ sollte nach Wunsch des Schriftstellers erst nach seinem Tod erscheinen. 2020 war es soweit. Eine Präsentation des neuen Buches war für März im Erwin Moser Museum in Gols geplant. Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus musste die Veranstaltung allerdings abgesagt werden.

Die Zeit nach Erwin Mosers Tod war für seine Frau keine leichte. „Nach fast zwei Jahrzehnten in ununterbrochenem Stress leben, Schlafmangel, fast Dauerquarantäne habe ich nur sehr schwer in ein ‚normales‘ Leben gefunden. Nach 42 gemeinsamen Jahren fehlt er natürlich“, sagt Ruth Moser. Eine alte Mühle in Winden am See, die schon seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist, wurde nun zu ihrem Rückzugsort. „In den warmen Monaten bin ich nun doch noch eine Burgenländerin geworden“, lacht sie.

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