Abschied vom Parndorfer Café Gettinger naht. Eine Parndorfer Institution verabschiedet sich: Familie Gettinger wird demnächst ihr Café in der Hauptstraße zusperren.

Von Paul Haider. Erstellt am 27. März 2019 (05:55)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Parndorf Abschied vom Café Gettinger
Ein Leben hinter der „Budl“. Gottfried Gettinger arbeitet seit 1970 im Familienbetrieb. Den Beruf des Wirten hat er gelebt wie kaum ein Zweiter.
Paul Haider

Das Café Gettinger ist ein Lokal vom alten Schlag. Hier kommt man gerne zum Kartenspielen her, oder um in aller Ruhe seine Melange zu genießen und am Stammtisch die neuesten Neuigkeiten zu erfahren. Mit moderner Gastronomie hat das wenig zu tun, und genau das wissen die Gäste im Café Gettinger auch zu schätzen.

Doch der Abschied naht: Spätestens am 1. Oktober will Gottfried Gettinger die letzten Getränke in seinem Café servieren. Nachfolger sind nicht in Sicht. Seine zwei Töchter hätten „beide bessere Berufe“, scherzt der Wirt beim Besuch der BVZ.

Parndorf Abschied vom Café Gettinger
Familiär. Johanna und Gottfried Gettinger arbeiten seit Jahrzehnten im Schichtbetrieb. Foto: Haider
Paul Haider

Auch an einen Verkauf denkt Herr Gettinger nicht: „Es hat zwar Anfragen gegeben, aber ich will in der Pension meine Ruhe haben“, erklärt der Gastronom. Stattdessen will das Ehepaar Gettinger das Lokal in eine barrierefreie Wohnung umbauen - als Altersvorsorge. Das Gasthaus-Inventar wird verkauft.

„Es tut uns eh leid. Aber andererseits wollen wir unsere Pension genießen wie alle anderen auch“, sagt Johanna Gettinger. Seit Jahrzehnten führt sie das Café im Erdgeschoß des Wohnhauses mit ihrem Mann im Schichtbetrieb: Um 7.30 Uhr sperrt Frau Gettinger das Café auf, um 11 Uhr übernimmt der Herr Gemahl. Weitere Angestellte hatten die beiden nie.

„Nicht einmal in Parndorf, wo sich so viel tut, lässt sich diese Entwicklung stoppen“Bürgermeister Wolfgang Kovacs

Gottfried Gettinger hat überhaupt nie einen anderen Job gekannt. Schon als 17-Jähriger hat er mitgeholfen, als seine Eltern im Jahr 1970 das Café eröffnet haben. Seit der Vater 1985 in Pension gegangen ist, führt er den Betrieb mit seiner Gattin.

Dass jetzt bald Schluss sein soll, ist für viele Parndorfer ein schwerer Schlag. Nicht zuletzt, weil sich das Café als Stammlokal vieler Vereine etabliert hat.

Auch Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) ist einer der trauernden Stammgäste. Meist mehrmals pro Woche ist er im Café Gettinger anzutreffen. Im BVZ-Gespräch sagt er: „Jetzt ist es leider wieder so, dass ein klassischer Dorfwirt zusperrt. Nicht einmal in Parndorf, wo sich so viel tut, lässt sich diese Entwicklung stoppen. So etwas fehlt, und kann durch moderne Lokale nicht ersetzt werden. Dafür, dass ein Ehepaar einen Betrieb unter unheimlichem Aufwand so lange geführt hat, kann man sich nur bedanken. Es war immer gemütlich hier.“