„Theaterstadl“ vor dem Aus?

Im Gattendorfer Gemeinderat wurde ein Ansuchen des Theatervereins um Förderung abgelehnt. Für Obmann Robert Sinn ist die Zukunft der Laientheatergruppe jetzt ungewiss.

Paul Haider
Paul Haider Erstellt am 21. September 2018 | 05:00
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Fällt der letzte Vorhang? In Gattendorf ist eine Kontroverse über Kulturförderung für den örtlichen Theaterverein entbrannt.
Foto: Haider

In Gattendorf gehen die Wogen hoch: Zwischen dem örtlichen „Theaterstadl“ und der Gemeinde ist ein Streit um Fördergelder entbrannt.

Stein des Anstoßes sind kürzlich beschlossene Mietgebühren für Räumlichkeiten der Gemeinde. Diese bedeuten einen finanziellen Mehraufwand für den Theaterverein, der jedes Jahr ab Jänner im Keller der Volksschule probt und zur Osterzeit seine Vorstellungen im Turnsaal aufführt.

„Theaterstadl“-Obmann Robert Sinn hat daher einen Förderantrag gestellt, in dem eine „Maximal-Fördersumme“ von 7.800 Euro genannt wurde. Viele Gemeinderatsmitglieder sahen diese Summe als viel zu hoch an, der Antrag wurde mit den Stimmen der ÖVP, FPÖ und Liste Gattendorf abgelehnt.

Ein Gegenantrag der ÖVP, der eine deutlich niedrigere Fördersumme vorgesehen hätte, fand ebenfalls keine Zustimmung. „Die Anträge wurden abgelehnt, das heißt, der Theaterverein wird kein Geld von der Gemeinde bekommen. Das ist Tatsache“, bestätigt Bürgermeister Franz Vihanek (ÖVP) gegenüber der BVZ.

„Zudrehen oder andere Spielstätte suchen“

Theaterstadl-Obmann Robert Sinn empfindet die Gemeinderats-Entscheidung als Schlag ins Gesicht: „Wir haben in 19 Jahren erst zwei Mal um Förderung angesucht. Wir brauchen auch kein Geld von der Gemeinde, wir hätten nur die Saalmiete in Form einer Förderung zurückgewollt. Ich will nicht streiten, ich will nur Theater spielen. Aber wenn dem Bürgermeister die Kultur nichts wert ist, dann müssen wir zudrehen oder uns eine andere Spielstätte suchen. Es gibt Möglichkeiten in anderen Gemeinden.“

Für Robert Sinn wäre es vorstellbar, dass der „Theaterstadl“ eine Pauschalmiete für alle Proben und Vorstellungen in der Höhe von rund 1.500 Euro bezahlen könnte. Nach derzeitigem Stand wäre die Miete aber höher, wie Ortschef Vihanek ausführt: „Wir wären auf 2.600 Euro gekommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass in der Zeit, in der der Turnsaal nicht zu 100 Prozent genützt wird, nur ein Drittel der Kosten verrechnet wird. Es gibt ein Entgegenkommen der Gemeinde, man sollte nur nicht die sachliche Ebene verlassen. Und Drohungen tun niemandem gut.“

„Meine persönliche Meinung ist, dass gute Qualität auch in bescheidenem Rahmen möglich ist."Bürgermeister Franz Vihanek

Weiters legt der Bürgermeister dem Verein Einsparungen in anderen Bereichen nahe: „Meine persönliche Meinung ist, dass gute Qualität auch in bescheidenem Rahmen möglich ist. Es gibt große Häuser, die ein weitaus sporadischeres Bühnenbild haben als das Laientheater in unserer kleinen Gemeinde.“ Für Robert Sinn kommt das aber nicht in Frage. Er meint: „Wir bringen jedes Jahr 1.800 Besucher nach Gattendorf, die eine hohe Qualität von uns gewohnt sind. Diese Qualität lasse ich mir von niemandem zerstören, da höre ich vorher lieber auf.“

Die Fronten scheinen verhärtet, dennoch glaubt Franz Vihanek an eine positive Lösung des Konflikts: „Ich sehe keine großen Hindernisse und bin zuversichtlich, dass es nächstes Jahr zu Ostern eine Theatervorstellung in Gattendorf geben wird.“