Parndorf: Amtsleiter Lippert tritt nach 42 Jahren ab

Parndorfs Amtsleiter Otto Lippert tritt am 1. Dezember, in seinem 43. Dienstjahr, den Ruhestand an. Mit der BVZ hält er Rückschau auf vier turbulente Jahrzehnte.

Erstellt am 16. August 2020 | 05:13
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Eingespieltes Team. Die derzeitige Amtsleiter-Stellvertreterin Sigrid Kopp tritt im Dezember die Nachfolge von Otto Lippert an. Die beiden arbeiten am Gemeindeamt schon seit Jahren eng zusammen.
Foto: Haider

In den 70er-Jahren hat sich Otto Lippert seinen beruflichen Werdegang noch ganz anders vorgestellt, als es schlussendlich kommen sollte. Nach der AHS Matura und dem Präsenzdienst hegt der junge Parndorfer die Überlegung, sich zum Polizisten ausbilden zu lassen. „Ich wollte aber nicht nach Wien gehen“, erinnert sich Lippert im ausführlichen BVZ-Gespräch: „Durch einen befreundeten Gemeindevorstand habe ich dann erfahren, dass ein Job am Gemeindeamt frei wird.“

Und so nimmt Otto Lipperts Karriere ihren Lauf. Am 1. Juli 1978 tritt er seinen Dienst bei der Gemeinde Parndorf an: „1980 habe ich die Dienstprüfung gemacht. Danach wäre ich eigentlich auf Walz gegangen und hätte mich in einer anderen Ortschaft beworben.“

1981: Mit 23 Jahren plötzlich Amtsleiter

Doch es sollte anders kommen: Amtsleiter Franz Mramor verstirbt 1981 völlig unerwartet. Dessen Aufgabe übernimmt der damals erst 23-jährige Otto Lippert. Nun sieht er sich als junger Chef einer Belegschaft von älteren und erfahreneren Mitarbeitern gegenüber. Doch diese stehen ihm mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen ihren neuen Amtsleiter. „Ich bin mit den Herausforderungen mitgewachsen“, meint Otto Lippert im Rückblick auf 42 Jahre, in denen Parndorf von 2.300 auf 5.000 Einwohner angewachsen ist, und sich zum Wirtschaftsmotor der Region entwickelt hat. „Wir waren damals schon am Verkehrsknotenpunkt, es hat sich immer etwas bewegt. Eines der ersten Projekte, das ich begleitet habe, war 1978 die Eröffnung der Schnellbahnstation Parndorf Ort. Das war der Startschuss für die raketenhafte Entwicklung von Parndorf.“

Ab den 1980er Jahren hebt die „Rakete Parndorf“ dann so richtig ab. Damit werden auch die Aufgaben des Amtsleiters vielfältiger: Aktenberge häufen sich auf den Schreibtischen der Gemeindeverwaltung. Otto Lippert und sein Team stellen sich der Herausforderung. „Wenn du deinen Job nicht gern machst, dann schaffst du das nicht“, blickt der erfahrene Beamte auf eine Zeit des Umbruchs und der Erneuerung zurück.

Hier nur eine kleine Auswahl der „Meilensteine“ für Parndorf, die in die 42 Amtsjahre von Otto Lippert fallen: Die Ansiedelung der Firma Pioneer (1982), die große Wohnbau-Erschließungszeit der 70er- und 80er-Jahre, die Eröffnung der A4-Ostautobahn (1994), der Bau des McArthurGlen Designer Outlets (1998) und die Errichtung des Parndorfer Windparks (2003).

„Als Amtsleiter bist du der Krampus der Gemeinde. Wir sind die, die dem Bürgermeister erklären müssen: So geht’s nicht.“ Lippert: Dem Amtsleiter fallen oft undankbare Aufgaben zu

Für den beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieg Parndorfs sei auch viel Glück und der richtige Riecher von politischen Entscheidungsträgern von großer Bedeutung gewesen, meint Otto Lippert. Ohne die motivierte Arbeit einer engagierten Gemeindeverwaltung wäre die Umsetzung all dieser Projekte aber nur schwer möglich gewesen.

Ein wesentlicher Faktor für das Funktionieren einer Gemeinde ist eine gute Kooperation zwischen Bürgermeister und Amtsleiter. Otto Lippert hat in seinen vier Dienstjahrzehnten mit fünf verschiedenen Ortschefs zusammengearbeitet. Die Beziehung zwischen Bürgermeister und Amtsleiter beschreibt er mit einer Prise Humor: „Es ist ein bisschen wie eine Zwangsehe, da gibt es schon Konfliktpotenzial. Ich glaube, dass unser Job irrsinnig unterschätzt wird. Als Amtsleiter bist du manchmal der Krampus der Gemeinde. Wir sind die, die dem Bürgermeister erklären müssen: So geht’s nicht.“

In Otto Lipperts Zeit als Amtsleiter fällt auch die größte Tragödie der jüngeren Geschichte Parndorfs: Nachdem am 27. August 2015 71 tote Flüchtlinge in einem Lkw auf einem Pannenstreifen der A4 aufgefunden werden, fällt der Gemeinde die Aufgabe zu, die Identifikation und Heimbringung, oder Beisetzung der Leichname zur organisieren. „Ich war in ganz engem Kontakt mit der irakisch-kurdischen Botschaft, dem Landeskriminalamt und dem Zentralfriedhof. Das war eine sehr intensive Erfahrung. Da haben wir angefangen zu verstehen, wie das Schlepperwesen funktioniert und was da passiert. Da habe ich sehr traurige menschliche Schicksale kennengelernt“, erinnert sich Otto Lippert an das dramatischste Kapitel seiner Zeit im Amt.

Nach 42 außergewöhnlich fordernden Dienstjahren freut sich der allseits beliebte Amtsleiter nun, dass er vom Land Burgenland die Zustimmung für den frühzeitigen Ruhestand bekommen hat.

Wobei er selbst lieber von einem „Jobwechsel“ als von einer Pensionierung spricht: „Im neuen Job wird meine Frau meine zukünftige Chefin sein“, lacht der 62-Jährige. „Ich freue mich aufs Freisein, und dass ich aus der Hüfte heraus entscheiden kann.“

In den kommenden Jahren will er sich viel dem Sport widmen. Aber auch der Gemeinde Parndorf wird er weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Otto Lipperts Nachfolgerin steht übrigens schon fest: In der Gemeinderatssitzung vom 6. August wurde Lipperts langjährige Kollegin und seit März 2019 dessen Stellvertreterin Sigrid Kopp zur neuen Amtsleiterin gewählt. Insgesamt hat es sieben Bewerber für die Stelle gegeben.