Seewinkel: Messerstiche am Feld. Erntehelfer begannen während der Zwiebelernte im Seewinkel zu raufen. Drei ungarische Staatsbürger wurden wegen Körperverletzung angeklagt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. März 2021 (04:33)
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Blutig hatte ein Streit zwischen Erntearbeitern am 19. Mai 2020 auf einem Zwiebelfeld im Seewinkel geendet. Drei Ungarn wurden wegen (schwerer) Körperverletzung angeklagt.

Zwei Brüder aus Ungarn, die auf dem Feld als Erntehelfer beschäftigt waren, sollen an diesem Tag mit Messern auf einen Kontrahenten losgegangen sein.

Ein Freund der Brüder soll die Frau des Opfers mit einer Erntekiste attackiert und diese mit Füßen getreten haben, als sie zu Boden gegangen war.

Vor Richterin Birgit Falb bekannten sich die beiden Brüder in der Vorwoche am Landesgericht Eisenstadt nicht schuldig. Zugestochen habe der Drittangeklagte, ihr Freund. Sie hätten von dem Vorfall am Feld gar nichts bemerkt.

Dem widersprach jenes Ehepaar, das bei dem Streit am Feld verletzt worden war. Die Brüder hätten zunächst mit Erntekisten auf den Mann eingeschlagen. Dann hätten beide ihre Messer gezückt und seien auf das Opfer losgegangen.

Der Erntehelfer soll durch die Attacken des 19-jährigen Erstangeklagten eine Stich- und eine Schnittverletzung erlitten haben. Die Messerstiche seines älteren Bruders seien ins Leere gegangen.

Angeklagte sprachen von Schutzgeld-Zahlung

Alle drei Angeklagten behaupteten, Grund des Streits sei eine Erhöhung der monatlichen Schutzgeldzahlungen an einen „Gruppenleiter“ von 50 auf 100 Euro gewesen. Das spätere Opfer habe sie als „geldgierig“ bezeichnet und ihnen vorgeworfen, dass sie nicht „ehrerbietig“ seien, gaben die Angeklagten an.

Das Ehepaar schilderte die Situation anders. Es sei gar nicht ums Geld gegangen, die Angeklagten hätten vielmehr bereits am Vormittag dieses Tages „provoziert“. Zu der Messerstecherei war es dann kurz nach der Mittagspause gekommen.

Unter den Erntehelfern war das Gerücht in Umlauf geraten, dass die Brüder ihren Freund aufgefordert hätten, die Schuld auf sich zu nehmen, weil er ihnen viel zu verdanken habe: Er sei als Waise in einem Kinderheim aufgewachsen und habe bei der Familie der Brüder ein neues Zuhause gefunden.

Der Drittangeklagte blieb bei seiner Version. Der andere Erntehelfer habe ihm mit dem Ellbogen die Kehle zugedrückt und gedroht, ihn umzubringen. Da habe er sich in Todesangst an das Messer erinnert, das er beim Mittagessen zum Salami-Schneiden verwendet hatte, dieses aus der Hose gezogen und zugestochen, um sich zu befreien.

Mit den Verletzungen, die die Frau erlitten hatte, habe er gar nichts zu tun.

Die Richterin wies darauf hin, dass die Aussage des Drittangeklagten unglaubwürdig und „wie auswendig gelernt“ klinge.

Der Prozess wurde vertagt, weil weitere Zeugen geladen werden sollen.