Langwierige Suche nach Medizinern für Bezirk Neusiedl. Dislozierte Ambulanz als Übergangslösung für Gattendorf und zwei Bewerbungen für Frauenkirchen als Lichtblick.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 01. April 2021 (11:22)
Das Berufsbild des Landarztes als Traumberuf hat schon längst ausgedient.
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Un-glaubliche 13 Mal wurde die Kassenstelle für eine Allgemeinmeinmedizinerin oder einen Allgemeinmediziner in Gattendorf bereits ausgeschrieben – ohne Erfolg. Noch immer wurde keine Nachfolge für die Kassenstelle von Dr. Klaus Derks – der jetzt noch als Wahlarzt tätig ist – gefunden.

Die Ankündigungen der Pläne für dislozierte Ambulanzen (siehe Infobox) von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl wurden in Gattendorf dementsprechend mit Freude aufgenommen. Laut Gemeindevorstand Thomas Ranits (ÖVP) werden aktuell Gespräche mit den zuständigen Stellen avisiert. Laut Ranits gebe es die Möglichkeit, eine Arztpraxis entweder in einer leer stehenden Wohnung im Gemeindeamt unterzubringen oder diese in einer möglichen nächsten Ausbaustufe des örtlichen Seniorentageszentrums einzuplanen. „Vielleicht wäre es auch ein Anreiz, mit einer Primärversorgungseinheit einen Zusammenschluss von mehreren Ärzten zu erreichen“, schildert Ranits die derzeitigen Überlegungen in Gattendorf.

Scharfe Kritik an den Plänen für die dislozierten Ambulanzen kommt von der Burgenländischen Ärztekammer. Direktor Thomas Bauer beklagt auf BVZ-Anfrage, dass alleine im Bereich der KRAGES circa 50 Arztstellen unbesetzt seien: „Wenn man nun aus den Spitälern heraus die niedergelassenen Stellen besetzen soll, werden dort nur noch mehr Löcher aufgerissen. In Kittsee sind zum Beispiel momentan ein Arzt für Allgemeinmedizin und sechs Fachärzte und Assistenzärzte, die auch ihre Ausbildung zum Allgemeinmediziner abgeschlossen haben, tätig“, so Bauer.

Um das medizinische Angebot in der Region aufrechtzuerhalten, „verlängern“ niedergelassene Ärzte immer wieder ihre Kassenverträge vor ihrer Pensionierung, wenn Bewerbungen ausbleiben. So praktiziert etwa der Apetloner Hausarzt Dr. Wolfgang Denk noch bis Jahresende weiter. Seit September 2020 ist die Planstelle in der Seewinkelgemeinde ausgeschrieben. Bewerbungen gibt es noch nicht.

Auch die Neusiedler Dermatologin Dr. Helga Perger-Markl hat ihre Praxis für Haut- und Geschlechtskrankheiten länger weitergeführt als ursprünglich geplant und behielt ihre Verträge mit den bundesweiten Versicherungsträgern (SVS, BVAEB, KFA). Laut Informationen aus der Burgenländischen Ärztekammer ist die Kassenstelle nun allerdings wieder ausgeschrieben, weil Dr. Perger-Markl ihre Ordinationstätigkeit nun Ende Juni zur Gänze beenden wird.

Eine schnelle Nachbesetzung wäre wohl ein Glücksfall, denn Fachärzte sind für den niedergelassenen Bereich genauso schwierig zu finden wie Allgemeinmediziner. Die Problematik kennt man im Bezirk vor allem im pädiatrischen Bereich. Bereits seit Jänner 2019 ist man auf der Suche nach einer Fachärztin oder einem Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. Für diese zweite Planstelle im Neusiedler Bezirk wurde 2018 parteiübergreifend per Petition gekämpft. Darauf machten nun ÖVP-Klubobmann Markus Ulram und ÖVP-Landtagsabgeordneter Gerald Handig wieder aufmerksam: Für über 8.000 Kinder stehe im Bezirk Neusiedl am See nur ein Kinderarzt mit Kassenstelle zur Verfügung. Es brauche mehr Engagement, um einen zusätzlichen Kinderarzt für unseren Bezirk zu finden, heißt es in einer Aussendung.

Frauenkirchen: Kinderärztin beworben

Auf Nachfrage in der Burgenländischen Ärztekammer konnte die BVZ in Erfahrung bringen, dass in dieser Angelegenheit nun aber Bewegung ins Spiel kommt: „Es gibt eine Bewerberin, die voraussichtlich am 1. Juli ihre Stelle in Frauenkirchen antreten wird“, sagt Kammeramtsdirektor Thomas Bauer. Selbes gelte auch für die dort frei gewordene Kassenstelle für Allgemeinmedizin. Letztere könnte somit ungewöhnlich schnell nachbesetzt werden. Dr. Peter Forster verabschiedete sich erst im Herbst des Vorjahres in die Pension.

Bildungslandesrätin Daniela Winkler aus Frauenkirchen und Bürgermeister Josef Ziniel stehen bereits seit längerem mit der Kinderärztin in Kontakt. Gemeinsam wurde bereits eine Immobilie besichtigt, die als künftiger Standort für die Ordination dienen soll.

Das Land Burgenland hat zuletzt einige neue Anreize gesetzt, um Mediziner für das Burgenland zu begeistern. Trotzdem ist die Nachbesetzung offener Kassenstellen immer noch ein langwieriger Prozess.

Warum ist das so? „Die Situation ist leider in allen Bundesländern gleich, es sind zig Kassenstellen unbesetzt. Die burgenländischen Maßnahmen wie Landarztförderung bewegen sicherlich den einen oder anderen zu uns ins Burgenland und sind insofern gut, dennoch gibt es schlichtweg österreichweit zu wenig Interessenten“, erklärt Thomas Bauer.

Die Rahmenbedingungen wie Arbeitszeiten und Honorare seien für die burgenländischen Vertragsärzte trotz einer zentralen ÖGK (Österreichischen Gesundheitskasse) nach wie vor im Verhältnis zu Restösterreich schlecht. „Insbesondere zu den angrenzenden Bundesländern, mit welchen wir im unmittelbaren Wettbewerb um nachfolgewillige Ärzte stehen“, betont Bauer, „nachdem sich die niederlassungswilligen Ärzte mittlerweile ihre Stellen aussuchen können, ist es umso schwieriger, Ärzte ins Burgenland zu bewegen.“