Hanf-Produkte bleiben vorerst im Handel. Unsicherheit nach Erlass von Ministerin Hartinger-Klein betreffend Produkte aus der Cannabis-Pflanze.

Von Bettina Deutsch und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 19. Dezember 2018 (04:09)
BioBloom GmbH
Ambitioniert. Elisabeth Denk, Geschäftsführerin der Bloom GmbH, versucht, verunsicherte Kunden zu beruhigen.

Ein Erlass der Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) sorgt derzeit für Verunsicherung unter Konsumenten sowie Produzenten und Händlern von CBD-Produkten. Die boomenden Nahrungsergänzungsmittel aus der Cannabis-Pflanze dürften demnach nicht mehr verkauft werden, außer in Apotheken mit einem Rezept vom Arzt.

Auch im Neusiedler Bezirk ist man sich noch nicht im Klaren, welche Folgen der Erlass mit sich bringt. Die BVZ hat bei Produzenten und Händlern in Apetlon und Gols nachgefragt.

"Dürfen Kunden nun weniger klar informieren"

„Der Erlass der Gesundheitsministerin zu CBD-Produkten von Anfang Dezember hat natürlich auch bei BioBloom für Unsicherheit gesorgt. Unsere Produkte sind weiterhin legal und frei erhältlich, allerdings werden unsere CBD-Hanfextrakte nach eingehenden Beratungen mit unseren Rechtsvertretern nun anders deklariert. Leider bedeutet der Erlass auch, dass wir unsere Kunden nun weniger klar informieren dürfen. Das ist sehr bedauerlich, weil wir so viel Zuspruch von Kunden und Kundinnen mit teils ernsten Beschwerden erhalten, die unsere Hanfextrakte auch vom Arzt verordnet bekommen“, berichtet Elisabeth Denk, Geschäftsführerin der BioBloom GmbH in Apetlon.

In den vergangenen Tagen seien zahlreiche Anrufe bei BioBloom eingegangen. Die Kunden würden befürchten, zukünftig keine CBD-Produkte mehr zu bekommen.

CBD ist ein Bestandteil von Cannabis, der nicht berauschend wirkt. Vor allem Schmerzpatienten vertrauen auf CBD-Produkte, die in Form von Tee, Ölen, Hanfnüssen oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln auf dem Markt sind. Neuerdings wird CBD auch in Lebensmittel wie etwa Süßwaren eingesetzt.

Andrea Bamacher: „Wir können unsere Kunden und Partner beruhigen"

Laut einer Aussendung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz fallen diese Produkte unter die „Novel-Food“ (Neuartige Lebensmittel)- Verordnung der EU und dürfen nicht in Verkehr gebracht werden.

zVg
Abwartend. Andrea Bamacher, Geschäftsführerin der Deep Nature Projekt GmbH in Gols wartet auf Infos der Behörden.

Im Unternehmen Deep Nature Projekt, das erst im Sommer dieses Jahres in der Golser Produktionsstätte seinen Verkaufs-Shop eröffnet hat, gibt man sich noch gelassen. Bis dato hätte man von den Behörden weder eine offizielle Information noch eine Handlungsaufforderung erhalten. Daher sehe man aktuell auch keinen Handlungsbedarf, lässt Geschäftsführerin Andrea Bamacher auf BVZ-Anfrage wissen: „Wir können unsere Kunden und Partner beruhigen. Wir arbeiten seit Jahren in enger Zusammenarbeit mit Lebensmittel-Experten und Gutachtern, um die Sicherheit unserer Produkte zu gewährleisten. Alle unsere Bio-Hanf-Extrakte haben ein Verkehrsfähigkeitszeugnis, das auf den Richtlinien der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) basiert und europaweit gültig ist."

Ihre MediHemp-Produkte würden nicht unter die Novel-Food-Verordnung fallen, ist sich die Unternehmerin sicher.

Im Jänner soll es Gespräche über die weiteren Schritte geben, wurde Bamacher auf Anfrage in der Landesregierung mitgeteilt.