Tag der gesunden Ernährung: „Sind auf ,süß‘ getrimmt“

Das Burgenland zeichnet sich durch ausgezeichnete Lebensmittel aus, bei der Ernährung ist aber Nachholbedarf. Eine Diätologin und eine Bloggerin zeigen, wie.

Erstellt am 07. März 2020 | 06:10
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Influencerin Melanie Zechmeister aus Gols setzt auf regionale und saisonale Zutaten, wenn möglich aus biologischem Anbau. In ihrem Lifestyle-Blog will sie zu einem bewussteren Lebensstil inspirieren.
Foto: Barbara Amon

Am 7. März ist der Internationale Tag der gesunden Ernährung. Das ist leider ein Datum, an dem sich die Österreicher und vor allem Burgenländer ein paar unangenehme Statistiken gefallen lassen müssen. Laut UNO-Nahrungsmittelagentur nehmen weltweit nur die US-Amerikaner mehr Kalorien zu sich als die Österreicher (3.750). Im Bundesvergleich ist die Fettleibigkeitsrate im Burgenland mit fast 30 Prozent am höchsten.

„Das Burgenland bietet alles, was wir brauchen“

Die Diätologin des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt Manuela Korntheuer berät Patienten, die genau diese ungesunde Ernährung ändern wollen. Die Frage, was denn eigentlich „gesunde Ernährung“ sei, ist von vielen Faktoren abhängig. Generell bestehe eine gesunde Woche aber aus maximal zwei bis drei Mahlzeiten Fleisch und mindestens einer Fisch-Mahlzeit.

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Ernährungspyramide. „Unten sollte eigentlich ,Bewegung‘ stehen“, so Diätologin Manuela Korntheuer.
Gesundheitsministerium

Wichtig: einheimischer Fisch! Er enthält genau gleich viel Omega3 wie Meeresfische, kommt aber ohne lange Transportwege aus. Obst und Gemüse sollte sich mindestens zweimal täglich ausgehen. Sogar Fast Food (Pizza, Kebap, Burger) ist einmal die Woche drin. Diese Österreichische Ernährungspyramide lässt sich eben entsprechend abändern: Auf Fleisch oder Kohlenhydrate zu verzichten, sei generell kein Problem, hier gelte, auf den „Körper zu hören“, was einem guttut. Ernährungstrends, nimmt es Korntheuer gelassen, kommen und gehen wieder.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle gesunden Nahrungsmittel „im Hier und Jetzt“ vorhanden sind, so Korntheuer: „Das Burgenland bietet uns alles, was wir brauchen. Wir bräuchten eigentlich nichts importieren. Das hat mehr mit Luxus als mit Notwendigkeit zu tun“, erklärt sie.

Familie als Grundstein für künftige Ernährung

Wie können Eltern ihren Kindern nun gesundes Essen näherbringen? „Das beginnt schon von Anfang an. Und zwar schon im Mutterleib. Das Fruchtwasser verändert sich, je nachdem was die Mutter zu sich nimmt“, erklärt Korntheuer auch in einem Seminar angehenden Müttern. „Generell sind wir evolutionär in diese Richtung süß getrimmt: erst durchs Fruchtwasser, dann durch die Muttermilch.“

Auch danach geht es weiter: Wer mit seinen Kinder selber kocht und sich Zeit zum Essen nimmt, schützt sie eher vor dem Übergewicht. Wer eilig neben dem Fernseher konsumiert, erzieht sie zu Fast Food-Konsum.

Die Familie ist „der Grundstein für die Ernährung“, daneben gibt es aber noch andere Faktoren. Und hier sieht Korntheuer einen positiven Trend: „Gerade Jugendliche beginnen durch Influencer in den sozialen Medien, das Essen wieder zu zelebrieren. Ich habe selbst eine 15-jährige Tochter und staune, wie die oft aufkocht.“

Inspiration für bewussteren Lebensstil

Eine solche Influencerin ist Melanie Zechmeister aus Gols. Sie möchte mit ihren Postings Menschen zu einem bewussteren Lebensstil inspirieren. Gesunde Ernährung steht dabei ganz oben: „In erster Linie ist mir Saisonalität und Regionalität wichtig, wenn möglich auch bio. Unsere Region bietet alles, was unser Körper in der jeweiligen Saison braucht und vieles können wir schon im Sommer auf Vorrat einkochen beziehungsweise einmachen. So haben wir ganzes Jahr die Möglichkeit, gut, gesund und ausgewogen zu essen. Außerdem schmeckt sonnengereiftes Obst und Gemüse einfach um hundert Mal besser als importiertes oder im Glashaus gezüchtetes.“

In ihrem Blog namens „Mundwerk“ gibt sie viele Tipps und Tricks zum Selbermachen wie Einkochen, Einlegen oder Fermentieren. Seit einigen Jahren backt sie auch Brot und Gebäck mit Natursauerteig. „Ich freue mich jedes Mal, wenn ich andere für einen gesunden, vor allem für einen regionalen und saisonalen Ernährungsstil inspirieren kann.“ Mit ihren Tipps will sie all jene ansprechen, die sich für einen bewussten Lebensstil und Umgang mit unseren Ressourcen interessieren.