Ukraine-Krieg: Illmitzer als Fluchthelfer

Erstellt am 10. März 2022 | 05:51
Lesezeit: 3 Min
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Paul Gabriel holte Oksana Kotyk und ihre beiden SöhneDaniel und Maxi von der ungarischen Grenze ab und bot ihnen Unterkunft und Verpflegung in Illmitz.
Foto: Zwinger
Oksana Kotyk konnte mithilfe von Paul Gabriel aus dem Westen der Ukraine nach Illmitz fliehen.
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Als in den frühen Morgenstunden des 24. Februars Russlands Angriffskrieg in der Ukraine begann, wurden Oksana Kotyk und ihre beiden Söhne im Volksschulalter, Daniel und Maxi, von fallenden Bomben geweckt. „Mama, Mama, da draußen brennt alles!“, rief einer ihrer Söhne beim Blick aus dem Fenster. Als sie ihren Mann, der geschäftlich in Kiew war, anrief, um ihm davon zu erzählen, antwortete dieser: „Ich weiß, bei uns wird schon bombardiert“. Am Samstag versuchte Oksana dann, mit ihren beiden Söhnen nach Polen zu fliehen.

Allerdings kam sie aufgrund des riesigen Staus an der Grenze die ganze Nacht hindurch keine 20 Kilometer weit.

Unüberwindbarer Stau zur polnischen Grenze

Laut ihrer Angaben gab es auch Busse, die die Menschen bis zum Beginn des Staus brachten, wonach sie die 40 Kilometer bis zur Grenze zu Fuß zurücklegen konnten. Überall standen herrenlose Koffer, die aus Kräftemangel von ihren fliehenden Besitzern zurückgelassen wurden. Im Angesicht der voraussichtlichen weiteren 20 Stunden Wartezeit an der Grenze, der klirrend kalten Nacht und ihrer beiden weinenden Kinder entschloss sie sich, noch einmal kehrtzumachen und ihr Glück ein andermal zu versuchen. Am Sonntag meldete sich schließlich Paul Gabriel, der Oksana bereits über seine Schwägerin in Amerika kannte. Gabriel holte Oksana und ihre beiden Kinder schließlich von der ukrainisch-ungarischen Grenze ab.

„Ich bin gespannt, wieviele Strafmandate ich bekomme“, lächelt er im Nachhinein ob des Tempos, mit dem er schließlich vor Ort sein musste. Seine Frau und er boten der Familie vorbehaltlos Unterkunft und Verpflegung in ihrem Haus in Illmitz an. Paul Gabriel ist Mitglied des Service-Clubs Kiwanis Neusiedl, der viele Jahren Verbindung in die Ukraine pflegte. Der Club organisiert etwa für ukrainische Waisenkinder Ferienwochen im Bezirk. Die momentane Situation vor Ort kann Gabriel kaum fassen. „Die Erzählungen Oksanas sind für uns unvorstellbar.“

Für die ukrainische Familie bleibt Illmitz eine Zwischenstation, die wohl immer in guter Erinnerung bleiben wird. Am Dienstag ging es weiter nach Deutschland, wo Oksana einen Job und ein Haus für ihre Familie gefunden hat.

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