Bruckneudorf: Antiker Friedhof neben A4 freigelegt. Neben der Autobahn wurden mehr als hundert antike Gräber entdeckt. Zum Teil inklusive Skelette und Grabbeigaben.

Von Otto Havelka. Erstellt am 26. November 2020 (04:34)
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Direkt neben der A4, wo nahezu im Minutentakt die Laster vorbeifahren, legten Archäologen die Ruhestätten von Menschen aus der Spätantike frei.
Otto Havelka

Seit Wochen buddelt Grabungsleiter Jaroslaw Czubak und sein Team im Auftrag der Asfinag im Erdreich neben der A4 zwischen Bruckneudorf und Parndorf. Penibel wird Erde Schicht für Schicht abgetragen, wo ab 2023 die Autobahn bis Neusiedl-Gewerbepark dreispurig ausgebaut werden soll.

Das sorgfältige Schaufeln hat einen guten Grund: In den vergangenen Wochen wurden auf dem Areal 114 antike Gräber von zwei aufeinanderliegenden Friedhöfen freigelegt. Zumindest ein Drittel davon war noch unversehrt. Neben den Skeletten aus dem 3. bis 4. Jahrhundert wurden auch historisch wertvolle Grabbeigaben wie Vasen, Münzen und Keramiken gefunden. Diese werden nun vom Bundesdenkmalamt untersucht.

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Grabungsleiter Jaroslaw Czubak bei einem der Gräber – darin liegt das Skelett einer jungen Frau, die heute gut 1.500 Jahre alt wäre.
Otto Havelka

Vergangenen Freitag wurden die Grabungsarbeiten für heuer beendet. Im kommenden Frühjahr machen sich die Archäologen aber wieder auf die Suche. Bislang wurden rund 250 Quadratmeter des antiken Friedhofs freigelegt. Die Historiker vermuten noch weitere Funde, zumal sich in unmittelbarer Nähe auch die Ausgrabungen der römischen „Kaiservilla“ befinden.

Asfinag-Pressesprecherin Alexandra Vucsina-Valla: „Vor Bauvorhaben gibt es immer eine archäologische Untersuchung des Geländes und auch eine sogenannte Kampfmittelerkundung, ob sich etwa Kriegsrelikte auf dem Areal befinden.“

Mittlerweile wird überlegt, was mit den historischen Funden geschehen soll. Gefundene Dachziegel sollen etwa für die Restaurierung der „Kaiservilla“ dienen. Auch eine eigene Ausstellung der Funde – wo auch immer – steht im Raum. „Am liebsten in einem Heimatmuseum“, wünscht sich der Obmann des Vereins zur Pflege der „Kaiservilla“, Franz Schmitzhofer.