Lukas Vendler zu Nationalpark: „Etwas Spezielles vor der Haustür“

Lukas Vendler ist Nationalparkranger und führt Besucher mit Fachwissen durch den Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel.

Erstellt am 21. November 2021 | 06:46

Als wir uns gegen 14 Uhr beim Nationalparkzentrum in Illmitz treffen, liegt noch eine dichte Wolkendecke am Himmel und lässt den Tag grau in grau erscheinen. Unbeirrt vom mäßigen Wetter begrüßt mich Lukas Vendler herzlich in grüner Ranger-Uniform und erklärt mir anschaulich auf der großen Karte des Nationalparkzentrums Illmitz, was wir an diesem Nachmittag vorhaben und über welche Fläche sich der Nationalpark eigentlich erstreckt. Im Ganzen sind es rund 90 Quadratkilometer auf österreichischer und rund 200 Quadratkilometer auf ungarischer Seite.

Rare weiße Esel im Nationalpark

Unser erstes Ziel an diesem Nachmittag sind die weißen Esel. Schon auf dem Weg brechen die Wolken auf und die Sonne breitet sich über den weiten Steppen des Nationalparks aus. Nicht nur zur Freude der Esel, die in der Vergangenheit von besonders reichen Gutsbesitzern in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie gezüchtet worden sind. Da es nur noch sehr wenige Exemplare gibt, werden sie im Rahmen des Nationalparks als Zuchtprojekt geführt. Sie tragen ebenso wie die Graurinder zur Beweidung der weitläufigen Flächen des Nationalparks bei. Unser nächstes Ziel ist eine Birdwatching-Plattform, auf der wir einen netten Herren treffen, der uns darauf hinweist, wo genau er heute schon hunderte Kraniche gesehen hatte. „Unter Birdwatchern gibt es kein Konkurrenzdenken, da wird alles brüderlich geteilt“, so Vendler über die Kollegialität unter Ornithologen.

„Insgesamt gibt es über 200 Vogelarten hier im Nationalpark, gar nicht so wenige davon sieht man natürlich nur alle paar Jahre. Wenn ein rarer Vogel aber einmal gesehen wird, kommen die Leute aus der Community von überall her – in der Hoffnung, ihn von ihrer Liste streichen zu können“, so Vendler. Er selbst ist seit 2019 im Nationalpark tätig und genießt seine Arbeit sichtlich. Als heute 29-Jähriger hatte er noch das Privileg, in eine analoge Zeit geboren zu werden und dennoch den Sprung zur Digitalität nicht zu verpassen. Der Blick auf die Kinder von heute stimmt nachdenklich.

„Wenn uns früher fad war, sind wir einfach in den Wald gelaufen, haben uns irgendwelche Spiele überlegt und Lager gebaut. Das hat mich wirklich geprägt, die Natur auf diese Art zu entdecken. Und genau das würde ich den Kindern wieder gern vermitteln, dass sie hier etwas ganz Spezielles vor ihrer Haustüre haben, das man schützen und erleben sollte.“

Der Nationalpark bietet ganzjährig Führungen zu allen möglichen Themengebieten an, es sei wärmstens empfohlen.