Neue Arbeitsgemeinschaft für Fischerei am Neusiedler See gegründet

Aktualisiert am 18. Jänner 2023 | 16:05
Lesezeit: 4 Min
Fischerei
David Simon, Leonhard Schneemann und Matthias Grün präsentierten die neue ARGE Neusiedler See-Fischerei am Dienstag der Öffentlichkeit.
Foto: Kaiser
Der Fischereiverband Neusiedler See wurde bereits im Oktober aufgelöst, am Dienstag präsentierte das Land die „ARGE Fischerei“, die ab sofort die Agenden übernimmt. Angesichts des Wassermangels kommt bei Fischern wenig Optimismus auf.
Werbung
Anzeige

Der Fischereiverband Neusiedler See ist Geschichte, ab sofort übernimmt die ARGE Neusiedler See-Fischerei, bestehend aus den See-Eigentümern (siehe ganz unten).

Präsentiert wurde die Nachfolge-Organisation am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit Landesrat Leonhard Schneemann, Esterhazy-Vorstand Matthias Grün und dem Sprecher der neuen Arbeitsgruppe, David Simon.

„Auf Initiative des Landes“ wurden dabei „alle Grundeigentümer an einen Tisch geholt“, freut sich der Fischerei-Landesrat. Die ARGE soll nun die „Basis für eine gemeinsame Bewirtschaftung der Reviere darstellen“, Ende des Jahres soll nach einer Evaluierung ein langfristiges Konzept gefunden werden.

Im Fokus stand bei der ARGE eine „rasche und unkomplizierten Lösung für die Fischerei und den Bezug von Fischereikarten“, erklärte das Trio mit Blick auf fischen-am-see.at, das dafür eigens programmierte Online-Portal. Hier können nun auch die Fischereilizenzen erworben werden.

Grün: „Fischereiverband hat sich nicht gemeldet“

Grün erklärt, wie es seiner Ansicht nach zur Neustrukturierung der Fischerei am Neusiedler See kam: „Nach ihrer überraschenden Liquidation haben die Berufsfischer kein Gespräch mit uns mehr gesucht, wir schon. Wir hätten die Fischerei daher nur einem neuem Vertragspartner übergeben oder den See selber bewirtschaften können. Es hat sich niemand gemeldet, also machen wir das nun selbst über die ARGE. So ist es auch bei der Jagd bereits Gang und Gäbe.“

Er schildert auch, wieso es seiner Ansicht nach zur Auflösung des Fischereiverbandes kam. „Die Pacht wurde immer aus dem Verkauf der Fischerei-Lizenzen finanziert. Die Sorge der Pächter war, dass es zu einem Einbruch bei der Nachfrage kommt und die Pacht daher nicht mehr durch Lizenzen finanzierbar ist.“

Dieser Darstellung schließt sich auch Helmut Schwarz an. Der Berufsfischer aus Oggau und bis zur Liquidation Mitglied des Fischereiverbandes erklärt gegenüber der BVZ: „Uns haben viele Fischer erzählt, dass sie, wenn die Situation sich bis zum Frühjahr nicht bessert, sie heuer keine Lizenz mehr kaufen wollen.“

Wenig Aussicht auf Besserung im Jahr 2023

Dass ein verregnetes Frühjahr den See und die Fischerei rettet, scheint derzeit eher eine Wunschfantasie zu sein, befürchtet Schwarz. Viele Angler seien normalerweise mit dem Boot unterwegs und würden daher nun abwarten, bis die Wassersituation sich bessert „oder zumindest konkrete Pläne auf dem Tisch liegen.“ Bezüglich der Pacht habe man Gespräche mit den Grundeigentümern geführt. Eine nachhaltige Lösung sei dabei aber scheinbar nicht herausgekommen, weshalb der Fischereiverband beschloss, sich aufzulösen.

Bis jetzt habe es keine Gespräche mit der ARGE oder dem Land gegeben. Man warte noch auf einen Termin, voraussichtlich bis zur kommenden Woche. „Bis dahin kann und will ich dazu nichts sagen“, ist Schwarz um ein konstruktives Miteinander bemüht.

Generell seien die Aussichten für die Fischerei am Neusiedler See wenig rosig. Im Vorjahr verendeten unzählige Zander, eine der wichtigsten Arten für die heimischen Angler. Karpfen hingegen kommen mit der Situation besser zurecht, Welse profitieren sogar. „Fischen am See hat Zukunft – auch wenn sich an der Artenvielfalt etwas ändern wird“, betonte auch Grün.

Berufsfischer sei man mit Herz und Seele, erklärt Schwarz, doch wirtschaftlich ist die Lage schwierig. Sich beruflich ein zweites Standbein aufzubauen, sei angesichts der aktuellen Wassersituation daher jedenfalls sinnvoll, rät Schwarz — der selbst nebenbei eine Landwirtschaft betreibt.

Weiterlesen nach der Werbung