Lara Kusztrich spielt erste Geige beim Neujahrskonzert . Lara Kusztrich hat es mit nur 26 Jahren an die musikalische Weltspitze geschafft: Am 1. Jänner hat sie die erste Geige im Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker gespielt.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 08. Januar 2021 (04:50)
Unter Kolleginnen. Lara Kusztrich (1. Reihe Mitte) mit den Violinistinnen der Wiener Philharmoniker.
Benedikt Dinkhauser

Lara Kusztrich hat mit Mitte 20 schon ihr berufliches Lebensziel erreicht: Im April 2019 hat sie das Probespiel für eine frei gewordene Stelle bei den Wiener Philharmonikern gewonnen. Seit September 2020 spielt sie nun die 1. Geige im weltberühmten Orchester. Vorige Woche hatte die hochbegabte Wienerin mit burgenländischen Wurzeln (beide Elternteile stammen aus Neudorf) ihren großen Auftritt beim Neujahrskonzert, dirigiert von Riccardo Muti.

BVZ: Frau Kusztrich, wie hat es sich angefühlt, zum ersten Mal beim weltberühmten Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mitzuspielen?

Violinistin Lara Kusztrich spielt seit 1. September 2020 bei den Wiener Philharmonikern.
Julia Wesely

Lara Kusztrich: Es war unglaublich schön, sowohl wegen des wunderschönen Programms als auch wegen des großartigen Dirigats von Riccardo Muti. Ich habe natürlich nicht zum ersten Mal in unserem Orchester gespielt, aber es war ein einzigartiges Konzert - besonders natürlich auch in dieser speziellen Situation.

Stichwort spezielle Situation: Das Publikum war heuer nur virtuell und vor den TV-Bildschirmen dabei. Fehlt da etwas?

Kusztrich: Es ist seltsam, ohne Publikum im Saal zu spielen. Aber als Wiener Philharmoniker war es uns ein Anliegen, durch unsere Musik gerade in diesen Zeiten ein Zeichnen der Hoffnung und des Optimismus in die Welt zu senden. Ich freue mich jedenfalls schon sehr darauf, hoffentlich bald wieder vor Publikum spielen zu können.

Wie funktioniert der Probebetrieb bei den Wiener Philharmonikern während der Zeit des harten Lockdowns?

Kusztrich: Wir wurden in der Staatsoper zuletzt zwei Mal pro Woche getestet, vor dem Neujahrskonzert im Musikverein sogar jeden Tag. Solange man nicht am Pult sitzt, werden im ganzen Haus FFP2-Masken getragen. Es wird gut aufgepasst und ich fühle mich sicher.

Sie haben es mit Mitte 20 in die erste Reihe eines der weltweit renommiertesten Orchester geschafft. Hat man nach so einer Leistung noch Ziele im beruflichen Leben?

Kusztrich: Es ist jedenfalls meine größte bisherige Errungenschaft, in dieses Orchester hineinzukommen, und ich möchte hier mindestens bis zu meiner Pensionierung spielen. Natürlich strebe ich aber danach, mich künstlerisch wie geigerisch nach wie vor immer weiter zu entwickeln und immer die bestmögliche Leistung für das Orchester zu bringen. Es ist ja nicht so, dass man sich jetzt gemütlich in den Lehnsessel setzt. Es ist eine aktive Arbeit, bei der man darauf achtet, immer fit für Höchstleistungen zu sein.

Wie schon das Sprichwort sagt: „Übung macht den Meister“ - wie lange muss man täglich üben, wenn man Violine bei den Philharmonikern spielt?

Kusztrich: Das kommt darauf an, wie viel rundherum los ist. Wenn ich drei Dienste am Tag habe, mit Proben am Vormittag und Nachmittag und noch einer Vorstellung am Abend, dann kann ich nicht noch zusätzlich fünf Stunden üben. Aber ansonsten übe ich mehrere Stunden am Tag.

Mussten Sie sich als eine der jüngsten Musikerinnen im Orchester erst „beweisen“?

Kusztrich: : Nach gewonnenem Probespiel muss man zuerst eine Probezeit bestehen, da wird einem natürlich ganz besonders auf die Finger geschaut. Aber generell herrscht eine super Atmosphäre im Orchester und ich verstehe mich sehr gut mit meinen Kolleginnen und Kollegen.

Sie sind in Wien geboren und aufgewachsen, ihre Wurzeln sind aber in Neudorf bei Parndorf. Welche Verbindung haben Sie noch zu Neudorf?

Kusztrich: Meine Eltern kommen beide aus Neudorf und in meiner Kindheit waren meine Familie und ich sehr oft dort, bei den Großeltern – fast jeden Sonntag und natürlich auch zu Weihnachten und in den Sommerferien. Wenn der Zeitplan es erlaubt, bin ich auch heute noch ab und zu dort. Musikalisch waren mein großer Bruder und ich auch immer wieder im Burgenland unterwegs – zum Beispiel in der Kindheit beim Kittseer Advent oder in jüngerer Vergangenheit im Kulturzentrum Eisenstadt, Schloss Esterházy und im Lisztzentrum Raiding. Interview: Paul Haider