Hick Hack um Klimazertifizierung in Neusiedl/See

Einstimmiger Beschluss nach ÖVP-Abänderungsantrag soll nun wegen Kostenexplosion wieder aufgehoben werden.

Erstellt am 07. Oktober 2021 | 05:04
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Symbolbild
Foto: Symbolbild/Bilderbox.com

In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurde einer der 14 Tagesordnungspunkte länger diskutiert: Die ÖVP urgierte mit einem Abänderungsantrag eine Anlage für eine kontrollierte Wohnraumlüftung für den im Bau befindlichen vierten Kindergarten der Stadtgemeinde. Diese garantiere nicht nur eine hohe Raumluftqualität, sondern sei energieeffizient und Voraussetzung für die angestrebte Klimazertifizierung, so die Begründung der ÖVP.

Die SPÖ-Fraktion mit Bürgermeisterin Elisabeth Böhm an der Spitze zeigte sich in der Sitzung über den Vorstoß verwundert, denn das Prüfzertifikat sei nach Absprache in der Arbeitsgruppe, in der auch die ÖVP vertreten sei, aus Kostengründen nicht mehr angestrebt worden.

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Vizebürgermeister Thomas Halbritter gab allerdings zu bedenken, dass die Gemeinde Vorbildwirkung habe und bekam Unterstützung von seinem grünen Gemeinderatskollegen Hannes Linhart.

Die SPÖ bat daraufhin um Sitzungsunterbrechung, um danach dem Abänderungsantrag der Neusiedler Volkspartei zuzustimmen. Wie es auch Grüne und FPÖ taten.

In einer Aussendung der Stadtgemeinde teilte Bürgermeisterin Elisabeth Böhm daraufhin auch den „weiteren Schritt in Richtung Klimaschutz“ mit. Der derzeit in Bau befindliche 4. Kindergarten werde mit Fernwärme für Raumheizung und Warmwasserbereitung sowie einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Zusätzlich werde eine „klimaaktiv“-Zertifizierung von Seiten des Bundes angestrebt, hieß es und weiter: „Der neue Kindergarten wird nach den derzeit bestmöglichen klimaneutralen Standards gebaut. Es kommen alternative Energieformen wie Photovoltaik und Fernwärmebetrieb zum Einsatz, um einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch und Energiebedarf zu gewährleisten.“

Vergangenen Dienstag musste die Bürgermeisterin allerdings nach ihren Worten „die Notbremse“ ziehen. Der am 28. September gefasste Beschluss soll in einer Gemeinderatssitzung am 13. Oktober schon wieder aufgehoben werden. „Der Abänderungsantrag der ÖVP wären Mehrkosten in Höhe von 700.000 Euro und eine Bauverzögerung von mindestens neun Monaten. Diesen Betrag kann sich die Stadtgemeinde Neusiedl am See unmöglich leisten.“

Dem Abänderungsantrag der ÖVP habe man nur zugestimmt, da von dieser maximale Mehrkosten von 100.000 Euro kolportiert wurden. Die von der Bürgermeisterin dringend erforderliche Vertagung wurde damals abgelehnt.