Vor Gericht wegen Nazi-Tätowierungen. Fünf einschlägige Tattoos brachten einem 35-jährigen Slowaken eine Anklage wegen Wiederbetätigung ein.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 29. Oktober 2020 (05:22)
14 Monate bedingte Freiheitsstrafe. Die Entfernung der Tattoos milderten das Strafmaß.
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Ein 35-jähriger Slowake wurde am 3. Mai dieses Jahres bei seinem Grenzübertritt in Berg von österreichischen Grenzbeamten angehalten. Dabei wurden an dem Mann fünf dem Nationalsozialismus zuzuordnende Tattoos festgestellt. Unter anderem hatte er sich zwei Hakenkreuze und das Wort „Heil“ auf den linken Mittelfinger tätowieren lassen. Dies sei zu seiner Zeit in der Mittelschule geschehen, rechtfertigte sich der Mann vor dem Schwurgericht am Landesgericht Korneuburg, als es darum ging, mit den anderen Jungs mitzuhalten.

Die Begeisterung dürfte jedenfalls noch eine Zeit lang angehalten haben, denn sowohl das rechte als auch das linke Knie, der rechte Unterarm und die linke Handfläche sind einschlägig tätowiert. Seit November 2019 lebt der Angeklagte nun schon in Kittsee, was bedeutet, dass er sich seit diesem Zeitpunkt der Wiederbetätigung schuldig gemacht hat. Der in der Slowakei als Croupier arbeitende Mann gab vor Richter Manfred Hohenecker an, die inkriminierten Tattoos inzwischen getilgt zu haben, was er dem Richter auch demonstrierte.

Da an der Schuld des Mannes kein Zweifel bestand (Staatsanwalt Friedrich Köhl: „Es handelt sich um einen überschaubaren Sachverhalt.“), konnte sich die Geschworenen-Jury zügig auf ein Urteil einigen, das folgerichtig auf „schuldig“ lautete. In der Bemessung des Strafmaßes von 14 Monaten bedingter Freiheitsstrafe wertete Richter Hohenecker die Entfernung der Tätowierungen als mildernden Umstand. Verteidiger Herbert Nigl riet seinem Mandanten, das Urteil anzunehmen. Der Rechtsmittelverzicht der Staatsanwalt machte das Urteil schließlich rechtskräftig.