Greenpeace-Warnung und Sorge um den Neusiedler See. Klima-Report zeigt Gefahr für die Austrocknung des Neusiedler Sees. Experten sehen die Prognose aber auch skeptisch.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 18. September 2019 (05:25)
Greenpeace/Mitja Kobal
Austrocknung als „reale Bedrohung“. Die Entwicklung des Neusiedler Sees beschäftigt nicht nur den Umweltschutz.

„Die Klimakrise ist längst auch im Burgenland angekommen“, warnt Sophie Lampl von Greenpeace. Mit ihrem ersten Klima-Report zeigt die Umweltschutz-Organisation aus ihrer Sicht eine realistische Entwicklung auf: „Der Neusiedler See droht auszutrocknen“, bringt es Lampl auf den Punkt. Als Basis für die düstere Prognose dient eine Studie der Universität für Bodenkultur, in der die „vollständige Austrocknung“ als reale Bedrohung genannt wird.

Genau hier zeigen sich Experten aber skeptisch: „Wenn es vier, fünf Jahre hintereinander sehr wenig Niederschlag gibt, so wie 2003, wird es tatsächlich kritisch. Prognosen über Niederschläge sind aber schwierig, das ist der Schwachpunkt der Studie“, meint etwa Alois Herzig, wissenschaftlicher Leiter des Nationalparks. Seitens Greenpeace weist Expertin Jasmin Duregger wiederum auf die belegbare Problematik der Verdunstung hin.

Als „nicht besorgniserregend“ stuft auf BVZ-Anfrage Thomas Zechmeister von der Biologischen Station Illmitz die Lage ein. Ebenso sieht es SP-Umweltlandesrätin Astrid Eisenkopf. Dennoch ist die Frage auch längst Thema der Politik; die Grünen stellen dazu eine Anfrage in der dieswöchigen Landtagssitzung. Seitens des Landes wird der See in Abstimmung mit den Experten genau beobachtet.

Tourismus wehrt sich gegen „Panikmache“

Entschieden tritt FP-Landesrat Alexander Petschnig aus Sicht des Tourismus auf: Aus wirtschaftlicher Sicht sei „niemand an Panik oder gar Weltuntergangsszenarien interessiert“. Die Wassertiefe habe bislang keine Auswirkungen auf das Gäste-Verhalten gezeigt.

Man nehme die Thematik aber „nicht auf die leichte Schulter“, so Tourismusdirektor Hannes Anton. In Sachen See nennt er einen weiteren Aspekt: „In die gemeinsamen Bemühungen muss auch die Landwirtschaft einbezogen werden“, verweist er auf die Bewässerung großer Ackerflächen im Seewinkel. Landwirtschaftskammer-Direktor Otto Prieler hingegen betont: „Bewässert wird nur mit Grundwasser und hier gibt es keinen Zusammenhang zum See und den Lacken.“

Einig ist man sich darüber, dass der See als Lebensraum ebenso Bedeutung hat wie als Tourismus-Magnet. Hier berichten die Geschichtsbücher übrigens von einem Kuriosum: Als der See 1868 austrocknete, kamen die Gäste, um dieses Naturphänomen zu sehen.