Wen juckt die "Rote Liste"?. über einen Welterbestatus, den keiner verteidigt

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 10. Juni 2021 (05:48)

Die grenzüberschreitende Region Fertö-Neusiedler See verfügt über ein besonderes Gütesiegel, mit dem auch fleißig geworben wird. Die Region gehört zu den UNESCO Weltkulturerbestätten, und das bedeutet, dass ihr ein „außergewöhnlicher universeller Wert“ zugeschrieben wird. Dieses Gütesiegel ist der Region aber keinesfalls für die Ewigkeit bedingungslos sicher. Das zeigt nun die Debatte, ob die Kulturlandschaft auf die „Rote Liste“ der gefährdeten Welterbestätten gesetzt werden soll.

Die UNESCO erwägt diesen Schritt, wenn Ungarn an seinem großen Tourismusprojekt auf der ungarischen Seite des Neusiedler Sees in Fertörakos festhält.

Es wäre nicht die einzige österreichische Welterbestätte (von denen es zehn gibt), die dann auf der „Roten Liste“ stehen würde. Darauf steht seit 2017 auch das historische Zentrum Wiens aufgrund städtebaulicher Entwicklungen. Zur Aberkennung des Welterbestatus kam es bis dato allerdings nicht, weil Wien den Willen zeigte, sein historisches Zentrum zu erhalten.

Wie groß dieses Bemühen in der Region Neusiedler See sein wird, wird sich noch zeigen müssen. Vor allem in einer nachbarschaftlichen österreichisch-ungarischen Partnerschaft. Bislang scheint dem Orban-Ungarn die Androhung der „Roten Liste“ herzlich egal zu sein. Aber auch auf österreichischer Seite zeigt man sich bei den politischen Stakeholdern noch recht gelassen.